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Maikundgebung in Verden
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„Nicht meckern, sondern handeln“

Lena Mysegades 02.05.2019 0 Kommentare

Ernesto Harder (Mitte), Gewerkschaftssekretär der IG Metall Bremen, appellierte an sein Publikum:
Ernesto Harder (Mitte), Gewerkschaftssekretär der IG Metall Bremen, appellierte an sein Publikum: "Geht am 26. Mai unbedingt wählen." (Björn Hake)

Dass die Gewerkschaften am ersten Mai, dem Tag der Arbeit, immer nur meckern – das wollte Ernesto Harder, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Bremen, bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Verdener Rathaus nicht auf sich sitzen lassen. Statt zu meckern, entschied sich der diesjährige Hauptredner also für eine Rede, die zu Mut und Tatkraft animieren sollte. „Europa – jetzt erst richtig“ lautete das übergeordnete Motto der Kundgebung. Am DJ-Pult saß dabei DJ Patrick, der mit „Auf uns“ von Andreas Bourani auch musikalisch für Zusammenhalt warb.

Vor gut 150 Jahren wurde die erste Gewerkschaft in Verden gegründet. „Lange her – doch brauchen wir auch heute noch Gewerkschaften?“, fragte Harder sein Publikum. Dass diese Frage mit Ja zu beantworten ist, war für ihn ein klar. Für gute und bessere Arbeit brauche es dreierlei: bessere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und sichere Arbeitsplätze.

Lohnsteigerung erreicht

Und um seine Antwort „Ja, es braucht Gewerkschaften“ zu verifizieren, drehte er den Spieß einfach um. Er fragte: „Was müssten die Arbeitgeber tun, damit wir Gewerkschaften nichts mehr zu tun hätten? Einfach den Lohn um fünf Prozent anheben.“ Doch, da dies bekanntlich nicht so einfach funktioniere, müssten sich die Arbeitnehmer eben zusammenschließen, in eine Gewerkschaft eintreten und einen Tarifvertrag fordern. Was im vergangenen Jahr auch gut geklappt habe. Schließlich sei so eine Lohnsteigerung um durchschnittlich drei Prozent – in Ostdeutschland sogar um 3,3 Prozent – erreicht worden.

Bei den Arbeitsbedingungen wieder dasselbe Spiel: Harder appellierte an die Arbeitgeber. Wenn sie die Gewerkschaften überflüssig machen wollten, müssten sie die Arbeitsbedingungen verbessern. So sei mit der 35-Stunden-Woche schon einmal viel erreicht: „Zum Beispiel eine Work-Life-Balance, in der Familie und Beruf miteinander vereinbart werden können.“ Dann schraubte er die Hürde für die Arbeitgeber sogar noch einmal runter und sagte: „Wie wäre es, wenn die Gesetze zum Schutz der Interessen der Arbeitnehmer einfach eingehalten werden?“ Damit bezog er sich unter anderem auf das Zehn-Stunden-Arbeitstag-Gesetz und auf die Ruhezeit zwischen den Arbeitstagen von mindestens elf Stunden.

Nachdem er zweierlei seiner Forderungen abgedeckt hatte, ging er auf den Punkt der Beschäftigungssicherung ein. Man habe bundesweit nahezu Vollbeschäftigung – in Verden seien die Arbeitslosenzahlen sogar noch besser als im Bundesdurchschnitt. „Allerdings bemängeln Arbeitgeber den Fachkräftemangel“, sagte Ernesto Harder. Wie könne so etwas sein, wenn in Niedersachsen im vergangenen Jahr 9980 erfolglose Ausbildungsplatzbewerber gezählt wurden. „Für die Gewerkschaften bedeutet das: Es muss einen Umlagefonds geben, in die Betriebe, die nicht ausbilden wollen, einzahlen sollen, um die Betriebe zu unterstützen, die dieser Verpflichtung nachgehen.“

Kritik an der Leiharbeit

Die Leiharbeit kritisierte er ebenfalls. Denn für ihn sei diese eine Möglichkeit, den Kündigungsschutz zu umgehen. „Da ist es gut, dass es Gewerkschaften gibt, die das Ende des Missbrauchs von Leiharbeit fordern und diese, wenn überhaupt, nur noch tariflich geregelt zulassen wollen und mit klaren Perspektiven, in die Stammbelegschaft aufgenommen zu werden“, betonte Harder.

Zudem forderte der Gewerkschaftssekretär, dass sich die Gewerkschaften weiter entwickeln. Die Herausforderungen, die er in diesem Zusammenhang nannte, heißen Ökologie und Technologie. „Wir erleben mit der Digitalisierung eine Fortsetzung der Automatisierung, wo es nicht nur darum geht, dass Handgriffe durch Maschinen ersetzt werden, sondern auch längst geistige Arbeit durch schnelle und smarte Programme ersetzt werden können“, sagte Harder. Doch, wer kontrolliert wen? Ob der Mensch die Maschine oder andersherum kontrolliere, das sei für die Gewerkschaften keine Frage. Harder: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“

Auf die Ökologie bezogen fand er, dass es hier keine Kompromisse gebe. „Hier geht es nicht um 2,5 oder vier Prozent mehr Entgelt. Es geht um die Erhaltung unseres Planeten.“ In Sachen Demokratie kritisierte er die AfD massiv und ihre anti-europäische Haltung. Und so verabschiedete er sich mit den Worten: „Nicht jammern, sondern den Hintern hochbekommen und demokratisch wählen am 26. Mai.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...