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Weinbau
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Rebensaft aus Dauelsen

Andreas Becker 16.05.2019 0 Kommentare

Noch stammen die Trauben aus dem Supermarkt, aber Jungwinzerin Bärbel Rater aus Dauelsen will in Zukunft ihre eigenen Beeren ernten und auch selbst Weißwein herstellen.
Noch stammen die Trauben aus dem Supermarkt, aber Jungwinzerin Bärbel Rater aus Dauelsen will in Zukunft ihre eigenen Beeren ernten und auch selbst Weißwein herstellen. (Björn Hake)

Mit ihren Eltern machte sie als Kind häufig in Weingegenden Urlaub, und ihre Hochzeitsreise führte an die Mosel. Bärbel Rater aus Dauelsen trinkt gerne Wein, den sie bislang beim Winzer kaufte. Das soll sich ändern, denn Bärbel Rater und ihr Mann Hans-Joachim wollen künftig ihre eigenen Weintrauben anbauen und zu Wein keltern. Die Weinstöcke wollen sie mit Hilfe von Freunden an diesem Sonnabend in die Erde setzen. Hilfe bekommen die künftigen Weinanbauer dabei von dem erfahrenen Biowinzer Norbert Helde vom Kaiserstuhl.

Dazu haben die Raters in Dauelsen am Halsmühlenweg ein etwa 5000 Quadratmeter großes Grundstück gepachtet. Für den Weinanbau genutzt wird allerdings zunächst nur ein 500 Quadratmeter großes Teilstück. Viel zu sehen ist dort noch nicht. Im vorderen Bereich stehen ältere Obstbäume, wie ein langer Schlauch zieht sich das Wiesengrundstück in die Felder. Im hinteren Bereich liegt die Fläche für den Weinanbau. „Das Teilstück ist schon gerodet und wird für die Pflanzaktion noch zusätzlich vorbereitet“, verrät Bärbel Rater. Etwa 250 Pflanzen sollen auf dem Grundstück Platz finden und sich dann die nächsten zwei bis drei Jahre in Ruhe entwickeln. Erst nach dieser Wartezeit sei überhaupt eine nennenswerte Ernte zu erwarten, sagt Bärbel Rater. 

Wie viel das in Flaschen sein wird, kann sie zwar noch nicht abschätzen. „Im Schnitt eine Flasche pro Weinstock soll es aber sein, in guten Jahren auch mehr.“ Entscheidend für die Qualität sei nicht zuletzt der Boden. „Wir haben hier ja keinen Schiefer im Boden, der in anderen Gegenden den Geschmack des Weines beeinflusst. Aber in anderen Gegenden wie Lüneburg und Ostfriesland klappt es ja auch“, ist Bärbel Rater zuversichtlich.

Als Winzer in Norddeutschland sind Bärbel und Hans-Joachim Rater Exoten – alleine sind sie nicht. Denn mit ihnen gibt es aktuell 19 Jungwinzer in Niedersachsen. Möglich gemacht hat diese Entwicklung die Neuregelung des Weinanbaus in Deutschland von 2016, die vorerst bis 2020 gilt. Danach dürfen in allen Bundesländern jährlich fünf Hektar Rebflächen neu angelegt werden. „Niedersachsen ist dadurch seit 2016 offizielles Weinanbaugebiet. Durch den Klimawandel sind auch im Norden die klimatischen Voraussetzungen gegeben“, erzählt Bärbel Rater. Sie persönlich reize am Weinanbau der Umgang mit einem „alten Kulturgut“, zumal in früheren Zeiten im Norden bereits Reben angebaut worden seien. Weitere neue Anbaugebiete sind Göttingen, Hannover, Friesland, Osnabrück und Ammerland. Aber auch in Schleswig Holstein, Mecklenburg und Berlin wird eigener Rebensaft gewonnen und vermarktet. Im Landkreis Verden ist Bärbel Rater nach ihren Kenntnissen noch die einzige Jungwinzerin.

Mut gemacht haben den Raters erste Versuche im eigenen Garten, wo sie ein paar Rebstöcke eingepflanzt hatten. „Damit haben wir erste Erfahrungen gemacht, ohne allerdings Wein herzustellen. Stattdessen haben wir die Beeren zu Saft und Gelee verarbeitet“, sagt die Jungwinzerin. Im vergangenen Jahr stellte sie beim Bundeslandwirtschaftsministerium den Antrag, Wein anzubauen. Mittlerweile liegt die Genehmigung vor. „Mit einem Profiwinzer im Rücken ist das Risiko kalkulierbar“, betont Rater. Bei der Traube setzt sie auf die Sorte Muscaris, eine 1987 gezüchtete pilzwiderstandsfähige Weißweinsorte. „Das ist eine Empfehlung des Weininstituts. Durch die Pilzresistenz eignet sie sich besonders für unsere Breiten, wo es weniger Sonnenstunden und mehr Feuchtigkeit gibt“, so die Dauelserin.

Wichtig sei ihr nicht nur die Bioqualität, sondern auch der regionale Aspekt. „Es muss ja nicht alles aufwendig und mit den bekannten negativen Folgen für das Klima aus fernen Ländern hertransportiert werden. Wir sollten versuchen, mehr in der Region herzustellen und anzubauen“, argumentiert Bärbel Rater, die für die Grünen einen Sitz im Stadtrat hat.

Die Idee, selbst in die Weinproduktion einzusteigen, ist für die Raters weniger ein berufliches Standbein, sondern zunächst ausdrücklich ein Hobby mit Blick auf den nahenden Ruhestand. Wie viel Pflege die Weinstöcke erfordern, müsse sich erst zeigen, sagt Bärbel Rater. Zunächst heiße es in jedem Fall, regelmäßig die Erde zu hacken und die Reben richtig zu beschneiden.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...