Engegement im Süd-Sudan

Veterinär arbeitet als Entwicklungshelfer in Afrika

Osterholz-Scharmbeck. Frajo Siepelmeyer ist Tierarzt. Und doch steht für den Veterinär bei seiner Arbeit für "Tierärzte ohne Grenzen" der Mensch im Mittelpunkt. Der Nordenhamer ist ehrenamtlicher Vorsitzender des deutschen Vereins und ist fast jedes Jahr in Afrika.
10.12.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Veterinär arbeitet als Entwicklungshelfer in Afrika
Von Brigitte Lange
Veterinär arbeitet als Entwicklungshelfer in Afrika

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Barbara Debinska

Osterholz-Scharmbeck. Frajo Siepelmeyer ist Tierarzt. Und doch steht für den Veterinär der Mensch im Mittelpunkt - bei seiner Arbeit für "Tierärzte ohne Grenzen". Der 55-jährige Nordenhamer ist ehrenamtlicher Vorsitzender des deutschen Vereins. Auf Einladung der Tierärzte Dr. Thomas und Claudia Raschka beriet er rund 60 Landwirte in der Kreisstadt über die Behandlung ihrer Rinder - und gab Einblicke in die Arbeit der Hilfsorganisation.

Der afrikanische Kontinent habe ihn immer fasziniert, erzählt der promovierte Tierarzt. Und früh sei ihm klar gewesen, dass er Entwicklungshilfe leisten wolle. Als er 1998 von den Tierärzten ohne Grenzen hörte, war er sofort dabei. Die Organisation habe es seit 1991 gegeben. "Aber das erste richtige Projekt startete 1998", bemerkt der Veterinär. Die Jahre davor, so könne man sagen, hätten die Tierärzte ohne Grenzen zur Selbstfindung gebraucht.

Den Tierärzten ohne Grenzen geht es darum, den Menschen in Afrika, die von der Tierhaltung abhängig sind, die Lebensgrundlage zu erhalten. 1998 machten sie sich daher an die Aufgabe, im Süd-Sudan die Herden gegen Rinderpest zu impfen. "Früher war die Rinderpest eine der gravierendsten Krankheiten in Asien und Europa", bemerkt Siepelmeyer. Im Mittelalter sei sie aus Asien nach Europa eingeschleppt worden. Binnen kürzester Zeit habe sie 80 bis 90 Prozent der Rinder getötet. Die Menschen verhungerten. Ganze Landstriche seien durch die Rinderpest entvölkert worden. Als die Seuche nach Ostafrika kam, seien dort zwei Drittel der Massai gestorben, weil ihre Tiere krepiert waren. Mit Hilfe eines Impfstoffes gelang es Anfang des 20. Jahrhunderts, diese Tierpest in Europa zu besiegen. Aber in Russland, Indien, China und Afrika wütete sie weiter, berichtet der Vorsitzende des Vereins: "Erst in diesem Jahr ist die Rinderpest für ausgerottet erklärt worden."

Internationale Geldgeber

Frajo Siepelmeyer ist fast jedes Jahr in Afrika. Wenn er wieder zurück nach Deutschland komme, würde er die Probleme hierzulande stets anders - weniger dramatisch - bewerten. Das Leben der Menschen in Afrika gesehen und erlebt zu haben, hole ihn zurück auf den Boden. Das sei wirklich hilfreich, meint er. Vor allem im Süd-Sudan, aber auch in Somalia, Kenia und Äthiopien engagieren sich die Tierärzte ohne Grenzen. Dabei seien sie keine Entsenderorganisation wie die Ärzte ohne Grenzen, sagt Siepelmeyer. "Wir versuchen, dort mit afrikanischen Kollegen zu arbeiten", geht der 55-Jähriger auf die Arbeitsweise der Organisation ein. Die Tierärzte ohne Grenzen würden die Afrikaner anleiten, ihnen zeigen, wie sie vorgehen müssen. Sie hätten die Erfahrung gemacht, dass die Einheimischen nicht nur das Klima besser vertrügen, sie hätten auch mehr Erfolg bei der Umsetzung der Projekte als die Fremden aus Europa. "Sie verstehen einfach die Mentalität der Menschen dort besser als wir", so

Siepelmeyer. "Wir sind viel zu zielorientiert." Europäer müssten für die Arbeit in Afrika viel Geduld mitbringen.

Im Laufe der Jahre sind für die Tierärzte ohne Grenzen viele Arbeitsfelder zur ursprünglichen Tierseuchenbekämpfung hinzugekommen. Lebensmittelhygiene bei Milch und Fleisch, Verhinderung von Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, Lebensmittelverteilung - all dies gehört inzwischen zum Aufgabenbereich der Organisation. Fast von Anfang an zeigte sich, wie wichtig es ist, dass die Organisation sich in Sachen Konfliktvermeidung engagiert. Stichwort: Weidegründe. Würden die Viehhalter sich darüber zerstreiten, könne es schnell zum Viehraub kommen. Vom Viehraub steigere es sich zum Raub der Frauen und Kinder und dann fange es erst richtig an. "Aber wir können nur aktiv werden, wenn die Menschen friedlich sind", sagt er.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Dürre. Die Tierärzte bereiten die Viehhalter auf sie vor, helfen sie zu überstehen und anschließend die Herden wieder aufzubauen. All das setzen die Tierärzte ohne Grenzen mit 75 Mitarbeitern in Afrika und vier Leuten in der hannoverschen Geschäftsstelle um. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich. "Der Verein zählt inzwischen rund 250 Mitglieder", so Siepelmeyer. Allerdings seien die nicht identisch mit den Veterinären, die in Afrika helfen würden. Die würden gezielt für bestimmte Projekte gesucht und auch bezahlt. Die jeweils nötigen Mittel bekommt die Organisation von internationalen Geldgebern wie die EU oder die UN. Auf Spenden, die sie beispielsweise über die Aktion "Impfen für Afrika" sammeln, seien sie auch angewiesen.

Dass Frajo Siepelmeyer nicht ans Aufhören denkt, hat einen Grund: "Ich kann dort was bewegen", sagt er. Sicher, das könne er auch hierzulande. Aber in Afrika bekämen er und die anderen Tierärzte ohne Grenzen dies ganz direkt zu spüren.

Weitere Info zu Tierärzte ohne Grenzen gibt?s im Internet unter www.togev.org.

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