Gleichstellungsbeauftragte berichtet vor Ratsmitgliedern Viele Aufgaben für 15 Stunden

Mit einem engagierten Vortrag gab Gleichstellungsbeauftragte Heidemarie Lohmann einen Rechenschaftsbericht vor dem Lilienthaler Rat ab. Dabei erwähnte sie auch die mangelhafte Ausstattung des Kreises mit Schulpsychologen und das Fehlen einer Anlaufstelle für Opfer sexueller Gewalt.
09.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit einem engagierten Vortrag gab Gleichstellungsbeauftragte Heidemarie Lohmann einen Rechenschaftsbericht vor dem Lilienthaler Rat ab. Dabei erwähnte sie auch die mangelhafte Ausstattung des Kreises mit Schulpsychologen und das Fehlen einer Anlaufstelle für Opfer sexueller Gewalt.

Von Siegfried Deismann

Lilienthal. "Ich arbeite Turbo." So lautete am Dienstagabend im Lilienthaler Rat Heidemarie Lohmanns Erklärung auf die staunende Frage, wie sie all das in 15 Wochenstunden schafft. Kurz zuvor hatte sie den Ratsfrauen und -herren ihren Tätigkeitsbericht der vergangenen eineinhalb Jahre als Lilienthaler Gleichstellungsbeauftragte vorgestellt. Hätte sie sich das Lob, das ihr quer durch alle Fraktionen zuteil wurde, schnell schriftlich geben lassen, eine Aufstockung ihrer Stelle auf mindestens 20 Stunden wäre an diesem Abend ein Selbstläufer gewesen.

So aber wird sie bis auf weiteres ihr Engagement in das vorgegebene Stundenverhältnis einbringen müssen, um die Verhältnisse in Lilienthal in Sachen Gleichberechtigung zu verbessern. Oder wie es im Grundgesetzartikel 3 Absatz 2 heißt, "auf die Beseitigung bestehender Nachteile" bei der Gleichberechtigung hinwirken. Denn ihre Aufgabe, ließ Lohmann die Ratsmitglieder selbstbewusst wissen, habe Verfassungsrang, sei zudem durch die Niedersächsische Gemeindeordnung gestützt und sichere ihr beziehungsweise ihrer Funktion im Rathaus eine weisungsunabhängige Stabsstelle zu, mit der sie direkt dem Bürgermeister unterstellt sei. Dabei sei sie Ansprechpartnerin ebenso für die Bürgerinnen und Bürger wie auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung.

Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Beratung, Begleitung, Aufklärung, das Knüpfen von und die Arbeit in Netzwerken sowie konkrete Projekte. Beratend ist sie bei partnerschaftlichen und familiären Problemen, bei Anpassungsschwierigkeiten nach Trennungen und in akuten Krisensituationen tätig. Fragen zur Gesundheitsfürsorge, zu Fortbildungen und Unterstützung bei Mobbing können Arbeitsfelder als Ansprechpartnerin für Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sein.

Dabei werde sie ebenso als kompetente Ansprechpartnerin von Schulsozialarbeitern, Lehrern, der DLRG oder auch Eltern nachgefragt. Lohmann bemängelte in diesem Zusammenhang das Fehlen eines eigenen Schulpsychologen im Landkreis, wies auf Unterbringungsprobleme für Kinder in besonderen Notlagen sowie auf eine nicht ausreichende Anlaufstelle für Opfer sexueller Gewalt im Landkreis hin. Neben begleitenden Funktionen in der Verwaltung, neben Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Zusammenarbeit in kommunalen, Vereins- und institutionellen Gremien besteht ein besonderer Schwerpunkt Lohmanns vor allem in der Projektarbeit und hier vor allem mit Blick auf Frauen vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Lohmann zählte eine Vielzahl von Aktivitäten auf und hob besonders Ferienfahrten für Kinder sozial benachteiligter Eltern hervor, für die sie ebenso Unterstützung von dritter Seite erhalten habe ("Das tut sehr gut.") wie bei der von ihr initiierten Ferienbetreuung für Grundschüler. Hatte sie mit sieben Kindern klein angefangen, habe sie für dieses Jahr bereits 67 Anmeldungen. Hier würden Kinder in den Ferien von 8 bis 16 Uhr betreut, erhielten ein Mittagessen und zahlten für fünf Tage in der Woche 50 Euro. Was sie besonders freue, sei die gute Kooperation mit den Grundschulen, sagte Lohmann. So könne in diesem Jahr nicht nur das Turnerhaus am Konventshof genutzt werden, sondern zudem Räume in der Grundschule Falkenberg.

Dank für private Spenden

"Man könnte auch locker eine halbe Stelle damit ausfüllen", sagte Lohmann mit Blick auf die Personalkosten für ihre Stelle, die von zehn auf 15 Stunden aufgestockt worden sei. Hinzu komme ihr Budget von jährlich 3000 Euro, das aber bei weitem nicht ausreiche, um alle Projekte am Laufen zu halten. So habe sie sich 2010 sehr über Spenden in Höhe von 1800 Euro gefreut und 2011 gar über eine Einzelspende über 5000 Euro. Das Geld brauche sie, da sie qualifizierte Kräfte einsetze und nicht erwarte - wie es gerade bei Frauen oft üblich sei -, dass diese beispielsweise die Ferienbetreuung unentgeltlich übernähmen. Im Gegenteil, sie zahle ihnen 8,50 Euro die Stunde, was dem Mindestlohn entspreche.

Lob gab es für die engagiert vorgetragenen Ausführungen, besonders aber wohl für die damit verbundene Arbeit quer durch die Fraktionen. Rainer Sekunde nahm für die CDU die Kritik an einem fehlenden Schulpsychologen sowie der ebenfalls fehlenden Anlaufstelle für Opfer sexueller Gewalt im Landkreis Osterholz auf. Der Ratsherr und Kreistagsabgeordnete versprach: "Wir kümmern uns drum." Denn schließlich habe seine Fraktion einst die Parole ausgegeben, Lilienthal solle familienfreundlichste Gemeinde im Kreis werden. "Und das haben wir weiter im Blick."

Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Lilienthal, Heidemarie Lohmann, bietet regelmäßige öffentliche Sprechstunden im Rathaus montags von 8 bis 17 Uhr sowie dienstags von 15 bis 17 Uhr an. Telefonisch ist sie unter der Nummer 04298/929154 zu erreichen.

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