Vogelgrippe

Noch herrscht Gelassenheit

Die Vogelgrippe hat den Landkreis Diepholz erreicht. Das Landvolk Mittelweser hat zwei Geflügelhalter zu den Problemen mit der Vermarktung der Eier befragt.
23.11.2020, 17:18
Lesedauer: 2 Min
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Noch herrscht Gelassenheit
Von Micha Bustian

Asendorf-Graue/Twistringen-Binghausen. Die Vogelgrippe hat den Landkreis Diepholz erreicht. Daraufhin hat der Landkreis ein Aufstallgebot für das gesamte Kreisgebiet veranlasst (wir berichteten). Diese Stallpflicht gilt zunächst bis zum 31. Januar kommenden Jahres. Noch zeigen sich die Geflügelhalter einigermaßen gelassen, hat das Landvolk Mittelweser beobachtet. Ein Beispiel: Volker Hacke aus Graue. „Die Hühner stehen vor der Tür und wollen raus“, sagt der Landwirt, der unter anderem Eier aus dem Mobilstall vermarktet. „Aber die Legehennen werden sich daran gewöhnen, dass das erst mal nicht geht.“

Zurzeit bleiben die Hühner in Hackes Mobilstall, der ihnen ausreichend Platz bietet. „Sie dürfen ja in den Kaltscharraum gehen. Außerdem ziehen wir noch einen 100 Quadratmeter großen Tunnel an den Stall“, berichtet Volker Hacke, der aufgrund der Erfüllung von Tierwohl-Kriterien ohnehin besonders hohe Anforderungen an seine Legehennenhaltung erfüllt. „Ich hoffe aber, dass es nicht zu lange dauert. Die Hühner wollen sich schließlich auch die Füße vertreten“, sagt der Landwirt. Nur noch über 16 Wochen darf Volker Hacke seine Eier als Freilandeier verkaufen; nach Ablauf dieser Frist müsste er sie als Bodenhaltungseier vermarkten. „Dann würden die Eier einen anderen Stempel bekommen.“

Sein Berufskollege Albert Wiese aus Binghausen bei Twistringen sieht die Lage als konventioneller Legehennen-Halter auch noch entspannt, lässt Regine Suling-Williges vom Landvolk wissen. „Im Moment ist es nicht dramatisch.“ Das könne es aber werden. Denn insbesondere sein Sohn Bernd und dessen Bio-Legehennenstall seien von der Aufstallpflicht betroffen. Diese Bio-Tiere werden mit Bio-Futter großgezogen. Da der Auslauf auf den zehn Hektar Fläche neben dem Stall nicht mehr möglich sei, muss ihnen jetzt Raufutter wie Luzerne, Kartoffeln oder Rote Bete zur Verfügung gestellt werden.

Entfalle bei seinen Hühnern für insgesamt ein Drittel der Lebenszeit der Zugang zum Freiland, dürfen ihre Eier nicht mehr als Freiland-, sondern nur noch als konventionelle Bodenhaltungseier vermarktet werden. Darauf weist das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) auf Nachfrage hin. Das hätte erhebliche, negative Auswirkungen auf den Eierpreis. Das Laves macht auf einen weiteren Umstand aufmerksam: Sei ein Landwirt der Empfehlung seines Landkreises gefolgt, seine Tiere aufzustallen, dürfte er ihre Eier ab diesem Zeitpunkt nicht mehr als Freilandprodukte vermarkten. Anders sei es, wenn es eine entsprechende Anordnung des Landkreises gebe. Dann gelte die 16-Wochen-Frist, binnen derer die Landwirte ihre Eier trotz Stallpflicht auch weiterhin als Freilandeier verkaufen dürften.

Christoph Klomburg, Vorsitzender des Landvolks Mittelweser, ist als Putenhalter derzeit nicht unmittelbar von der Aufstallpflicht betroffen, weil er seine Tiere ohnehin im Stall hält. Er appelliert aber an alle Geflügelhalter, sämtliche vorgeschriebenen Hygienevorschriften einzuhalten und von sich aus noch einmal nachzuschärfen. Auch die Hobbygeflügelhalter sollten sichergehen, dass ihre Gehege nicht von außen zugänglich seien und auch die eigenen Tiere nicht hinausgehen können. Denn sollte dort ein Fall von Vogelgrippe auftreten und Klomburgs Ställe fielen in den betroffenen Radius, könne es sein, dass auch Klomburgs Puten deswegen gekeult werden müssten.

Eine Gefahr, die auch Volker Hacke sieht: Würden seine Legehennen gekeult werden müssen, fehlten am Ende nicht nur die Tiere, sondern vor allem deren Eier. Und auf die Schnelle seien aufgrund des langen Vorlaufs auch keine neuen Tiere zu bekommen: „Die Legehennen, die wir Anfang nächsten Jahres bekommen, sind ja jetzt schon in der Brüterei.“

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