Vier Angeklagten werden insgesamt 46 Taten vorgeworfen / Justiz arbeitet langsam Verhandlung unter Zeitdruck

Insgesamt 46 Taten wirft die Staatsanwaltschaft Verden vier Angeklagten in einem gestern vor dem Landgericht Verden eröffneten Prozess vor. Kurios: Alle Delikte wurden bereits zwischen März und November 2009 verübt. Aufgrund langsamer Arbeit der Justiz verjähren die ersten vorgeworfenen Taten daher im März nächsten Jahres, sofern bis dahin kein Urteil gesprochen wurde.
30.11.2013, 00:00
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Von Stephen Kraut

Insgesamt 46 Taten wirft die Staatsanwaltschaft Verden vier Angeklagten in einem gestern vor dem Landgericht Verden eröffneten Prozess vor. Kurios: Alle Delikte wurden bereits zwischen März und November 2009 verübt. Aufgrund langsamer Arbeit der Justiz verjähren die ersten vorgeworfenen Taten daher im März nächsten Jahres, sofern bis dahin kein Urteil gesprochen wurde.

„Im Prinzip besteht dieses Verfahren aus zwei Teilen“, fasste Richter Joachim Stünker zusammen. Teil eins beinhalte eine Anklage ausschließlich gegen eine 26-jährige Bremerin. Diese soll gemeinsam mit einem Komplizen, den ein gesondertes Verfahren erwartet, zahlreiche Autos in Verden, Achim, Syke und Bremen aufgebrochen haben, wenn sich dort schnell zu greifende Beute vermuten ließ. Laut Anklageschrift gingen die beiden Beschuldigten dabei stets gleich vor: Sie fuhren zu einem abgelegenen Parkplatz und suchten dort nach Fahrzeugen, in denen Wertgegenstände offen herumlagen. Dann brachen sie, so die Staatsanwaltschaft, die Autos auf und nahmen, was sie sehen konnten: Taschen und Geldbörsen, Handys, eine Kamera und sogar eine Jeans. In zwei Fällen konnten sie laut Staatsanwaltschaft auch Pin-Nummern samt passender EC-Karten erbeuten. Während sie einmal 500 Euro abgehoben haben sollen, habe der Geldautomat die Karte in dem anderen Fall eingezogen.

Im zweiten Teil der Anklage geht es um zahlreiche Einbrüche in verschiedenen Orten in Niedersachsen, beispielsweise Verden, Weyhe, Schwanewede, Grasberg, Emden und Neuenkirchen. Hierfür soll die 26-Jährige jeweils ein Auto angemietet und alle Beteiligten zu – wie die Staatsanwaltschaft vermutet, zufällig ausgewählten – Häusern gefahren haben. Dann, so die Anklage, habe die Bremerin an der Haustür geklingelt. Öffnete niemand, ging sie zurück zum Wagen und „stand Schmiere“. Die übrigen Angeklagten sollen dann in das Haus eingebrochen sein und diverse Wertgegenstände, vor allem aber Schmuck, mitgenommen haben. Doch auch Spielekonsolen, Uhren, Pässe, bei einem Einbruch in Emden diverse Schusswaffen sowie auch ein Autoschlüssel seien den Tätern in die Hände gefallen. Die Besitzerin des Schlüssels beobachteten die Angeklagten zudem in den folgenden Tagen, so der Vorwurf, um das Auto dann von einem Parkplatz zu stehlen.

Nach dem Einbruch in Neuenkirchen fuhren die Angeklagten jedoch in eine Polizeikontrolle. Hier wurde neben Diebesgut auch Marihuana gefunden.

Letztlich soll einer der Männer in zwei Fällen die Mietwagen gefahren haben, ohne einen Führerschein zu besitzen. Das war im Jahre 2009. Wie es danach weiterging, erläuterte Richter Stünker gestern: „In den ersten Monaten des Jahres 2010 wurde die polizeiliche Ermittlung beendet“. Danach sei die Justiz am Zug gewesen: „Die Staatsanwaltschaft hat 18 Monate für die Anklageschrift benötigt. Anschließend lag diese etwa ein Jahr lang unbearbeitet bei Gericht. Dann gab es Personalwechsel, die älteren Fälle wurden zuerst abgearbeitet und schließlich wurde die Anklageschrift noch einmal zusammengefasst.“ Sollte die Verhandlung nun bis mindestens März kommenden Jahres andauern, würde ein Teil der möglicherweise verhängten Freiheitsstrafe als vollstreckt gelten.

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