Achim Verhandlungen über Leerstände in der Innenstadt

Achim. Wenn Gerhard Hasselmann derzeit durch die Fußgängerzone geht, sind die Leerstände für ihn kein großes Thema. Für die meisten gebe es bereits Erfolg versprechende Verhandlungen über eine Nachfolge, sagt der Fachmann vom Wirtschaftsbeirat.
01.03.2010, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Verhandlungen über Leerstände in der Innenstadt
Von Ralf Michel

Achim. Wenn Gerhard Hasselmann derzeit durch die Fußgängerzone geht, sind die Leerstände für ihn kein großes Thema. Das eine oder andere Problem gibt es, räumt der Fachmann vom Wirtschaftsbeirat ein. Aber insgesamt sei die Anzahl der leerstehenden Läden überschaubar. Für die meisten gebe es außerdem bereits Erfolg versprechende Verhandlungen über eine Nachfolge. Zufrieden ist Hasselmann mit der Entwicklung der Innenstadt trotzdem nicht. 'Da werden viele Dinge angerührt, aber nichts wird durchgesetzt.'

Im Blick hat er bei dieser Einschätzung vor allem die Pläne für den Bereich Baumplatz/Gefängnis/Amtsgericht. Hier werde in Reihen von Politik und Verwaltung die Verantwortung hin und her geschoben und sich gegenseitig blockiert. 'Da muss auch mal einer Rückgrat haben und sagen, dass machen wir jetzt.' Stattdessen 'druckst da jeder nur herum'.

Dabei 'brauchen wir in Achim dringend mehr Attraktivität', teilt Hasselmann grundsätzlich die Auffassung des Stadtrates. Ein großes Kaufhaus am Baumplatz lehnt der Wirtschaftsbeirat aber entschieden ab. 'Wir sind eine Kleinstadt und leben von diesem Flair.' Wenn im Bereich Amtsgericht/Gefängnis etwas geschehen soll, dann nur kleinteilig. 'Mit einem Sortiment, das sich gegenseitig befruchtet und der Innenstadt nicht schadet.' Aber im großen Stile werde hier ohnehin nichts laufen, ist Hasselmann überzeugt. 'Wir leben in einer Zeit, in der die großen Kaufhäuser dicht machen. Und ausgerechnet in Achim...'

Wenig hält er in diesem Zusammenhang auch von einem weiteren Lebensmittelmarkt. 'Warum? So etwas haben wir doch.' So ein Markt sei vor allem für Investoren wichtig, nicht aber für die Achimer Innenstadt. Allerdings warnt Hasselmann davor, Investoren vorab zu viele Einschränkungen mit auf den Weg zu geben. 'Das ist ja die Krux. Da soll ein großer Investor kommen, aber seinen Laden einrichten wollen die Politiker.' Andererseits bedeute dies aber auch, dass der Investor das Risiko trage. Die Angst der Politik, am Ende eine Ruine in der Innenstadt zu haben, könne er nicht nachvollziehen. 'Das ist dann auch das Problem des Investors.'

Insgesamt plädiert der Wirtschaftsbeirat dafür, in größeren Dimensionen zu denken. 'Warum nicht die gesamte Fläche von der Bibliothek bis zum Baumplatz beplanen?' Oder sogar noch darüber hinaus: 'Was spricht gegen ein Kulturviertel auf dem Ex-Comet-Gelände hinterm Kasch?' Das aber setze voraus, dass Politik und Verwaltung sich darüber einig werden, 'was überhaupt in der Innenstadt passieren soll, wie Achim in zehn, zwanzig Jahren aussehen soll', betont Hasselmann. 'Das geht nicht, solange jeder jeden bekämpft und der eine den anderen blockiert.'

Problembereiche gebe es aber auch an anderer Stelle in der Innenstadt, schlägt Hasselmann den Bogen zurück von großen Zukunftsvisionen zu den aktuellen Leerständen in der Achimer City. Die Lücke zum Beispiel, die C & A in der Obernstraße hinterlassen hat. 'Die zu schließen, ist nicht so einfach', erklärt Hasselmann und führt dafür die Größe des Ladens mit 280 Quadratmetern ins Feld. 'Große Ketten wollen alle mindestens 600 Quadratmeter und für kleinere Textilisten ist die Wirtschaftslage im Moment schwierig.'

Wesentlich entspannter sieht Hasselmann die beiden Leerstände in unmittelbarer Nachbarschaft zu C&A. Für die Räume der ehemaligen chemischen Reinigung gebe es Interessenten, und nebenan bei Tchibo werde derzeit geprüft, ob es mit einem neuen Franchise-Nehmer oder in Eigenregie weitergehen könnte. Möglich sei aber auch, dass das Unternehmen den Standort aufgibt, räumt Hasselmann ein. Vermietet sei der Laden noch bis Ende des Jahres. Tchibo selbst hatte im Dezember gegenüber dem ACHIMER KURIER von rechtlichen Fragen gesprochen, die mit der bisherigen Franchise-Nehmerin zu klären seien. Im Prinzip habe Tchibo aber nicht vor gehabt, Achim zu verlassen.

Ist Hasselmann noch guten Mutes, dass die Leerstände in der Fußgängerzone nicht von langer Dauer sein werden, so bereitet ihm die Straße zum Bahnhof weit größere Sorgen. 'Dort haben wir auch Leerstände. Das ist schlecht. Die fallen jedem, der nach Achim reingefahren kommt, sofort ins Auge.' Für diesen Standort Einzelhandelsunternehmen zu finden, hält der Wirtschaftsbeirat für nahezu ausgeschlossen. Deshalb sollten hier die planungsrechtlichen Vorgabe geändert werden.

Bislang ist in den Gebäuden in Achims Innenstadt im Erdgeschoss nur Einzelhandel erlaubt. 'Zumindest in der Bahnhofstraße sollten auch Ärzte, Rechtsanwälte oder Dienstleister erlaubt sein, damit die Leerstände dort verschwinden.'

Für die Fußgängerzone jedoch sollte das Hauptaugenmerk verstärkt auf das Sortiment gelegt werden. 'Hier fehlt noch so einiges', sagt Hasselmann und nennt als Beispiel ein Elektrofachgeschäft. 'So eine Art Mini-Saturn wäre gut.' Denn mit dem richtigen Angebot habe der Einzelhandelsstandort Achim gute Chancen. 'Ich glaube nicht, dass immer alle zum Weserpark oder zu Dodenhof wollen', ist Gerhard Hasselmann überzeugt und hat dabei auch die demographische Entwicklung im Blick: 'Die Leute werden immer älter, das sollte man bei der Planung nicht außer Acht lassen.'

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