Galerie Kühn zeigt 82 Arbeiten des französischen Künstlers Roland Roure

Vom Spiel mit dem Spielzeug

Lilienthal. Eine Tänzerin dreht sich, umgeben von üppigen Blüten und Vögeln. Sie lächelt und durch ihren Rock schimmert Licht, zeichnet Punkte auf die Wand. Die Tänzerin ist ein Spielzeug, ein Kunstobjekt, eine Lampe. Eine von 82 Arbeiten des französischen Künstlers Roland Roure, die ihre Betrachter aus der Zeit werfen, mit der fast naiven Kindlichkeit, die sie verströmen. Bis zum 16. Januar zeigt die Lilienthaler Galerie Kühn "die zur Zeit größte Auswahl an Arbeiten" Roures.
25.11.2010, 05:00
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Vom Spiel mit dem Spielzeug
Von Undine Zeidler

Lilienthal. Eine Tänzerin dreht sich, umgeben von üppigen Blüten und Vögeln. Sie lächelt und durch ihren Rock schimmert Licht, zeichnet Punkte auf die Wand. Die Tänzerin ist ein Spielzeug, ein Kunstobjekt, eine Lampe. Eine von 82 Arbeiten des französischen Künstlers Roland Roure, die ihre Betrachter aus der Zeit werfen, mit der fast naiven Kindlichkeit, die sie verströmen. Bis zum 16. Januar zeigt die Lilienthaler Galerie Kühn "die zur Zeit größte Auswahl an Arbeiten" Roures.

70 Jahre alt ist Roure. Seinen unbekümmerten Blick auf das Leben hat er sich bewahrt. 1974 fand er zu der ihm eigenen Formensprache und wird noch heute von seinen Fans dafür verehrt: Figuren und Alltagsszenen aus Blech, Draht und Holz, beispielsweise den Clown auf Rollen, Seeleute in alten Fischdosen oder Lampen in vielerlei Form und Art.

Dabei reduziert und pointiert Roure, etwa wenn eine Dame - nur als Drahtkontur sichtbar - an einer Hand den Kinderwagen hält und an der anderen das daraus herausgefallene Kind. Als Mobile hat Roure sie installiert. Der Betrachter kann sie mit einem Fingerstoß wieder und wieder in die Aufregung des Geschehenen versetzen. Bei anderen Drahtfiguren offenbart er seine Liebe zum Detail, etwa wenn er die Lesende am Strand mit einem winzigen Buch ausstattet, dessen Inhalt als "Moby-Dick" zu erkennen ist.

Einladung zum Ausprobieren

Roures Arbeiten laden zum Verweilen ein, wollen ausprobiert werden. Hinter kindlichen Formen und Farben verbirgt sich durchdachte Technik, beispielsweise an der Lampendame, deren wehende Drahthaare gleichzeitig der Dimmer für das Licht im Lampenschirmgesicht sind. Das macht selbst den erwachsenen Betrachter wieder zum Kind. Die Lichtobjekte schaffen sich laut Galeriebeschreibung mit dem Licht ihren eigenen Bühnenraum. Aus Blechstreifen schneidet Roure Figuren wie den Hasen, der schwingend zum Sprung ansetzt und doch auf der Stelle verharrt oder die Frau, die sich lasziv auf dem Flügel räkelt.

Es sind Momente aus dem Leben, die gelegentlich einer gewissen Hintergründigkeit nicht entbehren, etwa die Seemänner in leeren Fischdosenbooten oder das Holzfällerensemble. Dort lässt Roland Roure zwei Holzmänner mit ihren Äxten auf den Stamm des Baumes schlagen, an dessen Ast eine Schaukel hängt und ein Mädchen darauf schwingt. Alles beweglich. Erst der Betrachter vollendet die Aussage der Arbeit, wenn er an einem Hebel dreht.

Bevor Roure zum Skulpturen-Künstler wurde, versuchte er sich als Maler. Darüber schreibt er: "Ich stürzte mich in die Malerei wie ein Schwein an seinen Trog." Die Anerkennung blieb aus, dafür kamen die Kinder. "Da ich nichts Passendes für sie fand, begann ich Spielzeug für sie zu machen." Nicht gefällig genug, raunzten ihn Spielzeughändler an, so Roure in seiner Erinnerung. Von anderer Seite bekam er Aufmunterung. Heute zeigt laut Maria Warnecke aus der Galerie Kühn fast jedes französische Museum Arbeiten von Roure. In der Lilienthaler Galerie ist er seit 1982 regelmäßig zu sehen.

Die fantastische Welt des Roland Roure kann dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr in der Galerie Kühn, Hauptstraße 39 in Lilienthal, bis zum 16. Januar 2011 besucht werden.

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