Bis zu vier ausgewachsene Hunde aus der Region sterben jährlich an den Spätfolgen / Familie Warnke musste ihren Boomer einschläfern lassen

Warnung vor tödlichem Gift im Maisfeld

Osterholz-Scharmbeck. Woher kommt das Gift im Maisfeld? Diese Frage stellt sich nicht nur Familie Warnke, deren Hund Boomer an den Folgen einer Vergiftung gestorben ist. Auch die Polizei, Tierärzte und Landwirte sind ratlos. Sie alle sind sich einig, dass es für einen Bauern keinen Sinn ergibt, auf einem so großen Grundstück Gift auszulegen. Für Spaziergänger mit Hunden, aber auch für Kinder, die auf dem Feld spielen, könnte die bläuliche Substanz zur Gefahr werden. Hier und an anderen Orten.
14.11.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Warnung vor tödlichem Gift im Maisfeld
Von Maren Beneke

Osterholz-Scharmbeck. Woher kommt das Gift im Maisfeld? Diese Frage stellt sich nicht nur Familie Warnke, deren Hund Boomer an den Folgen einer Vergiftung gestorben ist. Auch die Polizei, Tierärzte und Landwirte sind ratlos. Sie alle sind sich einig, dass es für einen Bauern keinen Sinn ergibt, auf einem so großen Grundstück Gift auszulegen. Für Spaziergänger mit Hunden, aber auch für Kinder, die auf dem Feld spielen, könnte die bläuliche Substanz zur Gefahr werden. Hier und an anderen Orten.

'Zu uns kommen drei bis vier Hunde im Jahr, die sich mit Rattengift vergiftet haben', sagt Tierarzt Arend Büttelmann. Bei kleineren Tieren wie Katzen käme das häufiger vor. Das Gift sei meistens in Köderboxen ausgelegt, deren Öffnungen normalerweise zu klein für Hunde seien. Die Wirkung des Gifts setze erfahrungsgemäß erst nach mehreren Tagen ein. In dem Gift sei ein Mittel enthalten, dass die Blutgerinnung außer Kraft setze. 'Wenn die Tiere kein Gegenmittel erhalten, verbluteten sie', sagt der Tierarzt.

In Osterholz-Scharmbeck kam es nun zu einem solchen tödlichen Vergiftungsfall: Wegen seiner schweren inneren Verletzungen musste der Hund Boomer eingeschläfert werden. Seine Besitzerin Andrea Warnke hat sich am Tag, an dem das Tier gestorben ist, auf die Suche nach dem Gift gemacht - und ist schnell fündig geworden. Mitten in dem Maisfeld am Tinzenberg habe sie die Überreste einer Verpackung mit den neonblauen Giftklumpen entdeckt.

Andrea Warnke ist unsicher, ob noch mehr Gift auf dem Feld verteilt sein könnte. Deshalb möchte sie mit ihrer Geschichte andere Spaziergänger warnen. 'Wir wissen, dass uns das Boomer nicht zurückholen kann. Aber wir möchten, dass andere Menschen aufmerksamer sind - schließlich sind in der Gegend nicht nur Hundehalter unterwegs.' Dort spielten auch Kinder.

Als Familie Warnke ihren jungen Labrador-Australian-Sheperd-Mischling im September 2009 bei sich aufgenommen hat, war der Name für den Welpen schnell gefunden: Boomer nannten die Warnkes ihr neues Haustier - nach der gleichnamigen US-amerikanischen Fernsehserie aus den 1980er-Jahren. Der Hauptdarsteller darin: Ein zotteliger Hund, der quer durch die Vereinigten Staaten streunt und auf seiner Reise den unterschiedlichsten Menschen hilft. Dem Boomer aus Osterholz-Scharmbeck wurde sein Freigeist nun zum Verhängnis.

