Serie "Mit dem Rad ins Grüne" Teil 5 Viel Natur um Grasberg entschädigt für Autolärm

Grasberg. Sportlich schnell nach Feierabend geradelt oder ganz gemächlich, mit Pausen als Sonntagsausflug - dieser Rundkurs um Grasberg vereint die stille Schönheit norddeutscher Landschaft und akustische Alltagseinwürfe in Autoform.
29.06.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Viel Natur um Grasberg entschädigt für Autolärm
Von Undine Zeidler

Grasberg. Sportlich schnell nach Feierabend geradelt oder ganz gemächlich, mit Pausen als Sonntagsausflug - dieser Rundkurs um Grasberg vereint die stille Schönheit norddeutscher Landschaft und akustische Alltagseinwürfe in Autoform. 18 Kilometer ist die Strecke lang, die am Rathaus startet, über Wiesendamm und Seebergen zum Hexenberg führt und nach einer langen Geraden durch Meinershausen am Rathaus endet. Eine eigene Routenbeschilderung gibt es nicht, der Radler muss sich an Wegweisern orientieren.

Start ist an der Ecke Speckmannstraße/Wiesendamm. Ein Radwegweiser zeigt an: Bis Bremen sind es 22 Kilometer und hier begeben Sie sich auf ein Teilstück der Fahrrad-Route 'Weites Land', die durch die gesamte Teufelsmoorregion führt. Auf dem Wiesendamm fahren Sie durch ein beschauliches Wohngebiet. Hinter der Häuserreihe lassen sich rechter Hand Wiesen erahnen. Nach 800 Metern zeigt ein Schild, hier endet Grasberg und vor Ihnen öffnet sich weites Grün. Mit ein wenig Glück tuckert darauf ein Traktor bei der Maat, verbreitet grassatten Sommerduft.

Rollen auf glattem Asphalt

Auf glattem Asphalt rollen Sie weiter. Passieren zwei nachtblaue Riesen-Kessel. Die Nase sagt: Klärwerk! Schnell weiter! Der Weg wird schmaler, führt durch Wiesen, die im Winter von unzähligen Kohlfahrtgesellschaften aus Lilienthal gen Grasberg bewandert werden. Jetzt im Sommer liegt hier träge Stille, die unterbrochen wird von knirschenden Steinen unter den Reifen. Schotter hat den Asphalt abgelöst. Entgegenkommende Reiter wirbeln mit ihren Tieren Staub auf. Bald wechselt der Untergrund wieder, das Rad gleitet leicht auf dem glatten Grund dahin.

Nach 3,4 Kilometern erfährt die friedliche Landstimmung ein jähes Ende. Sie erreichen die Landesstraße L 154, verlassen hier die Route 'Weites Land', wenden sich nach links und begeben sich in Richtung Seebergen. Abgase und Autolärm schmälern das Fahrvergnügen. 'Achtung Radwegschäden' warnt ein Schild am Wegesrand, doch tatsächlich windet sich vor Ihnen ein neues schwarzes Asphaltband an der Straße entlang. Ein Radweg, wie ihn sich jeder Radler wünscht, entschädigt für die Straßenplage. Er lädt ein, kräftiger in die Pedalen zu treten. Seebergen kommt rasch näher.

Rund 6,8 Kilometer vom Grasberger Rathaus entfernt, sehen Sie auf der rechten Straßenseite eine Halle. 'Lütt'n Peerhoff' steht in großen Lettern daran. Zeit für Sie, die meist stark befahrene L154 zu überqueren und rechts dem Alten Postweg bis zur nächsten Kreuzung zu folgen. Die kommt nach gut 100 Metern. Noch einmal halten Sie sich rechts, biegen in die Hexenberger Straße ein. Die Autos werden hier weniger und langsamer, und die Landschaft mit ihrer ruhigen Weite ist ein Vorgeschmack auf die nun folgenden Kilometer.

400 Meter später gelangen Sie zu einer weiteren Kreuzung. Zwei Schilder - 'Gasthaus Meyerdierks' und 'Binneboom-Museum' weisen den Weg nach links. Sie biegen in die Straße 'Am Hexenberg' ein und nähern sich den Rastpunkten Ihrer Strecke. Sind Sie im Sommer am ersten Sonntag im Monat zwischen 14 und 18 Uhr unterwegs oder haben zuvor mit Jutta und Klaus Krentzel einen Termin ausgemacht, können sie einen Abstecher ins Binneboom-Museum unternehmen. Dafür folgen sie nach 400 Metern den Schildern 'Krentzel Museum & Camping'. Dort erwarten sie Kaffee und Kuchen zu Krentzels spannenden Geschichten über altes Landgerät und Hausrat aus der Zeit der Jahrhundertwende sowie die von ihm gepflegte Streuobstwiese. Wer auf dem Campingplatz inmitten der Wümme-Wiesen übernachten will, sollte zuvor die Plätze anfragen.

