Senioren- und Behindertenbeirat berichtet über Erfolge und Mängel

Viel Hilfe, wenig altersgerechter Wohnraum

Achim. „Schon viel erreicht, noch viel mehr vor“– das Motto der Aktion Mensch gilt auch für den Senioren- und Behindertenbeirat Achim. Dieser brachte jetzt seinen Jahresbericht heraus und resümierte dabei gleich.
11.06.2014, 06:00
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Viel Hilfe, wenig altersgerechter Wohnraum
Von Esther Nöggerath
Viel Hilfe, wenig altersgerechter Wohnraum

Marlis Bischoff (74) ist vor Kurzem in Achims Innenstadt gezogen, wo alles für sie gut erreichbar ist. Die Seniorin ärgert sich nur über das Kopfsteinpflaster in der Fußgängerzone.

Esther Nöggerath

„Schon viel erreicht, noch viel mehr vor“ – das Motto der Aktion Mensch gilt auch für den Senioren- und Behindertenbeirat Achim. Dieser brachte jetzt seinen Jahresbericht heraus und resümierte dabei gleich über den gesamten Fortschritt der Senioren- und Behindertenarbeit seit Gründung des Beirates vor mehr als zehn Jahren. Seit 2003 habe sich schon einiges getan, besonders im Hinblick auf das Thema Barrierefreiheit und Lebensqualität. Schwachpunkte seien weiterhin die Wohnsituation und Infrastruktur.

„In Achim sind rund 30 Prozent der Bürger Senioren – damit liegen wir über dem Bundesdurchschnitt“, erzählt Knut Pickert, der Vorsitzende des Beirates. Seit 2003 gibt es den Senioren- und Behindertenbeirat Achim, der jetzt in seinem Jahresbericht noch einmal auf die vergangenen Jahre zurückblickt. „Bei der Barrierefreiheit wurden einige Verbesserungen erreicht“, heißt es. Beispielsweise sei die Kommerzbank nicht länger nur über eine Stufe zu erreichen, sagt Pickert. „Das Papierhaus Bengen und das Tee-Haus Hashagen haben inzwischen Minirampen vor den Türen befestigt.“ Auch fast alle Haltestellen im Öffentlichen Personen- und Nahverkehr (ÖPNV) seien in den vergangenen Jahren barrierefrei geworden. Dabei war Achim sogar Vorreiter im Landkreis Verden.

„Die Lebensqualität für uns Senioren in Achim ist im Allgemeinen gut“, bemerkt der Beirat. Das findet auch Vorsitzender Pickert: „Das Hilfsangebot ist in Achim überdurchschnittlich.“ Für die fitteren Senioren gebe es Mitmachmöglichkeiten und Unterhaltungsangebote, für die allein lebenden, älteren Bürger ausreichend professionelle Hilfen wie mehrere „Essen auf Rädern“-Angebote, Bringdienste einiger Lebensmittelhändler und ambulante Pflegedienste. „Und Mobilität ist durch den Bürgerbus gegeben“, äußert sich Pickert.

Trotz der vielen Verbesserungen gibt es aber nach wie vor auch noch einige Mängel, die der Senioren- und Behindertenbeirat in seinem Bericht anführt: Das Angebot an Plätzen für Heimbewohner habe sich in den vergangenen Jahren zwar mehr als verdoppelt. Der Mangel an altersgerechten und bezahlbaren Wohnungen konnte aber bisher nicht behoben werden. „Mithilfe einer Umfrage haben wir herausgefunden, dass etwa 95 Prozent der Teilnehmer nicht barrierefrei wohnen“, berichtet Pickert weiter. Viele Häuser hätten eine oder mehrere Stufen im Eingangsbereich – gerade ältere Reihenhäuser, aber auch die Hochhäuser etwa an der Leipziger Straße. „Die haben zwar einen Aufzug, aber vorher muss man fünf oder sechs Stufen im Flur überwinden.“ Auch Wünsche nach mehr Treffpunkten oder Verbesserungen in der Infrastruktur bleiben laut Bericht weiterhin offen.

Bessere Lebensqualität

Besonders positiv empfindet der Seniorenbeirat die beiden ehrenamtlichen Vereine „Achimer Bürger helfen Bürgern in Achim“ (Abba) und „Gemeinsam mit Senioren“. Diese hätten viel zu einer Verbesserung des Seniorenlebens in Achim beigetragen, sagt der Beiratsvorsitzende. Das sieht der Verein Abba ähnlich. „Es hat sich in der Vergangenheit viel zum Wohlfühlen in der Stadt getan. Zum Beispiel der Bürgerbus. Der kommt insbesondere bei den Mitbürgern, die nicht oder nicht mehr mobil sind, gut an“, erzählt Vereinsvorsitzender Gerhard Elender. „Alles in allem scheinen unsere Mitbürger in und mit unserer Stadt zufrieden zu sein.“ Diese Meinung teilt auch Senior Hermann Schulze. Der 88-Jährige lebt gerne in der Weserstadt. Besonders der Wochenmarkt gefällt Schulze gut. „Da kann man sich mit Leuten treffen und unterhalten“, berichtet er. Zu bemängeln hat er eigentlich nichts. „Achim ist eine gute Wohngegend.“

Rosa Rosenbach wohnt ebenfalls gerne in Achim. Sie lebt mit ihrem Mann seit 35 Jahren in einem Haus in Bierden und ist sehr zufrieden mit der Stadt und auch den Angeboten, die es gibt. „Nur die Fahrzeiten vom Bürgerbus, die könnten besser mit den Abfahrzeiten der Züge am Bahnhof abgestimmt sein“, sagt die 76-Jährige.

Marlis Bischoff ist erst vor Kurzem in eine Wohnung im Zentrum von Achim gezogen. „Hier ist alles in der Nähe, was man braucht“, erklärt die 74-Jährige. Ob Schuhgeschäft, Apotheke oder Post – alles wäre im Umkreis und gut erreichbar. „Das Einzige, was hier schlecht ist, ist das Kopfsteinpflaster in der Fußgängerzone“, bemerkt Bischoff. Gerade wenn man mit dem Rollator unterwegs sei, störe das schon sehr.

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