Bernhard Hoetgers Garten Viel Grün und eine klare Form

Worpswede. Auf dem Diedrichshof in der Ostendorfer Straße 27 können sich Besucher an diesem Sonntag von 14 bis 17 Uhr ein Bild von Bernhard Hoetgers Garten machen. Der Hoetger-Garten beteiligt sich an der Reihe 'Die offene Pforte - Gärten im Kulturland Teufelsmoor'.
18.06.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher

Worpswede. Die hohe Robinie stand schon hinter dem Haus, als der Bildhauer Bernhard Hoetger hier noch lebte. Rund hundert Jahre ist das jetzt her. Doch Hoetger ist immer noch gegenwärtig. Mit seiner Kunst und mit dem von ihm entworfenen Garten, der für sich genommen auch ein Kunstwerk ist. Auf dem Diedrichshof in der Ostendorfer Straße 27 können sich Besucher an diesem Sonntag von 14 bis 17 Uhr davon ein Bild machen. Der Hoetger-Garten beteiligt sich an der Reihe 'Die offene Pforte - Gärten im Kulturland Teufelsmoor'.

Ein Gang durch diesen Garten dauert etwas länger als in herkömmlichen Gärten. Seine Größe ist imposant, der Zuschnitt für heutige Verhältnisse ungewöhnlich. Über einen Kilometer erstreckt er sich in der Tiefe, 45 Meter ist er breit. 'Früher war das hier eine alte Landstelle', erklärt Uwe Reuter, der Geschäftsführer des Erwin-Stauss-Instituts war, das das Anwesen mit Hoetgers erstem Worpsweder Wohnsitz gepachtet hat und es seit zehn Jahren als Tagungshaus für Fortbildungskurse nutzt. Das Institut habe den Garten nach alten Fotos wieder so hergerichtet, wie der Bildhauer ihn einst anlegte. Wenn die Besucher am Sonntag bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse sitzen, fällt ihr Blick auf den konsequent als Raumfolge inszenierten Garten, in dem es auch Platz für eine Obstbaumwiese mit alten Kirsch-, Apfel- und Zwetschensorten gibt. Viel Grün und klare Formen bestimmen das Bild. Auffallend ist die strenge Betonung der Sichtachsen.

Hoetger habe bei der Gestaltung seines Gartens aus den unterschiedlichen Kulturen die für ihn wesentlichen Aspekte ausgewählt und in die Anlage integriert. Thuja-hecken säumen das Gelände und sorgen für kleine Nischen. Vor jeder Nische erhebt sich eine blaue Scheinzypresse. Dahinter ragen alte Eichen in die Höhe, die mit ihrem Laubgeäst den Rand beschatten. Mitten auf der Rasenfläche steht ein Brunnen, dessen oberer Kubus von vier Löwenskulpturen getragen wird. Die Löwenfiguren habe Hoetger ursprünglich für das Grabmal von Paula Modersohn-Becker entworfen. Die Familie habe sich über die Gestaltung aber nicht einigen können. Also verwendete er die in Beton gegossenen Figuren für seinen Brunnen, erzählt Uwe Reuter, der jetzt ehrenamtlich für das Institut arbeitet und somit viel Zeit für die Pflege des Gartens hat. 'Das tut meiner Seele gut.'

Der Brunnenquader ist aus weißen Sandsteinziegeln geformt. Ein flaches Pyramidendach aus Kupfer bedeckt ihn. An allen vier Seiten plätschert Grundwasser aus kupfernen Rohren in ein quadratisches Becken. Diesen Brunnen habe der Mauermann anhand von Fotos detailgetreu rekonstruiert, berichtet der 60-Jährige. Der Brunnen ist gleichzeitig Mittler zwischen dem Kunstwerk Garten und den darin platzierten Skulpturen wie der 'Bonze des Humors' oder die Figur mit dem Namen 'Wut'. Hoetger habe den Garten so geplant, 'dass er seine Skulpturen gut zur Geltung bringt', erzählt Reuter.

1915 gekauft, 1921 verkauft

1915 habe der Bildhauer das Grundstück mit dem reetgedeckten Bauernhaus gegenüber dem Barkenhoff des Malers Heinrich Vogeler und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Brünjeshof des Malers Carl Emil Uphoff erworben. 1921 verkaufte er es wieder. Während eines Parisaufenthaltes hatte Hoetger 1906 die Malerin Paula Modersohn-Becker kennen gelernt. 'Diese Bekanntschaft zog ihn nach Worpswede', erzählt Uwe Reuter. Das erworbene Bauernhaus baute Hoetger zu einem beeindruckenden Wohn- und Atelierhaus aus. 'Hier empfing er seine Künstlerkollegen, Kunden und Mäzene wie den Keksfabrikanten Bahlsen und den Kaffee-Fabrikanten Roselius.' Und schon damals hatte der Bildhauer in seinem Garten Konzerte erklingen lassen. Uwe Reuter setzt diese Tradition fort. Im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestes gibt es am 28. August im sogenannten Sonnengarten ein Sommerkonzert. Den Garten ohne Musik können Besucher außerdem am 18. Juli, 15. August, 19. September und 17. Oktober genießen.

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