Wirkung setzt oft viel später ein

Wie das Gift - mit großer Wahrscheinlichkeit Rattengift - auf das Maisfeld in der Nähe der Straße 'Auf dem Knorren' kam, ist bis heute ein Rätsel. Wie man auf den Fotos der Warnkes sieht, lagen die blauen Giftklumpen mitten auf dem Feld. Ein Mitarbeiter der Raiffeisen-Warengenossenschaft erklärt, dass Rattengift nicht zwangsläufig blau sein müsse, aber meistens in dieser Farbe erhältlich sei.

'Es hat in der Vergangenheit Fälle gegeben, in denen Tiere die Köderboxen verschleppt haben', sagt Tierarzt Arend Büttelmann. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Landwirt das Rattengift dort bewusst ausgelegt habe. Dieser Meinung schließt sich Reinhard Garbade, der Vorsitzende des Landvolkverbandes, an. 'Auf einer so großen Freifläche ist die Bekämpfung von Ratten nicht möglich', sagt er. Außerdem gingen sehr viele Spaziergänger auf dem angrenzenden Feldweg entlang.

So auch Sven Warnke mit Boomer. Gerade einmal vierzehn Monate alt ist der Hund geworden. Er war ausgewachsen, gerade kastriert und gut ausgebildet. 'Ein richtiger Familienhund', sagt Andrea Warnke. Die Familie hatte verschiedene Strecken, die sie Tag für Tag mit dem Mischling gelaufen ist. Eben auch jene zum Tinzenberg hinunter und dann in Richtung der ehemaligen Ziegenbockstation. 'Da konnte man den Hund auch mal von der Leine lassen', sagt Andrea Warnke.

Zwei Stunden nach dem Spaziergang saß Sven Warnke gemeinsam mit den Kindern auf dem Sofa. 'Normalerweise war Boomer immer dabei', sagt Andrea Warnke. 'Als wir ihn dann gerufen haben, ist er zur Wohnzimmertür getorkelt. Laufen konnte er da schon nicht mehr.' Ihr Mann sei daraufhin sofort mit dem Hund zum Tierarzt gefahren. 'Als er zu uns gekommen ist, war er sehr schwach', sagt Tierarzt Arend Büttelmann. Er betont, dass der Hund das Gift nicht unbedingt an jenem Tag zu sich genommen haben müsse. 'Normalerweise wirkt Rattengift nicht innerhalb weniger Stunden.' Es könne deswegen sein, dass Boomer sich bereits vorher vergiftet habe.

Wettstreit mit der Industrie

Obwohl Boomer mit seinen 40 Kilo im Vergleich mit einer Ratte ein kräftiges Tier war, setzte ihm das Gift zu. 'Da es Ratten gibt, die gegen einige Gifte resistent sind, kommt es zu einem ständigen Wettstreit mit der Industrie', erklärt Büttelmann. Von dem Gift 'Storm' würde beispielsweise schon eine der Tabletten ausreichen, um einen Hund zu töten. Die Vergiftungserscheinungen könnten aber bis zu sechs Wochen später auftreten.

Tierarzt Arend Büttelmann blieb nichts anderes übrig, als Boomer in die Bremer Kleintierklinik zu schicken. Laut der Rechnung des Tierkrankenhauses wurde die Vergiftung dort unter anderem mit Blut-

gerinnungsmitteln und Infusionen bekämpft - ohne Erfolg. Nach einer Nacht in dem Krankenhaus musste Boomer eingeschläfert werden.

Bisher ist auf Nachfrage bei der Polizei nicht bekannt, dass es in den vergangenen Monaten eine Häufung der Anzahl vergifteteter Tiere gegeben habe. 'Wenn es Rattengift war, dann handelt es sich mindestens um eine Ordnungswidrigkeit', sagt Jürgen Menzel, Sprecher der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Landwirte müssten die Nutzung von Gift entweder bei der Landwirtschaftskammer oder dem Ordnungsamt melden.

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