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Streit um Panzenberg
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Naturschützer kämpfen gegen Trinkwasserförderung in Verden

Anna Zacharias 26.03.2018 0 Kommentare

Ob geplante Erdgasförderung oder Trinkwasserentnahme: Das Gebiet um das Wasserwerk am Panzenberg in Scharnhorst macht Verdener Naturschützern derzeit große Sorgen.
Ob geplante Erdgasförderung oder Trinkwasserentnahme: Das Gebiet um das Wasserwerk am Panzenberg in Scharnhorst macht Verdener Naturschützern derzeit große Sorgen. (Strangmann)

Die Umweltschutzverbände BUND und Nabu Verden befürchten schlimmere Folgen für die Gewässer in der Region, sollte die weitere Trinkwasserförderung am Panzenberg genehmigt werden. Besonders nach den jüngsten Äußerungen von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sehen sie Grund zu Sorge. Der Trinkwasserverband Verden hatte eine Grundwasserentnahme von etwa 9,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr beantragt. Die Förderung soll auch dazu dienen, die Hansestadt Bremen weiterhin zu versorgen. Hintergrund der Debatte ist der inzwischen von Studien belegte Zusammenhang zwischen dem Austrocknen des Verdener Halsebaches und der Trinkwasserförderung.

Olaf Lies hatte bei seinem Besuch am Wasserwerk Panzenberg in Scharnhorst vor einigen Tagen angekündigt, die Entscheidung über die künftige Trinkwasserförderung voranzubringen zu wollen: „Der Trinkwasserverband Verden braucht endlich Planungssicherheit. Wir werden die jahrelange Hängepartie beenden. Nach Vorlage der Untersuchungsergebnisse durch den Wasserverband, den Landkreis und das Land Bremen wird das Umweltministerium feststellen, ob die Voraussetzungen für die Formulierung weniger strenger Bewirtschaftungsziele erfüllt werden", sagte Lies.

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Diese Äußerungen rufen bei den Umweltschützern Kritik hervor: „Hier scheinen die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit offenbar über Bord zu gehen. Nach Ablauf der Genehmigung im Jahr 2009 habe der Trinkwasserverband Verden erst im März 2015 einen formellen Antrag für ein neues Bewilligungsverfahren beim Landkreis eingereicht, bis heute sind die Antragsunterlagen immer noch nicht vollständig“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Nabu und BUND.

Für die Verzögerungen sei der Trinkwasserverband verantwortlich, damit gehe eine derzeitige Hängepartie allein auf sein Konto, meinen die Naturschützer. Diese sei aber für den Verband selbst sogar durchaus von Vorteil, denn seit Dezember 2009 fördert er auf Grundlage der abgelaufenen ersten Genehmigung, die 1979 erteilt wurde, mit einer vorläufigen Erlaubnis weiterhin Trinkwasser am Panzenberg in einer Höhe von bereits knapp zehn Millionen Kubikmeter jährlich. 90 Prozent der Förderung gehen an die swb Bremen GmbH (ehemals Stadtwerke Bremen), die sich in der Vergangenheit unter anderem an dem Ausbau der Versorgungsleitung nach Bremen beteiligt hatten.

Im Oktober 2015 hat der Landkreis Verden dem Trinkwasserverband Verden mitgeteilt, dass die Förderung von Grundwasser im Halsetal aufgrund der nachgewiesenen Umweltschäden dem europäischen Wasserhaushaltgesetz widerspreche und die Bewilligung nach der derzeitigen Sach- und Rechtslage nicht erteilt werden könne.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert für alle Gewässer das Erhalten oder Erreichen eines "guten Zustands". Dieser könne bei einer Grundwasserförderung in der geplanten Größenordnung für den Halsebach nicht gewährleistet werden, teilt das Umweltministerium mit. Das Land habe jedoch die Möglichkeit zu prüfen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für weniger strenge Bewirtschaftungsziele erfüllt sind. In diesem Fall wäre die Fortsetzung der Grundwasserförderung möglich, so das Ministerium.

Die Naturschützer aus der Region vermuten, dass die möglichen Alternativen im Land Bremen gar nicht ernsthaft geprüft werden sollen. Stattdessen wolle der Trinkwasserverband offenbar mit Unterstützung des Umweltministeriums erreichen, dass die Förderung in der beantragten Höhe erfolgen könne, kritisieren sie.

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Dazu sagt Udo Paepke, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Verden: „Inzwischen ist durch neue hydrogeologische Gutachten bestätigt, dass die bisherige Bewilligung im Jahr 1979 und auch die vorläufige Erlaubnis ab 2009 auf der Grundlage von unzutreffenden Gutachten erteilt wurden. Die damaligen Gutachten attestierten fälschlicherweise wasserundurchlässige Mergelschichten zwischen den Grundwasserstockwerken, so dass die hohe Fördermenge entgegen den Darstellungen des Trinkwasserverbandes sehr wohl zu erheblichen Verschlechterungen der Oberflächenbiotope und zu katastrophalen ökologischen Schäden geführt hat.“

Rolf Göbbert, zweiter Vorsitzender des Nabu Kreisverbands Verden ergänzt: „Das neue Gutachten zeigt, dass auch das Einflussgebiet der Trinkwasserförderung viel größer ist als früher behauptet. Das Modell belegt, dass die Absenkungen des Grundwassers bis nach Langwedel, Holtebüttel und Völkersen zu spüren sind." Aus eigener Beobachtung als Nebenerwerbslandwirt registriere er, wie andere Gewässer in der Gemarkung Holtebüttel immer weniger Wasser führen und die Anzahl der Amphibien drastisch zurückgegangen sei.

Folgen könnten gravierend sein

Die Folgen der Grundwasserabsenkung im Förderungstrichter von bis zu 9,50 Meter seien deshalb nicht einmal die halbe Wahrheit. Die ökologischen Folgen der Trinkwasserförderung schätzt Göbbert viel gravierender ein als die der geplanten Erdgasförderung, die im Raum Scharnhorst äußerst umstritten ist. "Sind die Anlieger allerdings nicht direkt wie bei der Erdgasförderung durch Erdstöße spürbar betroffen, regt sich auch kaum Widerstand“, sagt der Naturschützer über das umkämpfte Terrain.

Göbbert und Paepke kündigen diesen gegen eine weitere Bewilligung der Trinkwasserförderung am Panzenberg umso vehementer an und unterstellen, dass eine Alternativenprüfung nicht ernsthaft betrieben werde. Rolf Göbbert: „Ich glaube, dass die Trinkwasserversorger hier und in Bremen aus Kostengründen an der bisherigen Trinkwasserförderung weiter festhalten möchten und deshalb an einem Umdenken nicht interessiert sind." Und Udo Paepke meint: „Wir müssen bei der Förderung von Trinkwasser ein anderes Bewusstsein im Umgang mit der Natur schaffen.“


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?