Lilienthal Von der Wümme...

Die Firma Nabertherm gilt als einer der international führenden Hersteller von Industrieöfen. Das Kürzel NTH steht für Naber, Thien und Heyenga. Das Unternehmen in Sichtweite der Fabrikhallen an der Bahnhofstraße hat sich auf Schiffsbeteiligungen spezialisiert und in der Spitze 18 Frachter in Fahrt gehabt. Auf die weltweite Krise in der Seeschifffahrt hat die Firma reagiert. Die großen Schiffe sind mit Ausnahme eines Frachters verkauft oder verschrottet, Die NTH GmbH und Co KG investiert in Binnenschiffe.
21.10.2013, 00:00
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Von Klaus Göckeritz

Die Firma Nabertherm gilt als einer der international führenden Hersteller von Industrieöfen. Das Kürzel NTH steht für Naber, Thien und Heyenga. Das Unternehmen in Sichtweite der Fabrikhallen an der Bahnhofstraße hat sich auf Schiffsbeteiligungen spezialisiert und in der Spitze 18 Frachter in Fahrt gehabt. Auf die weltweite Krise in der Seeschifffahrt hat die Firma reagiert. Die großen Schiffe sind mit Ausnahme eines Frachters verkauft oder verschrottet, Die NTH GmbH und Co KG investiert in Binnenschiffe.

Manfred Fluß blickt in seinem Büro an der Bahnhofstraße auf eine Weltkarte. Zu Zeiten des Schifffahrtsbooms hat er die Standorte der Schiffe der Naber-Flotte mit bunten Stecknadeln markiert. Die Bananendampfer fuhren auf der Route von Mittelamerika nach Europa. Andere Kühlschiffe waren im Südatlantik unterwegs und nahmen tausende von Tonnen Fisch von den Falklandinseln auf, um sie nach Japan oder Korea zu transportieren. An andere Reedereien vercharterte Containerfrachter waren zwischen der Karibik, Bilbao und Bremerhaven unterwegs oder fuhren Häfen in Westafrika an. Zur Flotte gehörten auch Frachter mit eigenem Ladegeschirr, die ihre Ladung in abgelegenen Häfen auf die Kajen setzen konnten. Zu Spitzenzeiten waren 18 Schiffe im Einsatz und haben den Kommanditisten gutes Geld eingefahren.

„Das Geschäft war mit der Schifffahrtskrise vorbei, zu Zeiten der Lehmanpleite war es am schlimmsten“, sagt NTH-Geschäftsführer Manfred Fluß. Die Frachtraten verfielen, Kühlcontainer verdrängten Bananendampfer, und gleichzeitig kamen viele vor der Bankpleite in Auftrag gegebene Neubauten auf den Markt. „Wir mussten reagieren und haben uns bis auf eine Ausnahme von der Seeschifffahrt verabschiedet“, so der Geschäftsführer. Die alte Flotte wurde verkauft oder außer Dienst genommen und in Indien verschrottet.

Jetzt steigt die Lilienthaler Firma in die Binnenschifffahrt ein. Das Projekt trägt den Namen TMS Erasmus und steht für einen neuen Kurs. Der Rumpf des Tankmotorschiffs wird derzeit auf einer Werft in Rumänien gebaut. Im November wird der Kasko auf einer niederländischen Werft ausgebaut und später als Spezialtanker auf dem Rhein verkehren. Eingesetzt wird er von der Reederei Deymann aus Haren, die wiederum einen festen Kontrakt mit dem holländischen Befrachter Interstream abgeschlossen hat. Der 3000-Tonnen Doppelhüllentanker TMS Erasmus wird in seinen acht Tanks vor allem Säuren aus den Chemiefabriken Bayer oder BASF nach Rotterdam transportieren. Ausgelastet ist das rund sieben Millionen Euro teure Schiff schon jetzt. „Wir haben einen Vertrag über zehn Jahre und damit sichere Einnahmen“, berichtet der Geschäftsführer. Mit dem Bau stößt NTH gleichzeitig in eine Nische. Das neue Schiff wird komplett aus Edelstahl gefertigt und ist damit für sensible Ladung wie Säuren geeignet. Mit der doppelten Hülle erfüllt die Erasmus schon jetzt die Vorgaben des Gesetzgebers, der Doppelhüllen aus Sicherheits- und Umweltgründen zum Standard machen wird.

Ausbau in Holland

Auf einer rumänischen Werft an der Donau wird derzeit mit Hochdruck an dem Auftrag gearbeitet. „Die Leute haben viel Erfahrung und arbeiten gut, dazu wird die Qualität überwacht“, sagt Fluß. Das Tankschiff wird vom „Schiffs-TÜV“ Germanischer Lloyd zertifiziert. Das Vormaterial, rostfreie Bleche, wurde in einem belgischen Werk gewalzt. Im November wird der Rumpf auf der niederländischen Werft Teamco zum Ausbau erwartet. Das erste Binnenschiff in der Geschichte von NTH erhält eine 1500-PS-Maschine, bevor es auf dem Rhein eingesetzt wird.

Die nächsten Projekte sind angeschoben. In China wird der Rumpf eines ähnlich großen Tankschiffs aus normalem Schiffbaustahl gebaut, dazu soll ein Bunkerschiff zum Einsatz kommen, das wesentlich kleiner und damit kanalgängig ist und Raffinerien in Gelsenkirchen oder Lingen anfahren kann, um Seeschiffe im Rotterdamer Hafen mit Schweröl oder Diesel zu versorgen.

Ob die NTH irgendwann wieder in die Seeschifffahrt einsteigen wird, ist offen. „Der Markt wird auch in den kommenden Jahren nicht viel hergeben, dazu geht der Trend zu immer größeren Einheiten, wie man am Beispiel der Maersk-Reederei sieht“, so Manfred Fluß. So ist ungewiss, ob der letzte verbliebene Frachter der ehemals stattlichen Flotte noch Zuwachs bekommt. Der 135 Meter lange „Ems Moon“ ist an einen schwedischen Reeder gut verchartert und verkehrt auf der Verbindung von Schweden und Finnland nach England zum Transport von Holz. Weil das Schiff eistauglich ist, kann es auch im Winter auf der zugefrorenen Ostsee fahren, erzählt der Geschäftsführer.

Die NTH GmbH und Co KG werde sich auf das Binnenschiffgeschäft konzentrieren, kündigt Manfred Fluß an, der im Übrigen froh sei, dass die Lilienthaler Firma vergleichsweise unbeschadet aus der Krise gekommen sei. Der ehemalige Bremer Finanzsenator wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Er will noch „zwei bis drei Jahre“ an der Neuausrichtung mitarbeiten, bevor er sich aus der Lilienthaler Firma zurückzieht.

Die NTH GmbH und Co KG mit Sitz in der Bahnhofstraße wurde 1979 gegründet. Geschäftsführer sind auch Conrad Naber (Bremen), Martin Naber (Hamburg) und Peter Ballreich (Sottrum).

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