DIE NORDDEUTSCHE vor 25 Jahren Vom Sanierungsbedarf einer Bibliothek und dem Kampf um ein Freibad

Die Blumenthaler haben bereits vor 25 Jahren für den Erhalt ihres Freibads gekämpft. Mehrfach stand es vor der Schließung. In Lesum ging es damals um den baulichen Zustand der Bibliothek.
16.11.2018, 18:39
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Von Marina Köglin

Dramatisch sinkende Besucherzahlen, steigende Kosten. Aus diesen Gründen wollte Sportsenator Friedrich van Nispen (FDP) im November 1992 bei der Gesellschaft für öffentliche Bäder einen neuen Kurs steuern: „Weniger, aber dafür besser ausgestattete Bäder.“ Der Senator, der zugleich Aufsichtsratschef der Bädergesellschaft war, schlug vor, gleich mehrere Bäder zu schließen, darunter auch das Freibad Blumenthal. Die Blumenthaler jedoch kämpften für ihr Bad. Ein Jahr später gab es Rückendeckung durch den sogenannten Sportentwicklungsplan.

Unter dem Titel „Argumentationshilfe in Sachen Freibad“ berichtete DIE NORDDEUTSCHE am 18. November 1993: „Bei seinen Bemühungen um den Erhalt des Freibades am Bockhorner Weg hat der Blumenthaler Beirat unverhofft eine zusätzliche Argumentationshilfe erhalten. Bei der Beiratssitzung am Montag stellten Vertreter aus Sport- und Innenbehörde den neuen Bremer Sportentwicklungsplan vor. Dieser enthält unter anderem Aussagen darüber, welche Sportarten in den einzelnen Stadtteilen bevorzugt betrieben werden. Für Blumenthal ist das Ergebnis eindeutig: Neben Fußball und Turnen hat Schwimmen den höchsten Stellenwert. Der Beirat forderte deshalb erneut, den Fortbestand des Freibades zu sichern.”

Für den damaligen Beiratssprecher Klaus Peters (CDU) war besonders wichtig, dass das Interesse am Schwimmen im Ortsamtsbereich nicht ab- sondern zunimmt: “Angesichts dieser Zahlen wäre die Schließung des Freibades widersinnig.” Der Forderung der Christdemokraten an den Sportsenator, die Zukunft des Bades zu sichern, das große Schwimmbecken zu überdachen und die Attraktivität insgesamt weiter zu steigern, stimmten alle Beiratsmitglieder zu.

Der Kampf um den Erhalt des Freibades ging jedoch weiter. Zunächst wurde das Bad unter der Regie eines Vereins weiter betrieben. 2006 kam die Insolvenz, das Aus des Freibades schien gewiss. Im Frühjahr 2007 wurde der „Verein zur Förderung des Sport- und Freizeitbads Blumenthal“ gegründet. Die Mitglieder arbeiteten hart, dennoch wollte die Stadt das Bad 2008 endgültig schließen. Wieder gingen die Blumenthaler auf die Barrikaden – erfolgreich. Das Bad wurde nicht geschlossen, die Stadt gab sogar zwei Millionen Euro für Umbau und Modernisierung. Mit einer neuen Konzeption ging es weiter. Seit 2010 betreibt die Bremer Bäder Gesellschaft das im August 1969 eingeweihte Blumenthaler Freibad. Der Förderverein, der die Schwimmstätte 2007 bis 2009 in Eigenregie führte, unterstützt die Einrichtung nach wie vor mit Arbeitskraft, Aktionen und Geld.

Über eine “Unzulässige Abfallbeseitigung an der Hechelstraße” berichtete die NORDDEUTSCHE am 18. November 1993: “Fernsehgerät, Waschmaschine, Kühlschrank, Sessel, Schuhe, Reifen, eine unübersehbare Menge von Elektronikteilen sowie diverser Kleinschrott wurden am vergangenen Sonntag in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von bislang Unbekannten am Eingang zur Schule Hechelstraße abgeladen.”

In derselben Ausgabe der NORDDEUTSCHEN wurde unter dem Titel “Statt Deponie den Graben bevorzugt” über eine weitere wilde Müllkippe berichtet. Am Platjenwerber Weg in Leuchtenburg waren Behälter mit Motorenöl, Bremsflüssigkeit, Frostschutzmittel, Farben und auch diverse Spachtel illegal entsorgt worden.

