Entwurf für den 'Heimelberg' abgelehnt

Votum gegen Windkraft-Gebiet

Osterholz-Scharmbeck. Die Vertreter der Bürgerinitiative 'Heimelberg' waren zufrieden, als sie das Rathaus verließen. Kurz zuvor hatten sich die Politiker im Planungs- und Umweltausschuss darauf verständigt, dass sie in dem Gebiet zwischen Freißenbüttel und Hülseberg keine Windkraftanlagen haben möchten.
15.04.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lutz Rode
Votum gegen Windkraft-Gebiet

Nach einer Fotomontage der Bürgerinitiative „Heimelberg“ könnte es so aussehen, wenn in dem Gebiet zwischen

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Osterholz-Scharmbeck. Die Vertreter der Bürgerinitiative 'Heimelberg' schauten am Dienstag zufrieden drein, als sie den Sitzungssaal des Rathauses verließen. Kurz zuvor hatten sich die Politiker im Planungs- und Umweltausschuss darauf verständigt, dass sie in dem Gebiet zwischen Freißenbüttel und Hülseberg keine Windkraftanlagen haben möchten. Der Landkreis soll aufgefordert werden, den 'Heimelberg' als Vorranggebiet für die Windernergienutzung aus seinem Entwurf für das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) zu streichen. Genau so hatten sich das die Bürger vorgestellt.

Bevor der Ausschuss über diesen Tagesordnungspunkt beriet, verschafften sich die Politiker bei einer Ortsbesichtigung einen Eindruck von dem Gebiet. Mitglieder der Bürgerinitiative stießen dazu und überreichten den Ausschussmitgliedern unter anderem eine Fotomontage, auf der deutlich werden soll, wie sich das Landschaftsbild verändert, wenn am 'Heimelberg' die Windräder in den Himmel ragen.

Hinter den Kulissen sind die Fäden längst gezogen: Nach Angaben von Stadtplaner Ulrich Schmidt hat sich ein Bremer Windenergieunternehmen die Grundstücke im geplanten Vorranggebiet bereits zu 90 Prozent gesichert. Vorgesehen sind dort sieben Anlagen mit einer Höhe von jeweils 180 Metern.

Der Bau solcher Anlagen würde für den Landkreis Osterholz eine neue Ära einläuten, denn bisher gibt es dort keine Windräder dieser Größenordnung. Während der Debatte im Rathaus wurde schnell klar, dass den Politikern der Vorschlag der Verwaltung für die Stellungnahme zum Regionalen Raumordnungsprogramm in diesem Punkt zu weich formuliert ist. Die Kreisverwaltung war darin darauf hingewiesen worden, dass in Osterholz-Scharmbeck Landschaftsschutzgebiete als mögliche Standorte für Windräder tabu sind. Wenn man diesen Grundsatz über Bord werfe, müsse der Flächennutzungsplan zu gegebener Zeit an die Pläne des Landkreises angepasst werden.

SPD-Fraktionsvorsitzender Karl Schönemeier hatte dafür plädiert, dem Landkreis auf pädagogisch wertvolle Art näher zu bringen, seine Pläne im Hinblick auf Vorranggebiete im Landschaftsschutzgebiet doch bitte noch einmal zu überprüfen. 'Wir haben den Eindruck, dass sich der Landkreis in Widersprüche verwickelt', sagte Schönemeier. Zum einen räume der Landkreis dem Landschaftsschutz eine hohe Priorität ein und betone den Wert für die Naherholung und den Tourismus, zum anderen wolle er den Weg frei machen für Windräder in diesen wertvollen Gebieten.

Statt der freundlichen Bitte, die Pläne doch noch einmal zu überdenken, gibt es nun eine klare und letztlich einstimmig verabschiedete Ansage an den Landkreis. Die Vorlage dazu lieferte die CDU-Fraktion, deren Haltung in dem Satz mündete: 'Deshalb ist die Vorrangfläche für Windenergie Hülseberg/Freißenbüttel aus dem RROP zu streichen.' Zuvor hatten die Christdemokraten unter anderem ausgeführt, dass das Landschaftsschutzgebiet Geestland am Heimelberg zu den fünf wertvollsten, unbelasteten und siedlungsnahen Naturräumen im Landkreis gehört. Das Gebiet befinde sich quasi auf einem Höhenrücken. 'Die Sichtbeziehung ist dadurch weit größer als bisher angenommen.' Das Vorhaben stelle einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild dar, heißt es weiter.

Wilfried Pallasch (Bürgerfraktion) plädierte dafür, die klare Linie der Stadt beizubehalten: Auch für den ,Heimelberg' gelte der Grundsatz 'Landschaftsschutz vor Windkraft'. Herbert Behrens (Die Linke) lehnte das Vorrangebiet Heimelberg ebenfalls ab. Er warnte allerdings davor, die Kritik so grundsätzlich anzugehen, dass man handlungsunfähig werde bei den Plänen zum Ausbau der regenerativen Energien im Landkreis. 'Windanlagen sind überall zu sehen, die Sichtbeeinträchtigungen wird es immer geben', sagte er. Am 'Heimelberg' gebe es das Probleme, weil Windkraftanlagen in ein Landschaftsschutzgebiet gebaut werden sollen.

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