Kommentar zur Tarmstedter Ausstellung

Wahrheit und Wandel

Bei der Tarmstedter Ausstellung feiert sich die Branche selbst. Aber auch die Probleme und der Veränderungsdruck werden dort behandelt. Das muss auch so sein, kommentiert André Fesser.
14.07.2019, 21:12
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Wahrheit und Wandel
Von André Fesser
Wahrheit und Wandel

Fachgespräch: Wie geht es weiter mit der Landwirtschaft?

Christian Kosak

Einkaufsmarkt, Rummelplatz, ­Partystandort – die Organisatoren der Tarmstedter Ausstellung, die bis Montagabend in den Ort lockt, haben der Messe ein Konzept verpasst, das nicht nur Angebote für interessierte Bauern vorhält, sondern auch ganz andere Gruppen bedient. Im Kern aber, und das dient ihrer Glaubwürdigkeit, ist die Messe ihrer DNA treu geblieben: Es geht um Tiere und Traktoren. Und um Richtungswechsel in der Landwirtschaft.

Mitunter stehen dann Wahrheiten im Raum, die manch einer lieber überhören würde. Der Trend zu Bio-Lebensmitteln zum Beispiel ist für viele Anbieter eine Chance. Er bringt aber auch jene in Erklärungsnot, die weiter auf konventionelle Weise produzieren wollen. Auch die Digitalisierung birgt für Landwirte die Möglichkeit, effizienter zu arbeiten. Wer aber seine Produktionsweise nicht umstellen will, weil Veränderung mit Unwägbarkeiten und Kosten verbunden ist, droht abgehängt zu werden. Der Wandel aber muss her. Nicht allein, weil es gilt, noch schneller und passgenauer zu produzieren. Sondern weil die Natur durch Menschenhand an ihre Belastungsgrenze gebracht wurde.

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Wer solche Botschaften verkündet, wird damit in der Branche kaum beliebter werden. So war Rotenburgs Landrat Hermann Luttmann bemüht, darauf ­hinzuweisen, dass strengere Dünge-­regeln für Bauern einen Kraftakt dar-­stellen. Er nahm die Produzenten aber auch in die Pflicht, den zu hohen Nitratwerten im Boden mit Blick auf den Trinkwasserschutz auch ohne Behördendruck entgegenzuwirken. Und Agrarfunktionär Hubertus Paetow betonte die Belastung für die Branche, mahnte aber an, dass sie das Vertrauen in die Landwirtschaft über gute Bedingungen in den Ställen und auf den Äckern selbst zurückgewinnen muss.

Der Applaus für diese Botschaft fiel eher zurückhaltend aus. Aber auch diese Wahrheiten gehören auf den Tisch. Selbst wenn er auf einem Rummelplatz steht.

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