Zurück auf der Straße 'Am Hexenberg' fahren Sie nach rechts. Sie passieren den rechts gelegenen Campingplatz und fahren über eine kleine Brücke. Die quert den Wümme-Nordarm. Eine Bank am Ufer lädt zum Verweilen, Träumen oder zum Picknick ein. Hier beginnt der Flecken Ottersberg. Sie radeln über die glatte Straße. Wenn Sie nun der Hunger befällt und der Picknickkorb zu Hause ist - kein Problem. Leichtes und Deftiges serviert das rechts am Weg gelegene Ausflugslokal 'Gasthaus Meyerdierks' am Ebbensiek.

Frisch gestärkt folgen Sie der Straße. Am Kilometer zehn Ihrer Tour weist grüne Schrift auf weißem Grund nach Links: 'Rautendorf 3 Kilometer'. Diesem folgen Sie und werden mit einer faszinierenden Natur belohnt. Träge wabert braunes Wümme-Moorwasser unter einer kleinen Brücke hindurch. Ein Schild erklärt: Hier soll ein Stück ungestörter Natur wieder entstehen. Noch rauscht der Verkehr in weiter Ferne. Sobald Sie weiterfahren, kommt er rasch näher. Der Weg endet an der L 154, die Sie schon kennen. Sie sind in Seebergen und überqueren die Straße, bleiben für wenige Meter auf dem Radweg, bevor sie bei Kilometer 11,4 Ihrer Tour nach links in die K 10, Meinershauser Straße, einbiegen.

Ab jetzt geht es links davon elf Kilometer geradeaus, ohne Unterlass und Rastpunkt. Sie fahren unter einer Hochspannungsleitung hindurch, von der die Vögel sich die Welt von oben begucken, vorbei an weidenden Pferden und Fohlen. Der Weg ist glatt, jedoch unterbrochen von Aufwürfen, die dem Fahrer einige Aufmerksamkeit abverlangen. Sie fahren an Höfen und Feldern vorüber. Wegweiser nach Grasberg zeigen nach etwa fünf Kilometern an: Bitte Straßenseite wechseln. Weiter geht es, Grasberg ruft. Einen Kilometer vor dem Rathaus wartet mit dem 'Hotel Grasberger Hof' in der Speckmannstraße 58 die letzte Einkehrmöglichkeit der Tour auf Sie. Regionales und gut Bürgerliches, Bier und Eis bietet die Speisekarte.

Wenn Sie sportlich und ohne Rast geradelt sind, brauchen Sie nun nur noch ein paar Pedaltritte und erreichen nach etwa 1,5 Stunden wieder den Ausgangspunkt.

Streckenlänge:18 Kilometer

Schwierigkeit:leicht, flaches Gelände, erlaubt sportliches Fahren.

Wege:fast durchgängig sehr guter Asphalt, in der Meinershauser Straße sehr uneben.

Beschilderung:wechselnd, da die Tour keine eigenen Schilder hat

Rastmöglichkeiten:Picknickbank am Ebbensiek, Wümme-Nordarm.

Für Kinder gibt es keine Spielplätze an der Strecke, dafür jede Menge Natur zu entdecken.

Einkehrmöglichkeiten:

Binneboom-Museum, Am Hexenberg 2, geöffnet an jedem ersten Sonntag im Monat, 14 bis 18 Uhr, oder nach Vereinbarung, Telefon 0421/273731.

Gasthaus Meyerdierks am Ebbensiek: gutbürgerliche Küche, geöffnet Montag, Dienstag, Freitag, 10 bis 13 Uhr und ab 16 Uhr, Donnerstag ab 16 Uhr und am Wochenende jeweils ab 10 Uhr, Mittwoch Ruhetag, Telefon 04298/3848.

Hotel Grasberger Hof, Speckmannstraße 58: traditionelle und gutbürgerliche Küche, geöffnet Dienstag bis Sonntag, 7 bis 22 Uhr, Telefon 04208/91720.

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