Das Problem der wilden Müllkippen besteht nach wie vor. Seit einigen Monaten befreien die Bremer Umweltwächter Nordbremer Plätze, Straßen und Parks von Zigarettenstummeln, Essensresten, Scherben, Papier und Plastikverpackungen. Oft stoßen sie dabei auch auf wilde Müllkippen. Was andere Zeitgenossen mutwillig im öffentlichen Raum entsorgt haben, sammeln die Umweltwächter während ihrer täglichen Touren ein. Je nach Stadtteil füllen sie zwischen drei und 15 Müllsäcke am Tag.

„Gute Adresse für Leseratten” titelte die NORDDEUTSCHE am 19. November 1993. Die Stadtbibliothek Lesum feierte ihr 25-jähriges Bestehen mit einem bunten Kultur-Nachmittag. Die Einweihung hatte am 16. November 1968 stattgefunden. Knapp 18 000 Bände beherbergte die Lesumer Bibliothek zu Beginn, 1993 waren es bereits 32 000. “Und damit ist aber auch die Kapazität dieser Einrichtung mehr als ausgelastet”, wird Ilse Breger, die damalige Bibliotheksleiterin im November 1993 zitiert. “Bauliche Veränderungen hat es in den zurückliegenden 25 Jahren bei der Stadtteilbibliothek Lesum nicht gegeben, sieht man einmal von der Anlage der ziemlich steilen und damit nicht sonderlich nutzerfreundlichen Zufahrt für Rollstuhlfahrer ab. Auch das Mobiliar ist noch immer dasselbe. Eine Fenstererneuerung ist dringend erforderlich”, wird berichtet.

Von Juli 2017 bis März 2018 wurde die Lesumer Bibliothek schließlich umfassend saniert, die Bibliothek zog solange in ein Übergangsquartier an der Stader Landstraße. Die Liste der Erneuerungen war lang: neue Fenster, ein neues Dach, Dämmung, neue Heizkörper, Elektrik, Rohre, neue Decke, Malerarbeiten. Außerdem gibt es mehr Steckdosen, damit die Kunden ihre Mobil-Telefone und Laptops einstöpseln können. Die Ausleihe und Rückgabe der Medien lief in der vorübergehenden Unterkunft nicht über die sogenannten Selbstverbuchungsstationen, sondern wurde von den Mitarbeitern übernommen. „Fast ein bisschen wie in den 90er-Jahren“, erinnerte sich Carolin Renkewitz, Leiterin der Lesumer Stadtbibliothek.

Im November 1993 stellte das Bauamt Bremen-Nord dem Beirat Burglesum Pläne zur Nachnutzung der ehemaligen Roland-Kaserne vor. Unter dem Titel “Von Roland-Kaserne zum Roland-Quartier” berichtete die NORDDEUTSCHE am 22. November 1993 von der Sitzung. Das Bauamt Bremen-Nord hatte ein 16-seitiges “Zielkonzept zur Umnutzung der Roland-Kaserne in Bremen-Grohn (Roland-Quartier)” vorgelegt, in dem aufgeschlüsselt wurde, wie es später einmal auf dem rund 30 Hektar großen Areal der Kaserne aussehen sollte.

“Wir sammeln erst einmal Ideen”, wird der damalige Bauamtsleiter Christoph Steuer zitiert. Eine Idee sah vor, mehr als die Hälfte des Geländes einer zukünftigen Wohnbebauung zuzuschlagen. 700 neue Wohneinheiten sollten nach Behördenberechnung entstehen. Auf dem Teil zwischen der “Kasernenstraße”, die zum Haupttor führte, und der Friedrich-Humbert-Straße sollten Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen sowie Einfamilien- und Reihenhäuser entstehen. Außerdem geplant: kleine Versorgungs- und Dienstleistungsbetriebe und Räume für soziale und kulturelle Zwecke.

Ganz verschwinden sollte die kleine Kirche. Begründung der Stadtplaner: “Es ist zu vermuten, dass für das Kirchengebäude eine Nutzung nicht mehr gefragt ist, da eine zugehörige Gemeinde fehlt.” Dort sollte ein mehrgeschossiges Wohngebäude errichtet werden. Ein rund 6,1 Hektar großes Stück vom “Kasernen-Kuchen” sollte Mischgebiet werden. Geplant waren Bürobetriebe, Verwaltungseinrichtungen oder Institutionen für Bildung, Kultur oder Forschung.

Die Kaserne bestand noch bis 1999. Anders, als das Bauamt Bremen-Nord im Jahr 1993 plante, wurde das Gelände von der damaligen International University Bremen, heute Jacobs University Bremen, gekauft. Sie nahm dort 2001 ihren Studienbetrieb auf. Die kleine Kirche blieb übrigens erhalten; sie steht noch heute auf dem Campus der Jacobs-University.

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