Saisonauftakt und Geburtstagsfahrt auf der Hamme / Die Kanu-Abteilung des TV Lilienthal ist 30 Jahre alt

Vom Wasser aus ein völlig anderes Erlebnis

Lilienthal. Weich wie ein Seidentuch streicht die Luft über die Haut. Vögel singen das Lied vom Frühling und 17 Kanus furchen die glatte Oberfläche der Hamme. Paddel klatschen ins Wasser, schieben Kajaks, Kanadier, Seekajak, Wildwasser- und Wanderboote ruhig voran: Die Kanu-Abteilung des Turnvereins Lilienthal (TVL) auf Geburtstagsfahrt. Am 1. April feierte sie ihr 30-jähriges Bestehen und auch für Christel Appenroth sollte es eine besondere Fahrt werden. Taggleich seit zehn Jahren ist sie offizielle Übungsleiterin in der Abteilung. Doch diese Feier auf dem Wasser viel wegen Krankheit aus.
07.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Vom Wasser aus ein völlig anderes Erlebnis
Von Undine Zeidler

Lilienthal. Weich wie ein Seidentuch streicht die Luft über die Haut. Vögel singen das Lied vom Frühling und 17 Kanus furchen die glatte Oberfläche der Hamme. Paddel klatschen ins Wasser, schieben Kajaks, Kanadier, Seekajak, Wildwasser- und Wanderboote ruhig voran: Die Kanu-Abteilung des Turnvereins Lilienthal (TVL) auf Geburtstagsfahrt. Am 1. April feierte sie ihr 30-jähriges Bestehen und auch für Christel Appenroth sollte es eine besondere Fahrt werden. Taggleich seit zehn Jahren ist sie offizielle Übungsleiterin in der Abteilung. Doch diese Feier auf dem Wasser viel wegen Krankheit aus.

Zehn Kilometer hatten sich die 21 Jugendlichen, Frauen und Männer für diesen Tag vorgenommen. Start bei Tietjens Hütte, einmal zur Ritterhuder Schleuse und zurück. Mit in den Booten der Abteilungsleiter Karl-Hermann Lösken und sein Stellvertreter Andreas Fouquet. Beim Picknick nach fünf Kilometern empfängt der TVL-Vorsitzende Reinhard Schülke die Gruppe und überreicht den beiden Männern zum Abteilungsgeburtstag eine goldgekränzte 30.

Während sich die meisten Paddler schon beim Picknick von der Sonne bescheinen lassen, schält sich Fouquet noch aus seiner Neopren-Jacke. Gerade erst hat er seinen Seekajak "Tammo" auf den Steg gehievt. Die beiden 13-jährigen Mädchen Lisa Kranz und Tahira Masuud waren schneller. Ihr Boot liegt schon an Land.

Eskimorolle im Hallenbad

Seit acht Monaten paddeln die besten Freundinnen. Anlass war Kranz' Geburtstagsfeier beim Ferienspaß. Das Paddeln gefiel den beiden so gut, dass sie dabei blieben, im Winter an jedem zweiten Sonnabend die Eskimorolle und andere Kenterarten im Hallenbad trainierten. Lisa Kranz weiß nach diesen Monaten schon für sich: "Paddeln fördert die Konzentration in der Schule".

"Ein Fünftel der Zeit des Vereins" besteht die Kanu-Abteilung mit ihren derzeit rund 70 Mitgliedern, sagt Rainhard Schülke. Gemeinsam dem nach eigenen Worten "eingespielten Team" Lösken/Fouquet zieht er Bilanz über Jahre, die teils ruhig waren oder - so wie vergangenen fünf - intensiv.

Fouquet erzählt von der Saison 2010, als sie mit den Jugendlichen Kanu-Polo gespielt hatten. Das kam gut an, sagt er. Genau wie die Fahrten auf der Nordsee - sein Spezialgebiet. Dafür trainieren die Kanuten Navigation, den Umgang mit Sandbänken und den Gezeiten. Auch eine Wildwassergruppe besteht laut Fouquet in der Abteilung. Die plant für die Saison 2011 eine Fahrt zur Wildwasser-Strecke nach Hohenlimburg.

Karl-Hermann Lösken ist das viel zu aufregend. Er mag es ruhig, schätzt Flusspaddeln und die Trave-Wanderfahrt seiner Abteilung. Naturerlebnisse machen für ihn den Reiz an seinem Sport aus. So schwärmt er von der Strecke Fischerhude-Hexenberg. Die kennt Lösken mit dem Auto, mit dem Rad und zu Fuß. "Vom Wasser aus ist das ein völlig anderes Erlebnis!"

Natur ist den Kanuten überhaupt wichtig. Das Wort "Nachhaltigkeit" fällt. Dafür arbeiten sie seit rund fünf Jahren mit der Stiftung NordwestNatur zusammen, vermitteln beispielsweise in gemeinsamen Ökoschulungen Befahrensregeln für Kanuten im Wümme-Naturschutzgebiet.

Mit der Jugendarbeit sind Fouquet und Lösken zufrieden. Sie sagen, dass Übungsleiterin Christel Appenroth gerade in der Nachwuchsarbeit viel leistet. "Sie ist immer jemand, den man ansprechen kann." In ihrer Abteilung sei es wie überall in den Vereinen, klagt Fouquet: "Es gibt nur wenige, die organisieren". Er setzt für die Zukunft auch auf den eigenen Nachwuchs, beispielsweise auf Janna Adam.

Die 16-jährige paddelt seit fünf Jahren beim TV Lilienthal. Nach einem Ferienspaß blieb sie dabei, findet in dem Sport "einen Ausgleich zur Schule". Bewegung, Spaß und Gemeinschaft ziehen sie aufs Wasser, auch aufs Seegewässer in Fouquets Wattenmeertruppe.

Bevor Janna Adam dort mittfahren durfte, absolvierte sie unzählige Sicherheits- und Kentertrainings. Die Sicherheit, betonen Abteilungsleiter, Stellvertreter und Vereinsvorsitzender unisono, ist das Wichtigste beim Paddeln. Dafür trainiert Christel Appenroth lange mit dem Nachwuchs, der meist um die 13 Jahre alt ist. Das, so Fouquet, ist das ideale Einstiegsalter. Dann können die Kinder nicht nur schwimmen, sondern auch den Instruktionen der Übungsleiterin folgen.

Beim Anpaddeln 2011 stimmte das Wetter zu 100 Prozent. Lösken lacht. "Regen schreckt uns nicht ab." Nur bei Gewitter müssen sie aus dem Wasser. Aber das klappt nicht immer. "Das muss man dann ertragen", meint er. Hat es schon erlebt, als kleines Päckchen ans Ufer gekrallt. Weil das Picknick da ins Wasser fiel, reichten sich die Kanuten den Kuchen per Paddelblatt. Fouquet hat dazu noch eine Anekdote parat - die vom weggeschwommenen Kuchen im Wattenmeer.

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