Vortrag der Lilienthaler Ärztin Margot Kempff-Synofzik Vom falschen Ich zum wahren Selbst

Grasberg. "In allen Referaten und Vorträgen steckt ein Teil von mir", erklärte die Lilienthaler Ärztin Margot Kempff-Synofzik die Auswahl der von ihr gewählten Themen. Auch die Auftaktveranstaltung 2011 des Wörpedorfer Landfrauenvereins in der Grasberger Gaststätte Thoss basierte auf Erfahrungen und Erfahrenem. "Wir tragen viele Masken" titelte Kempff-Synofzik den Vortrag, der seinen Anfang vor vielen Jahren während der Jugendarbeit mit dem Singen des gleichnamigen Kirchenliedes fand.
15.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine von der Decken

Grasberg. "In allen Referaten und Vorträgen steckt ein Teil von mir", erklärte die Lilienthaler Ärztin Margot Kempff-Synofzik die Auswahl der von ihr gewählten Themen. Auch die Auftaktveranstaltung 2011 des Wörpedorfer Landfrauenvereins in der Grasberger Gaststätte Thoss basierte auf Erfahrungen und Erfahrenem. "Wir tragen viele Masken" titelte Kempff-Synofzik den Vortrag, der seinen Anfang vor vielen Jahren während der Jugendarbeit mit dem Singen des gleichnamigen Kirchenliedes fand.

Über das Buch des bekannten Genfer Arztes, Psychotherapeuten und Autoren Paul Tournier, der als Begründer der Médecine de la Personne gilt, näherte sich Margot Kempff-Synofzik der Thematik des falschen Ichs. In die Mitte der Gesellschaft und den Alltag führte das Thema der Wörpedorfer Vortragsreihe, dessen Thema Selbsterkenntnis und -findung war. Mit ihrem Vortag verfolgte die Lilienthaler Ärztin die Absicht, auf die Problematik des unter einer Maske versteckten Ichs und den damit einhergehenden depressiven Erkrankungen aufmerksam zu machen. Es war ihr Anliegen auf die Probleme hinzuweisen und der Versuch, damit praktische Lebenshilfe zu leisten. Anhand von Beispielen aus der ärztlichen Praxis verdeutlichte Kempff-Synofzik die Thematik.

Mit der Schilderung alltäglicher Situationen umschrieb Kempff-Synofzik den Mechanismus der "Maskierung", die dazu dient den äußeren Schein zu wahren. Wer sich von morgens bis abends vom Scheitel bis zur Sohle korrekt verhält, dem geht Lebensmut und -atmung verloren, so Margot Kempff-Synofzik. Um nicht das Gesicht zu verlieren und die eigenen Absichten erfolgreich zu verfolgen, dient die gespielte Rolle, die von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt ist, als Hilfsmittel. Dabei sind anerzogene Verhaltensweisen, die ihren Ursprung in kulturellen und gesellschaftlichen Unterschieden haben, entscheidend. Sie verdeutlichte, dass das Erkennen des eigenen Ichs durch die Maske oder Rolle, die wie eine Rüstung wirken, nicht einfach ist. Mit den durch soziale Konventionen bestimmten Regeln, denen sich die Menschen in der Gemeinschaft unterwerfen, erklärte Kempff-Synofzik das Rollenspiel. Zu diesen Regeln gehört es, Gefühle nicht nach außen dringen lassen sowie Korrektheit und Disziplin einen

hohen Stellenwert beizumessen. Dies kann sich im schlimmsten Fall in einer larvierten Depression, die sich in körperlichen Beschwerden zeigt, äußern. Aus der Zwangsjacke der Konventionen zu schlüpfen ist den meisten nur während der Urlaubszeit oder auch im Karneval möglich. In diesen Freiräumen ist es möglich, anders zu sein als die Norm und zu leben, was sonst nicht erlaubt ist.

Angst vor Nichtgenügen

Die Gründe für das Spiel einer Rolle sind vielfältig, so Kempff-Synofzik. Sie schützt vor Geringschätzung und hilft die persönlichen Schattenseiten zu kaschieren. Nur wenn die Angst vor Nichtgenügen oder Versagen auf Liebe und Zuneigung trifft, kann die Schutzhülle fallen, erläuterte die Lilienthaler Ärztin. Sie warnte allerdings davor, auf der Suche nach dem echten Ich in eine persönliche Nabelschau und Egoismus zu verfallen. Eine liebevolle Behutsamkeit, Offenherzigkeit und Ehrlichkeit anderen gegenüber seien Bausteine auf dem Weg zum wahren Ich und dem Umgang mit anderen Menschen. Wichtig sei, das eigene Leben zu leben und die persönlichen Fähigkeiten zu erkennen und zu nutzen, um das Selbstwertgefühl zu verbessern.

"Es ist schwer, auf der Reise nach dem Ich, an das Selbst heranzukommen", bestätigte sie. Mit den vielen Schalen einer Zwiebel verglich Kempff-Synofzik das Ich, denn jede Schale sei Bestandteil des Ichs. Bei dem von ihr angeregten Erfahrungsaustausch während des Vortrags handelte es sich um keine einfache Aufgabe, die Margot Kempff-Synofzik den Landfrauen stellte. Angeregte Gespräche der Wörpedorfer Landfrauen zeigten allerdings die Brisanz des Themas, dem sich niemand an diesem Nachmittag entziehen konnte.

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