Spannender Rundgang in der „Zeitspeicher“-Ausstellung der Großen Kunstschau Worpswede

Von Mackensen bis Meese – Schätze aus dem Depot

Spot an für Kunstwerke, die zum Teil lange im Dunkel des Depots lagerten: Von den inzwischen rund 4000 Exponaten im Sammelbestand der Kulturstiftung des Landkreises Osterholz werden jetzt etliche im Zuge der „Zeitspeicher“-Ausstellung in der Großen Kunstschau Worpswede gezeigt. „Von Mackensen bis Meese“ lautet der Titel der Präsentation.
25.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gudrun Scabell
Von Mackensen bis Meese – Schätze aus dem Depot

Zu den Schätzen der Sammlung gehört auch ein großformatiges Bild von Horst Antes, das in der Oberlichthalle zu sehen ist. Daneben hängt eine kleinformatiges Blatt des dänischen Künstlers Tal R.

Gudrun Scabell

Spot an für Kunstwerke, die zum Teil lange im Dunkel des Depots lagerten: Von den inzwischen rund 4000 Exponaten im Sammelbestand der Kulturstiftung des Landkreises Osterholz werden jetzt etliche im Zuge der „Zeitspeicher“-Ausstellung in der Großen Kunstschau Worpswede gezeigt. „Von Mackensen bis Meese“ lautet der Titel der Präsentation.

Fritz Mackensen, quasi der Hausherr der Großen Kunstschau, ist an der Stirnseite der Oberlichthalle mit der „Trauernden Familie“, flankiert von Bauernkindern seiner Schülerin Paula Modersohn-Becker, allgegenwärtig. Jonathan Meese, den Performancekünstler und Kunst-Provokateur, sucht man erst einmal vergeblich. Aber der Titel der Ausstellung lautet ja auch „Von Mackensen bis Meese“ und nicht „Mackensen und Meese“. Insofern kann sich der Besucher dieser umfangreichen Präsentation von zumeist grafischen Blättern aus dem Fundus der Kulturstiftung des Landkreises Osterholz erst einmal von Raum zu Raum treiben lassen.

Irgendwann steht er dann vor den Arbeiten Jonathan Meeses und seinem künstlerischen Zugang zum Ur-Mythos der Deutschen – der Nibelungen-Saga. Doch das ist auch noch nicht das Ende der Ausstellung. Nach Meese geht es weiter.

Geschäftsführerin Karen Hammer hat das Depot gründlich durchforstet und einige Schätze gehoben. Sie kann inzwischen auf etwa 4000 Arbeiten zurückgreifen, die den Depot- und Sammlungsbestand ausmachen. Etwa 2000 Exponate davon sind in den vergangenen zehn Jahren durch Schenkungen privater Sammler hinzu gekommen, vor allem Grafiken, aber auch Gemälde. Ein Teil davon ist zu dieser Ausstellung zusammengefügt worden, die mit der sogenannten Petersburger Hängung präsentiert wird. Was bedeutet, dass man zeigt, was man hat. Und man hat.

Alte Worpsweder als Themengeber

Manchmal sind alte Worpsweder Künstler als thematischer Ausgangspunkt gewählt worden, um die herum gehängt wurde. So zum Beispiel in einer Ecke der großen Oberlichthalle, wo sich um eine kleinformatige Landschaft in Öl von Hans am Ende Werke unterschiedlichster Künstler in unterschiedlichsten Drucktechniken zu diesem Thema gruppieren – vom naturalistischen Abbild bis hin zum abstrakten Landschaftsausschnitt. Immer wieder begegnen dem Besucher neben bundesweit und international bekannten Künstlern die Worpsweder. Da hängt neben einem überdimensionierten Bild von Jörg Immendorf in direkter Nachbarschaft ein kleiner Druck von Heini Linkshänder. In einer Reihe mit Horst Antes findet man Heinrich Vogeler und Heinrich Schott.

Der Besucher kann Arbeiten entdecken, die lange nicht gezeigt wurden. So beispielsweise die berühmt bizarren Landschaften des Mitte der 90er-Jahre verstorbenen Hans Georg Rauch, eine Elblandschaft von Willy Dammasch in Öl oder ein herrlich farbabstrakter, großformatiger Willy Meyer-Osburg. Beim weiteren Rundgang schieben sich dann Namen wie Joseph Beuys, Jan Ulrik Friis, Norbert Schwontkowski, Max Bill, Margaret Kelley, Wols oder Isa Dahl ganz von selbst ein. Letztere ist nun auch mit einem ihrer Rundbilder in der Sammlung der Kulturstiftung vertreten. Denn ihre vor Kurzem zu Ende gegangene Ausstellung in eben diesen Räumen war so erfolgreich, dass sich die Stuttgarter Künstlerin spontan von einem ihrer Werke trennte und es der Großen Kunstschau zum Geschenk machte.

Dann steht der Besucher unvermittelt vor den großen Radierungen und Farbholzschnitten Jonathan Meeses zum Thema der „Nibelungen“. In diesem von ihm bevorzugten Themenfeld finden Bildtechnik und Bildsprache, in der das Eiserne Kreuz nicht fehlen darf, ihre Entsprechung. Diesen martialisch anmutenden Blättern stehen die subtilen Fantasiebildwelten in den Radierungen und Zeichnungen des Worpsweders Pit Morell gegenüber, der vor kurzem seinen 75. Geburtstag feierte. In Richtung Ausgang sollte der Besucher die zwei Lithografien von Jobst von Harsdorf nicht übersehen – zwei kleine Reminiszenzen für jeden, der schon einmal in Venedig war.

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