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Kritik an barrierefreier Natur

Marie Lührs 08.07.2019 0 Kommentare

Wünschen sich den Trampelpfad zurück: Anwohnerin Martina Rüggebrecht und Kiran Krüger.
Wünschen sich den Trampelpfad zurück: Anwohnerin Martina Rüggebrecht und Kiran Krüger. (Björn Hake)

Wenn Martina Rüggebrecht aus ihrem Wohnzimmerfenster blickt, schaut sie in die Natur. Es ist eine schöne Aussicht, findet sie. Doch in den vergangenen Wochen wurde ihre Freude darüber getrübt. Bagger rückten an, um den kleinen Fußweg, der vom Wendeplatz am Ende der Allerstraße in die Natur führt, zu vergrößern und zu befestigen.

Mitte Juni machten sich die Bauarbeiter im Auftrag der Stadt daran, die etwa 220 Meter lange Strecke, die vom Wendeplatz durch die Wiesen Höltenwerder zur Weserstraße führt, auszubauen. Ziel der Arbeiten ist es, eine barrierefreie Wegeverbindung zu schaffen, erklärte die Stadt zu dieser Zeit auf ihrer Facebookseite und sammelte schon da einige kritische Kommentare, aber auch Lob für das Vorhaben.

Neuer Jugendtreffpunkt im Naturschutzgebiet befürchtet

Familien mit Kinderwagen oder Buggy, aber auch Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Rollatoren sollen durch den planen und befestigten Weg nun auch in den Genuss kommen, die Natur an der Aller zu genießen. Rüggebrecht zumindest fällt es zum Teil schwer, dieses Argument zu verstehen. „Ich kenne keinen Rollstuhlfahrer, der hier lang fahren würde“, sagt die in der Altenpflege tätige Frau. Doch abgesehen von dem für sie zweifelhaften Nutzen der ausgebauten Wegeverbindung hat sie einen weiteren, deutlich größeren Kritikpunkt. Sie fürchtet, dass der Weg vermehrt Jugendliche anzieht, die das Naturschutzgebiet als neuen Treffpunkt auserwählen. „Je mehr Menschen, desto weniger Tiere“, lautet Rüggebrechts besorgte Formel.

Schon jetzt treffen sich auf dem Wendeplatz häufiger junge Leute, die nach einer Alternative zum Allerpark in dem Naturschutzgebiet suchen, moniert die Anwohnerin. Umso mehr Infrastruktur, Sitzgelegenheiten und Mülleimer dort entstehen, umso mehr werde das Areal vermüllt. „Wir haben wirklich sehr darauf gedrängt, dass das Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt wird“, blickt sie zurück. Im November 2016 wurde das Areal nach deutschem Recht zum Naturschutzgebiet ernannt. Von der Europäischen Union wurde die Allerniederung bereits früher den „Natura 200“-Gebieten zugeordnet.

Ein weiterer, der sich um die Natur zwischen Allerufer und Weserstraße sorgt ist Kiran Krüger. Er lebt zwar inzwischen im Landkreis Rotenburg, ist aber beruflich noch in seiner früheren Heimatstadt eingebunden. Wartezeiten vor und nach der Arbeit verbringt er gerne in Verdens stadtnahem Grün. Und das verliere immer mehr an Natürlichkeit. „Vorher war das ein stinknormaler Trampelpfad“, sagt er mit Blick auf das nun barrierefreie Wegstück.

Der ehemalige Trampelpfad ist Teil eines größeren Projekts. Der Allerweg soll künftig von der Eitzer Straße parallel zum Fluss und im späteren Verlauf in einem Bogen zum Stadtwald führen. Die Sorge, dass der Naturschutz beim Ausbau des Weges unter den Tisch fiel, kann Bernd Kiefer vom Fachbereich Umwelt- und Naturschutz der Stadt Verden zerstreuen: „Es wurde alles mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden im Vorfeld abgestimmt“. Das Land Niedersachsen, das Eigentümerin des Areals ist, habe dem Bau ebenfalls zugestimmt.

Stadt weist Vorwürfe von sich

Auch den kursierenden Vorwurf, es sei ohne Rücksicht auf die Brut- und Setzzeit vor Ort gemäht worden, weist die Stadt von sich. „Das Mähen des Grünlandes in der Maulohe ist gemäß Schutzgebietsverordnung ab Anfang Juni zulässig“, sagt Kiefert. Zudem sei das Areal zuvor auf brütende Vögel untersucht worden. Auch das sei in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde geschehen.

Die Natur werde zubetoniert, lautet ein weiterer Vorwurf, der den Verantwortlichen bei der Stadt entgegengebracht wird. Dem setzt Kiefert Fakten entgegen: „Der Unterbau ist aus Natursteinschotter, die Oberfläche aus einem feinkörnigen Material“. Beides sei wasserdurchlässig und biete den Vorteil, dass Räder von Rollstühlen und Kinderwagen nicht mehr im nassen Boden einsinken können.

Die Arbeiten sollen voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche abgeschlossen werden.


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Leserkommentare
ManUD7 am 22.10.2019 07:37
Wieso wird die Bevölkerung aufgehetzt? Jahrelang sieht man doch nur noch Mais. Und dieser dient weitestgehend zum Betrieb der Biogasanlagen. Dafür ...
Mangaguide.de am 22.10.2019 07:30
Ein Punkt in Flensburg fuer den Halter war ja geplant, wurde aber leider wieder verworfen.

Alternativ koennte man ja auch Feuerwehr, ...