Zum 75. Geburtstag Louis Niebuhrs zeigt das Vorwerk Arbeiten des Syker Ausnahmekünstlers

Vom Hartstuck über Marmor und Granit

VON ECKEHARD SCHÖRKEN
04.02.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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VON ECKEHARD SCHÖRKEN

Syke. "Wir schätzen uns glücklich, dass dieser Ausnahmekünstler in Syke lebt und arbeitet", sagt Museumsdirektor Ralf Vogeding. Die Rede ist von Louis Niebuhr, der in diesem Monat 75 Jahre alt wird. Anlass für das Zentrum für zeitgenössische Kunst, 70 Objekte dieses Mannes vom 6. Februar bis zum 17. April im Syker Vorwerk zu zeigen. Die Präsentation von Skulpturen, Photograttagen und Zeichnungen trägt eindeutig Niebuhrs Handschrift. Nicole Giese, Kuratorin des Hauses: "Er hat alles selbst arrangiert. Ich durfte ihm nur zur Hand gehen."

Niebuhr, 1936 in Syke geboren, studierte bei Prof. Gerhard Schreiter an der Staatlichen Kunstschule in Hannover Bildhauerei, lehrte in den Jahren 1969 bis 72 an der Werkkunstschule Bremen und ab 1974 drei Jahre lang an der Fachoberschule Bremen. Der Syker erhielt mehrere Förderpreise der Länder Niedersachsen und Bremen. Als Stipendiat war er in den 80er und 90er Jahren als Steinbildhauer im italienischen Carrara und in Norwegen tätig. In jüngster Zeit arbeitet er in der heimischen Umgebung mit Holz, das er in den Wäldern findet.

Zu den frühen Arbeiten gehören die aus Hartstuck gefertigten Skulpturen "Magnetische Geste" aus dem Jahr 1967, der 1973 entstandene "Kopf einer Frau" und "Frontstellung", das 1980 für einen Wettbewerb der Bundeswehr gestaltete Modell.

Nach seiner Tätigkeit als Steinbildhauer in den Marmorsteinbrüchen von Carrara entstanden 1985 die Marmorskulpturen "Waidmannsruh" und "Von Donnerstag bis heute". Dazu die Erklärung des Künstlers: "?von einem Tag X im Paläozän bis in die Gegenwart zu den Superlativen des Homo faber."

Verformbare Wirklichkeit

Großaufträge, wie die Marmorarbeit "Puppenruhe", die beim Bildhauer-Symposium 750 Jahre Berlin 1987 entstand und am Schlesischen Tor aufgestellt wurde oder der aus Granit gehauene "Mittagskopf" (1985 Bildhauer-Symposium im norwegischen Norge Larvik), sind als Fotoreihe in der Ausstellung zu sehen.

"Photograttagen" sind von Niebuhr selbst aufgenommene Fotos, die durch Bearbeitung dreidimensional erscheinen oder Bilder, wie "Schärenblicke" und "Zwischenlager" (Eftang/Norwegen), auf denen der Künstler die verformbare Wirklichkeit dokumentiert. Ob Skulpturen, Zeichnungen oder Grattagen, sie alle weisen die typische Niebuhrsche Handschrift: Linien, Felder oder Brüche, die durch ihre mathematisch-geometrische Strukturen und Formen einen Gegensatz zur Ursprungsform bilden. Das Künstlerehepaar Louis Niebuhr und Beate Zitzlaff verfügt über eine umfangreiche Sammlung von ihnen erstellter Kunstwerke, die als Nachlass in den Besitz des Zentrums für zeitgenössische Kunst übergehen werden. Schon jetzt befinden sich im Vorwerk zahlreiche Arbeiten Niebuhrs, die alle zwei Jahre um drei Werke bereichert werden. Ralf Vogeding: "Sie sind im ehemaligen Kutscherhaus untergebracht. Ferner sind Kapazitäten auch in den einstigen Pferdeställen vorhanden, die ausgebaut und voll klimatisiert wurden."

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