Kunststiftung Netzel erinnert 25 Jahre danach an Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und ihre Folgen Verlorene Orte und gebrochene Biografien

Worpswede. Bei der Simulation eines Stromausfalls verloren die Techniker die Kontrolle über den Reaktorblock vier des Kernkraftwerks in Tschernobyl. Sicherungen fielen aus, Kühlsysteme kühlten nicht mehr. Block vier explodierte und schleuderte hochradioaktive Substanzen in die Luft. Die Kernschmelze verseuchte die gesamte Grenzregion der Ukraine nahe der 50000-Einwohner-Stadt Pripjat. Der GAU war da - der größte anzunehmende Unfall. Das passierte vor 25 Jahren in einem sonnigen Frühjahr, am 26. April 1986. Hunderttausende von Menschen mussten ihre verstrahlte Heimat verlassen, Liquidatoren flogen mit Hubschraubern über die Reaktor-Ruine, um die radioaktive Gefahr einzudämmen.
18.05.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Wilke

Worpswede. Bei der Simulation eines Stromausfalls verloren die Techniker die Kontrolle über den Reaktorblock vier des Kernkraftwerks in Tschernobyl. Sicherungen fielen aus, Kühlsysteme kühlten nicht mehr. Block vier explodierte und schleuderte hochradioaktive Substanzen in die Luft. Die Kernschmelze verseuchte die gesamte Grenzregion der Ukraine nahe der 50000-Einwohner-Stadt Pripjat. Der GAU war da - der größte anzunehmende Unfall. Das passierte vor 25 Jahren in einem sonnigen Frühjahr, am 26. April 1986. Hunderttausende von Menschen mussten ihre verstrahlte Heimat verlassen, Liquidatoren flogen mit Hubschraubern über die Reaktor-Ruine, um die radioaktive Gefahr einzudämmen.

Heute, am Mittwochabend, 18. Mai, erinnert die Worpsweder Kunststiftung Friedrich Netzel in der Kunsthalle Netzel an die Katastrophe und ihre Folgen. Als Ehrengast wird Andrii Mizko erwartet, der damals in einem der Hubschrauber saß und mithalf, die strahlende Ruine mit einem provisorischen Schutzmantel aus Stahlbeton zu überziehen.

"Verlorene Orte - gebrochene Biografien": Unter dieser Überschrift beginnt die Rückschau auf die Katastrophe heute um 19 Uhr in der Kunsthalle Netzel an der Bergstraße 17. Der Worpsweder Fotograf Rüdiger Lubricht hat menschenleere Gegenden fotografiert und von der Katastrophe betroffene Menschen besucht. In der Ukraine, in Russland und Weißrussland wurden mehr als 600 Städte und Dörfer evakuiert. Bis zum Jahr 2000 seien über 345000 Menschen umgesiedelt worden, erklärt die Kunststiftung in ihrer Presseinformation. Seit 2002 ist die Sperrzone um Pripjat wieder zugänglich. Zusammen mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund hat Lubricht ein Buch herausgegeben, das Biografien enthält, in denen Menschen von ihren persönlichen Erinnerungen und ihrem Werdegang erzählen. Bei der Vorstellung des Buches liest die Fischerhuderin Petra Hempel aus den Biografien, Lubricht erzählt von persönlichen Erlebnissen.

Andrii Mizko gehörte 1986 zu einem Hubschrauberregiment. Drei Wochen flog er von früh bis spät über den zerstörten Reaktor, bei extrem hohen Strahlendosen. Nach wenigen Tagen im Sanatorium sei er nach Afghanistan versetzt worden, erklärt die Kunststiftung Netzel in ihrer Pressemitteilung. Dort kämpften die Truppen der Roten Armee als Besatzer gegen die Guerilla-Gruppen der von den Amerikanern unterstützten islamistischen Gotteskrieger. Begleitet wird Mizko vom Umweltschutzbeauftragten der Evangelischen Kirche Bremens, Pastor Friedrich Blüthner. Der Eintritt ist an diesem Abend frei, doch wird um Spenden für die russischen Gäste gebeten.

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