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Allersymphonie
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Spektakel mit Verspätung

Susanne Ehrlich 29.07.2018 0 Kommentare

Was für eine prächtige Kulisse: Dirigent Gábor Hontvári mit dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen.
Was für eine prächtige Kulisse: Dirigent Gábor Hontvári mit dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen. (fotos: Björn Hake)

Verden. Open-Air ist Abenteuer: Mit fast einer Stunde Verspätung begann die Aller­symphonie des Vereins Verdener Domfestspiele am Sonnabendabend nach mehreren heftigen Gewitterschauern, die von Musikern und Publikum geduldig im Verdener Rathaus abgewartet worden waren. Mit dem Thema von „Also sprach Zarathustra“ als kurzem Vorspiel der Wasserorgel des Kreis­feuerwehrver­bandes formierte sich das Publikum in Windeseile wieder vor der Bühne im Allerpark, wo das Programm mit Men­delssohns Hebriden-Ouvertüre den denkbar stimmungsvollsten Anfang nahm.

„Ich bin eine große Freundin von Son­nenuntergängen, darum wollte ich mal so anfangen“, kommentierte Domfest­spiel-Chefin Gaby Müller das einzig­artige Szenario mit leuchtend roter Sonne, prachtvoll schimmernden Wol­ken, milder Sommerregenluft und hin­reißend schöner Musik. Der weiche, strahlende Orchesterklang setzte Felix Mendelssohn Bartholdys intensives Bildnis von urtümlich majestätischer Landschaft im weiten Meer als per­fekten Einklang von kompositorischem und himmlischem Genius um. Der junge Dirigent Gábor Hóntvari, bei­nahe ebenso jung wie sein brillantes und von Musizierfreude funkelndes Ensemble, leitete die 60 Musiker des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen (JPON) mit Esprit und leidenschaftlichem Engagement.

Franz von Suppés „Leichte Kavallerie“ ließ dann neben den Pfer­den der Husaren auch die be­drohlichen Wolken davonjagen: Mit den letzten mitreißenden Orchester-Salven war der Himmel wie blankgefegt. In der beginnenden Abenddämmerung sang Christiane Artisi die Händel-Arie „Lascia ch’io pianga“ („Lass mich weinen“) mit inniger Empfindung und meisterhaften Verzierungen und be­rührte das Publikum mit der Zärtlich­keit und Wärme ihres  großen, warmen Mezzosoprans.  

Eine Bravour-Arie für Primadonnen ist Verdis „Caro Nome“ aus „Rigoletto“. Anaya Hubach, Masterstudentin in Leipzig und ehemalige Artisi-Schüle­rin, sang diese höchst anspruchsvolle virtuose Nummer mit großer Reinheit und brillanten Höhen.

Mit der Arie des Figaro aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ sang sich Hu­bachs Studienkollege, der junge Bari­ton und Masterstudent Konstantin In­genpass, direkt in die Herzen des Pub­likums. Seine großartige Charakterdar­stellung des findigen Faktotums strahlte von Brillanz, Selbstironie und jugendlicher Frische. In wundervoll gestalteten Ensembles zeigten die drei Sänger im Verlauf des Programms große Ausschnitte ihres Könnens, in denen sich die Stimmen ideal ergänzten und miteinander verschmol­zen: Mozarts italienisch gesungenes Duett „Reich mir die Hand, mein Le­ben“, Humperdincks Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“ und das Terzett „Soave sia il vento“ aus Mozarts „Cosi fan tutte“ boten große Opernkunst in fantastischem Einklang von Orchester  und Solisten.

Mit dem ersten Satz aus „Aus der Neuen Welt“ von Antonin Dvorak, ei­ner der bedeutendsten Symphonien überhaupt, konnte das JPON in Klang­fülle und leidenschaftlicher Empfin­dung aus dem Vollen schöpfen; wie auf den Leib geschrieben schien diese Musik dem jungen Orchester vor der prachtvollen abendlichen Kulisse.

Eine verzauberte Nacht

Die Wasserorgel sorgte dann mit drei Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms und dem verspielten  „Walzer Nr. 2“ von Dimitri Schostakowitsch  für verzauberte nächtliche Licht-Im­pressionen in kunstvoll changierender Farbpracht.

Die professionelle Kompetenz und Gelassenheit der Organisatoren hatte auch während­ des schlimmsten Unwetters zu keiner Zeit das Gefühl einer Katastrophe auf­kommen lassen und die feste Überzeu­gung ausgestrahlt, dass es trotz allem ein wundervoller Abend werden würde. Eine spontan organisierte Informa­tionsstrategie gab dem Publikum Zuversicht und Geduld und erhielt seine ungebrochene Vorfreude. Das Programm wurde stark gestrafft und die Pause gestrichen – und als  humorvoller und findiger Mo­derator beschränkte Bernd Maas seine Ansagen auf das Allernotwendigste: Alle Zeit gehörte der Musik. 

Viel zu schnell war nach diesem viel­seitigen, hochkarätigen und unterhalt­samen Programm das Finale erreicht: Das zauberhaft spritzig und ironisch gestaltete Terzett „So muss allein ich bleiben“ aus Johann Strauß’ „Fleder­maus“ war mit so viel Witz und dar­stellerischer Fantasie gesungen, das das Publikum am Ende vor Begeiste­rung jubelte.

Stilgerecht klang mit Händels Was­sermusik und einem letzten Lichtfeu­erwerk der Wasserorgel ein Abend aus, der dank der großartigen Musiker und Sänger, der unvergleichlichen Fle­xibilität der Organisatoren und der heiteren Gelassenheit und Begeiste­rungsfähigkeit des Publikums unver­gesslich bleiben wird.


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?