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Bundesverdienstkreuz
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Nach Müllerin Art

Jörn Dirk Zweibrock 13.06.2018 0 Kommentare

Entschleunigung pur: Auf dem Verdener Domplatz tankt Gabriele Müller gern neue Kraft. Aber ohne Kaffee geht es nicht.
Entschleunigung pur: Auf dem Verdener Domplatz tankt Gabriele Müller gern neue Kraft. Aber ohne Kaffee geht es nicht. (Björn Hake)

Gabriele Müller sitzt auf der Bank, gönnt sich erst einmal einen ordentlichen Schluck Kaffee aus ihrem Isolierbecher und steckt sich nebenbei eine Zigarette an. Auch die gehört zu ihren Markenzeichen. Die 54-Jährige liebt einfach den Verdener Domplatz, er atmet ihrer Meinung nach jede Menge Geschichte, bildet deswegen auch alle drei Jahre die beeindruckende Kulisse für die Domfestspiele. Weil sie mit den Festspielen eine weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Kultur-Marke etabliert hat, ist Gabriele Müller am Mittwoch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

"Der Bundespräsident hat Ihnen für Ihr beispielhaftes ehrenamtliches kulturelles Engagement die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen", hat Verdens Landrat Peter Bohlmann bei der Verleihung im Domherrenhaus gesagt. Doch bescheiden wie "der Motor und die Seele der Verdener Domfestspiele" nun einmal ist, nimmt Gabriele Müller die Ehrung stellvertretend für alle, sprich für das gesamte Team vor und hinter den Kulissen entgegen. "Ich habe schließlich zwei Familien, meine leibliche und meine Domi-Familie", erzählt sie stolz und nimmt noch einen weiteren Schluck Kaffee. Während sie mit der Hand durch ihr wallendes Haar fährt – wie ihr lautes Lachen ein weiteres Markenzeichen der Verdener Kulturschaffenden – beginnt sie, in Erinnerungen zu schwelgen: Als gebürtige Bremerin dürfe sie das Bundesverdienstkreuz ja eigentlich gar nicht annehmen, denn schließlich würden sich Hanseaten nicht mit Auszeichnungen fremder Herren schmücken. Da sie den "Orden" jedoch als Anerkennung für alle verstehe und bereits seit 45 Jahren in Verden lebe, drücke sie in ihrem Fall jedoch ausnahmsweise beide Augen zu.

Fast 30 Jahre lang hat Gabriele Müller als freie Mitarbeiterin für die VERDENER NACHRICHTEN berichtet, früher die Eltern-Initiative Villa Kunterbunt mit ins Leben gerufen und sich im Verdener Kulturverein engagiert. Bereits seit 20 Jahren gehört sie inzwischen dem Domfestspiel-Verein an, seit 2012 als geschäftsführende Vorsitzende. Die Besucher des Domherrenhauses kennen sie zudem als Museumsassistentin.

Privat liest die Verdenerin gerne gute historische Romane. "Diese theatralische Geschichts-Lektion bietet den Menschen einfach einen ganz anderen Zugang zur Geschichte." Und genau das sei im Endeffekt auch das Anliegen der Domfestspiele – Historie sichtbar und erlebbar machen. Denn: "Nur wer seine eigene Geschichte kennt, wird auch eine Zukunft haben." Hand aufs Herz – ist eine nach außen so schillernde Persönlichkeit wie Gabriele Müller eigentlich auch privat ein extrovertierter Mensch? "Nein. Wenn früher einer gefragt hat, wo ist Gaby, hieß es immer: Die sitzt in ihrem Zimmer und liest." Nach der Aller-Symphonie im Juli – ein weiteres Projekt nach Müllerin Art – beginnt sie auch schon wieder mit dem Schreiben des Stückes für die nächsten Domfestspiele (2020). "Die groben Strukturen für eine Geschichte fliegen mir im Grunde genommen leicht zu", verrät sie, vergleicht den kreativen Schaffensprozess mit einer Geburt: "Ich habe das Kind zur Welt gebracht, es lernt laufen, und ich lasse es los." Und so bilde ihre Geschichte die Grundlage für die folgende Arbeit des Regisseurs, der das Drehbuch schreibe und die Inszenierung vorbereite.

Kultur ist für die Frau, die Verden zur Festspielzeit stets in ein norddeutsches Oberammergau verwandelt, eben ein hohes Gut. Denn erst die Kultur mache einen Ort lebens- und liebenswert. Wer die Frau mit der tiefen Stimme ("Ich singe Bariton im Chor No Wonder") kennt, weiß, dass sie diesbezüglich nur so vor Ideen sprudelt und in den nächsten 20 Jahren bestimmt noch das eine oder andere kulturelle Schmankerl im Verdener Rosengarten oder im Rhododendron-Park aus dem Boden stampft. Eine Herzensangelegenheit sei für sie auch weiterhin das Ladenfüller-Projekt, bei dem der Domfestspiel-Verein leer stehende Geschäfte in der Innenstadt auf Zeit zu neuem (kulturellen) Leben erwecke.

Sitzt die neue Trägerin des Bundesverdienstkreuzes wieder einmal mit ihrem Kaffeebecher auf dem Domplatz und atmet Geschichte ein, ist das für Gabriele Müller Entschleunigung pur. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, wo nach den Domfestspielen schon wieder vor der Aller-Symphonie ist.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?