Nachwuchs-Band aus Ganderkesee Voller Einsatz für die Bühne

Mit 16 Live-Auftritten hat die junge Metal-Band Maelføy in ihrem ersten Jahr bereits reichlich Erfahrung gesammelt. Auch mit ihrerer ersten EP will das Quintett aus Ganderkesee bekannter werden.
23.10.2018, 06:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Struß

Ganderkesee. Die Bedingungen für einen guten Konzertabend könnten wirklich besser sein. Sänger und Frontmann Marne fehlt aus beruflichen Gründen, ein Ersatzmann muss einspringen. Und dann sagt auch noch eine komplette Band ihren Auftritt ab. An diesem Freitagabend werden also nur zwei Gruppen im Oldenburger Alhambra spielen. Als die Musiker von Maelføy dann zu den Instrumenten greifen, stehen knapp 20 Menschen vor ihnen, zählt man die eher unbeteiligten Biertrinker an der Bar hinzu vielleicht 30. Es gibt Bands, die sich in diesem Moment gegen 22.30 Uhr schon vollends dem Bier hingegeben hätten und dann eher schlecht als recht ihre Lieder runterspielen. Die jungen Musiker aus Ganderkesee haben aber einen anderen Anspruch.

„Wir wollen möglichst professionell auftreten und uns deutlich von Schülerbands abheben“, sagt Lars Riedel. Er spielt Gitarre, investiert aber auch viel Zeit in das Organisieren von Konzerten. Maelføy gibt es nun seit einem guten Jahr, zum Proben nutzen sie einen Raum am Hangar des Flugplatzes Ganderkesee. Lars ist dort aufgewachsen, genau wie die beiden weiteren Bandmitglieder Christopher Maaß und Martin Schiwy. Der Kontakt zu Sänger Marne Büch und dem zweiten Gitarristen Lukas Meyer entstand in einer Facebook-Gruppe. Mit 22 bis 26 Jahren darf man die Männer wohl noch als „jung und wild“ bezeichnen. Gleichzeitig sind sie aber auch erwachsen genug, um zu wissen, was sie wollen.

Gegenentwurf zu Radio-Pop

Und das ist Musik, die sich als Gegenentwurf zu Radio-Pop versteht. Mit dem Post-Hardcore bewegt sich die Band in einer kleinen Nische. Das Genre hat seine Wurzeln im Punk, hört sich über weite Strecken aber eher wie Metal an. Bedeutet: Schnell gespielte Instrumente und ein Gesang, der oft ins Schreien übergeht. Die Stimmung schwankt zwischen Aggressivität und Melancholie, erzeugt aber auch befreiende Momente. Gerade die genretypischen „Breakdowns“, bei denen sich eine zuvor aufgeladene Spannung explosiv entlädt, machen die Musik vollends zum Ventil.

„Unsere Musik soll für etwas stehen. Wir wollen keine inhaltsleeren Texte“, sagt Lukas Meyer. Diesem Anspruch entspricht das Lied „World in Chains“ wohl am besten. Krieg, Rassismus, Massentierhaltung – all das kritisieren die Musiker darin und bringen es in dem Refrain auf den Punkt: „Everyday we see the facts, but we hide and never seek.“ Jeden Tag sehen wir die Fakten, doch wir verstecken uns und bemühen uns nicht einmal. In ruhigen Passagen ist der Gesang klar zu verstehen, dann kommen anklagende Wutausbrüche.

„World in Chains“ ist auch Teil einer CD, die das Ganderkeseer Quintett Mitte September veröffentlichte. Die „Extended Play“ (EP) ist noch kein vollständiges Album, mit fünf Liedern aber ein wichtiges Aushängeschild. „Wir wollen bekannter werden. Da ist es wichtig, auf allen Online-Plattformen präsent zu sein“, erklärt Lars Riedel. Damit meint er etwa Streaming-Dienste wie Spotify. Denn auf den Verkauf von handfesten Tonträgern darf man sich als junge Band nicht mehr verlassen.

Für den Internetauftritt mussten Lars und seine Bandkollegen erst einmal Geld in die Hand nehmen. „Wir zahlen etwa 30 Euro an einen Dienstleister, damit unsere Musik online überall angeboten wird“, erklärt Lars. Einnahmen, die durch das Abspielen oder Runterladen der Musik generiert werden, gehen zunächst an den Dienstleister. Ab einer gewissen Summe kann sich die Band den Betrag auszahlen lassen. „Wenn wir irgendwann die 30 Euro wieder drin haben, sind wir zufrieden“, sagt Lars.

Das Bandprojekt ist ein Hobby und finanziell eindeutig ein Zuschussgeschäft. Auch der Proberaum produziert Mietkosten. CDs, T-Shirts und Sticker, die am Rande der Konzerte verkauft werden, werfen zwar etwas Gewinn ab, müssen aber zunächst aus eigener Tasche finanziert werden. Den Traum, einmal von der Musik zu leben, träumen die jungen Männer nicht – zumindest nicht erklärtermaßen. „In diesem Genre gibt es in ganz Deutschland vielleicht vier Bands, die nur von der Musik leben“, sagt Lars.

Der Traum von der großen Bühne

Euphorisch stimmt die Musiker eher eine andere Vorstellung. „Auf einem großen Festival spielen – dem Reload oder sogar dem Vainstream“, schwärmt Lukas. Oder an allen drei Tagen des Wochenendes auf der Bühne stehen, von Stadt zu Stadt fahren, wie auf einer großen Tournee, das wär schon was. Allzu utopisch sind diese Ziele nicht. Schließlich spielten Maelføy im Juni diesen Jahres bereits auf dem „Aufmucken gegen Rechts“, zu dem in Weyhe rund 1500 Menschen kamen. Auch die „Delmolition“ lockte nach eigenen Angaben am 12. Oktober rund 120 zahlende Gäste ins Slatterys nach Delmenhorst. Den Konzertabend hatte Lars selbst auf die Beine gestellt. Insgesamt blickt die Band auf 16 Konzerte zurück – für das erste Jahr nach der Gründung ist das beachtlich.

Als Lars im Alhambra in Oldenburg die kleine Schar Zuschauer fragt: „Wer hat uns schon einmal gesehen?“ gehen ein paar Hände nach oben. Wenn die Gäste wiederkommen, ist schon ein Grundstein gelegt. Nun gilt es für die talentierte Band aus Ganderkesee, darauf aufzubauen.

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