Karin Steinecke hält am Donnerstag bei der AVL Vortrag über Lava speiende Berge Vulkane sind auch nützlich

Lilienthal. Der Ärger war groß, als vor fast genau einem Jahr auf Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und seine Aschewolke über Wochen hinweg den Flugverkehr in Europa zum Erliegen brachte. Aber Vulkanismus hat auch seine guten Seiten. Das will Karin Steinecke in einem Referat bei der Astronomischen Vereinigung Lilienthal (AVL) zeigen.
02.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von johannes kessels

Lilienthal. Der Ärger war groß, als vor fast genau einem Jahr auf Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und seine Aschewolke über Wochen hinweg den Flugverkehr in Europa zum Erliegen brachte. Aber Vulkanismus hat auch seine guten Seiten. Das will Karin Steinecke in einem Referat bei der Astronomischen Vereinigung Lilienthal (AVL) zeigen.

Mit Island kennt Karin Steinecke sich aus. 1995 hat sie, nach ihren Diplomen in Biologie und Geografie, im Fach Landschaftsökologie promoviert, und zwar über die Stadtökologie von Reykjavík. Zuvor war sie bereits zweimal in Island gewesen und hat das karge Land und seine Bewohner liebgewonnen. Seine Hauptstadt deren Name "rauchende Bucht" bedeutet, hat mehr Umweltprobleme, als man glauben sollte, sagt sie: Zwar werde mit Erdwärme geheizt, aber der Kraftfahrzeugverkehr und vor allem die Aluminiumschmelzen sowie die Düngemittelindustrie belasten die Luft. Zwei Jahre hat sie in Island gelebt und kann seitdem auch den Namen Eyjafjallajökull unfallfrei mehrmals hintereinander aussprechen, sogar mit dem leichten d-Anlaut vor den beiden Doppel-l. "Insel-Berg-Gletscher" bedeutet der Name ins Deutsche übersetzt. Für ihre Habilitation in physischer Geografie zog es sie aber nach Nordwest-Kanada, wo sie Umweltschäden durch Bergbau untersuchte. Jetzt arbeitet sie als Privatdozentin an der

Bremer Uni und als Erdkunde-Lehrerin am Lilienthaler Gymnasium.

In Island dagegen wird nicht nur Geografie unterrichtet, dort ist auch Geologie ein Pflichtfach an den Schulen. "Vulkane muss man in Island immer im Hinterkopf behalten", sagt Karin Steinecke und zeigt ein isländisches Telefonbuch. Das sei wohl das einzige auf der ganzen Welt, das auf den vorderen Seiten Verhaltensmaßregeln bei Erdbeben und Vulkanausbrüchen gibt.

"Als der Eyjafjallajökull ausgebrochen ist, waren die Leute sehr erstaunt, dass es auch uns in ganz Europa betraf", erinnert Steinecke sich - und nicht nur Europa: Sogar die Schnittblumenproduktion in Kenia kam völlig zum Erliegen, weil die Blumen nicht mehr per Flugzeug exportiert werden konnten.

Vulkanische Bomben

Zuerst schien es gar nicht so dramatisch. Am 20. März 2010 gab es einen "effusiven" Ausbruch. "Effusiv" heißt es, wenn Lava ausströmt, so wie auch beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr., der Pompeji verschüttete. "Danach kann aber eine Giftwolke aus Asche, Gestein und heißen Gasen kommen", erklärt Karin Steinecke - die wurde auch den Pompejanern, die sich aus der Stadt an den Strand gerettet hatten, am Tag nach dem Vulkanausbruch zum Verhängnis.

Am 14. April vorigen Jahres folgte der explosive Ausbruch des Eyjafjallajökull. Dabei wird nicht nur Lava in Schlackenform ausgestoßen, sondern es werden auch Lavateile hochgeschleudert, die im Fallen abkühlen und dadurch Tropfenform annehmen. "Vulkanische Bombe" nennen die Fachleute solche Gebilde, und das, das Karin Steinecke mitgebracht hat, sieht mit seiner klingenförmigen Vorderseite wirklich so aus, dass man es nicht gern auf den Kopf bekommt. Freundlichere Anblicke sind die tiefschwarzen Obsidiane, die bei schneller Erstarrung entstehen und wie Glas glänzen, sowie die Bimssteine, die aus besonders gasreicher Lava bestehen und sich sogar zur Hautpflege verwenden lassen.

Aber Vulkanismus hat noch anderen Nutzen. Vulkane können wie Ventile wirken für die Spannungen, die sich bei tektonischen Verschiebungen bilden, wodurch Erdbeben gemildert werden, und die Lava wirkt als Dünger. Das ist auch einer der Gründe, dass immer noch Menschen in der Nähe von Vulkanen siedeln. Auch die Berge der Vulkaneifel sind noch nicht ganz erloschen, doch Karin Steinecke hält es für höchst unwahrscheinlich, dass sie noch einmal ausbrechen. Aber dort gibt es "Maare", mit Wasser gefüllte Vulkankrater, und die sind erst 12000 Jahre alt. "Das muss damals den Steinzeitmenschen gehörig um die Ohren gerumst sein", meint Steinecke.

Zur Energiegewinnung taugen die fast inaktiven deutschen Vulkane nicht, aber Erdwärme kann man auch in Deutschland nutzen. Dazu müssen einige hundert Meter tief Rohre in die Erde gebohrt werden, an deren oberen Enden Heizkörper angeschlossen werden.

"Vulkanismus macht Landschaft", ist eines der Fazite von Karin Steinecke. Auf der Erde geht es aber nicht so extrem zu wie bei einigen außerirdischen Vulkanen, von denen - man befindet sich schließlich bei der AVL - in dem Referat auch die Rede sein wird. Io, ein Mond des Jupiters, hat eine äußerst starke Vulkantätigkeit. "Der verändert alle paar Wochen seine Form, so stark sind die Verwerfungen auf der Oberfläche", sagt Karin Steinecke.

Der Vortrag findet am Donnerstag, 5. Mai, um 19.30 Uhr im Vereinsheim der AVL in Wührden 17 (über dem Kindergarten Wiesenbuttjer) statt.

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