Horst Schröter hält morgen bei der AVL Vortrag über Horizontastronomie Von Goseck bis Stonehenge

Lilienthal. Die erste größere Investition in das Hobby war herausgeworfenes Geld. Davon ließ Horst Schröter sich aber nicht abschrecken - auch wenn er zwei Jahrzehnte lang nicht mehr allzu oft den Himmel beobachtete, blieb er von der Astronomie fasziniert. Inzwischen ist er aktives Mitglied der Astronomischen Vereinigung Lilienthal (AVL), für die er auch Vorträge hält - am Freitag über sein Spezialgebiet, die Horizontastronomie.
17.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von johannes kessels

Lilienthal. Die erste größere Investition in das Hobby war herausgeworfenes Geld. Davon ließ Horst Schröter sich aber nicht abschrecken - auch wenn er zwei Jahrzehnte lang nicht mehr allzu oft den Himmel beobachtete, blieb er von der Astronomie fasziniert. Inzwischen ist er aktives Mitglied der Astronomischen Vereinigung Lilienthal (AVL), für die er auch Vorträge hält - am Freitag über sein Spezialgebiet, die Horizontastronomie.

Wäre nicht ein Büchereimitarbeiter besonders pfiffig gewesen, wer weiß, ob Horst Schröter je die Astronomie für sich entdeckt hätte. Er war acht Jahre alt, als er in der Leihbücherei in Bremen-Woltmershausen erstmals Perry-Rhodan-Romane zu Gesicht bekam. "Die standen so schön genau auf Augenhöhe", erinnert er sich noch 45 Jahre später. Und natürlich war es spannend, zusammen mit Perry Rhodan in einem Raumschiff zur Vega zu fliegen; dass dieser Stern 27 Lichtjahre entfernt ist, darüber macht man sich mit acht Jahren noch nicht viel Gedanken - normalerweise jedenfalls. Horst Schröter wollte aber schon recht bald wissen, was an den Geschichten wirklich dran ist. Internet gab es 1966 noch nicht, aber Bücher und vor allem die Olbers-Gesellschaft. Dort kreuzte er bereits als Neunjähriger im Planetarium auf, hörte Vorträge und versuchte, das dort Kennengelernte später selbst am Himmel zu finden. Im Planetarium nahm man den kleinen Pöks durchaus ernst. "Da darf jeder fragen, was

er will, das ist so schön klein und familiär", meint Schröter.

Mit 14 Jahren trat er der Olbers-Gesellschaft bei, im selben Jahr bestellte er sich für sein Konfirmationsgeld ein Teleskop bei einem bekannten Versandhaus. Dessen biegsame Wellen bestanden aus Plastik und brachen prompt beim ersten Einsatz im Frost - 250 Mark zum Fenster herausgeworfen. "Danach hatte ich von beobachtender Astronomie erstmal genug", erzählt Horst Schröter. Und als er sein Studium der Elektrotechnik aufgenommen hatte, fehlte es ihm auch an Zeit und Geld. Aber 1990 zur großen Sonnenfinsternis kaufte er sich wieder ein Reiseteleskop und fuhr mit seiner Frau Mechthild nach Bayern, um die Sonnenfinsternis zu beobachten. "Das war mehr eine Wolkenfinsternis", sagt er, aber trotz bedeckten Himmels war noch genug zu sehen, wenn auch mehr auf der Erde. "Das ganze Viehzeug ist durchgedreht", so Schröter, die Kellerasseln seien in ganzen Kohorten in ihre Nester gestürmt.

Begriff klingt paradox

Was wohl die Menschen in grauer Vorzeit von einer Sonnenfinsternis dachten? Hier kommt die Horizontastronomie ins Spiel. Dass der Begriff etwas paradox klingt, gibt auch Horst Schröter zu - eigentlich hat der Horizont ja nichts mit Sternen zu tun. Wenn man aber kaum genügende Messgeräte besitze, sei es sehr praktisch, Peilmarken zu haben, beispielsweise zwei hintereinanderliegende Steinblöcke, über die hinweg man Richtung Horizont peilen kann. Das diente den Steinzeitmenschen nicht zur Navigation auf See, wie man vermuten könnte, sondern der Festlegung von Tag- und Nachtgleiche und Sonnenwende, was besonders wichtig ist, um den geeigneten Moment für die Aussaat zu ermitteln.

Aber auch Handel fand damals schon statt. Die Sternscheibe von Nebra, entstanden um das Jahr 1600 vor Christus und damit am Übergang zur Bronzezeit, besteht aus Metall aus dem Voralpenland und aus Mitteldeutschland, aber Teile des Goldes stammen aus Irland.

"Schon vor 7000 Jahren gab es ein vereintes Europa", erklärt Horst Schröter. Und wenn man sich mit einem Händler für den 17. Tag des zweiten Monats des Jahres verabredete, musste man festlegen können, wann das Jahr beginnt. Wozu allerdings die Sternscheibe genau dient, ist noch immer nicht bekannt. Es sollten wohl Mond- und Sonnenjahr symbolisiert werden, meint Horst Schröter, und schon damals hatten die Menschen gemerkt, dass das Jahr mehr als 360 Tage hat, weshalb dann auch alle vier Jahre ein Schaltmonat eingelegt wurde.

Andere astronomische Anlagen, die Horst Schröter in seinem Vortrag vorstellen wird, dienten wahrscheinlich auch kultischen Zwecken. In der Ringwallanlage von Goseck zwischen Naumburg und Halle geht die Sonne zur Wintersonnenwende für jemand, der genau in der Mitte steht, genau in der Südost-Öffnung auf. Damit ließen sich für Priester oder Druiden vor 5000 Jahren natürlich große Effekte erzielen. Auch die Anlagen von Newgrange bei Dublin und von Stonehenge in Südengland zeigen Winter- und Sommersonnenwende, und wenn man den Sonnenverlauf beobachtete, konnte man Sonnenfinsternisse voraussagen, was manchmal dem Machterhalt der gebildeten Kaste sehr dienlich war. "Du hast gefrevelt, morgen wird die Sonne sich verdunkeln", so ungefähr mochte es wohl damals geheißen haben, vermutet Horst Schröter.

Der Vortrag findet statt am Freitag, 18. März, um 19.30 Uhr im AVL-Vereinsheim, Wührden 17. Wenn die Sicht klar ist, kann später noch auf der Sternwarte der Himmel beobachtet werden. Horst Schröter rät deshalb zu warmer Kleidung.

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