Interview zum Park Planten un Blomen

„Dann steigt der Respekt“

Matthias Olinski, Leiter der Parkverwaltung von Planten un Blomen in Hamburg, erzählt im Interview vom 200. Geburtstag des Parks während der Corona-Pandemie und was ihn so besonders macht.
02.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Dann steigt der Respekt“
Von Jürgen Hinrichs
„Dann steigt der Respekt“

Planten un Blomen ist eine grüne Ruhe-Oase mitten in Hamburg.

Berndt Andresen
Herr Olinski, Planten un Blomen, der große Park mitten in Hamburg, feiert in diesem Jahr 200. Geburtstag. Wegen Corona können Sie nicht viel draus machen, oder?

Matthias Olinski : Ja, die Pandemie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hatten ein Festwochenende geplant, Vorträge und einen Empfang, das musste alles abgesagt werden. Immerhin können wir jetzt aber wieder Führungen anbieten, speziell auch aus Anlass des Geburtstages, und es wird im August eine Ausstellung geben.

Was zeichnet Ihren Park aus? Was macht ihn besonders?

Es ist eine grüne Ruhe-Oase mitten in der belebten Stadt. Der Park ist sehr vielfältig, was ganz wesentlich mit den vier Gartenschauen zu tun hat, die hier seit 1935 stattgefunden haben. Die erste war eine niederdeutsche Veranstaltung, daher der Name Planten un Blomen. Von ihr sind zum Beispiel die Wasserkaskaden unter dem Fernsehturm geblieben. Die Eisbahn stammt von der bislang letzten Gartenschau in unserem Park, das war 1973.

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Sie wollen Erholung bieten, Unterhaltung und Freizeitgestaltung. Gehört Bildung auch dazu?

Unbedingt! Unsere Gärtnerinnen und Gärtner bieten Führungen an, erläutern die Pflanzen, und es gibt auch einen Förderverein, der informative Spaziergänge zur Historie im Park veranstaltet. Die Wissensvermittlung war vor 200 Jahren eines der festgeschriebenen Ziele, als die Wallanlagen, die jahrhundertelang dem militärischen Schutz der Stadt dienten, zu einem Park umgebaut wurden. Die Pläne stammen übrigens von einem Bremer, dem Kunstgärtner Isaak Hermann Altmann, der wenige Jahre vorher auch die Bremer Wallanlagen entworfen hatte.

Seit vier Jahren Leiter der Parkverwaltung von Planten un Blomen: Gartenbauingenieur Matthias Olinski

Seit vier Jahren Leiter der Parkverwaltung von Planten un Blomen: Gartenbauingenieur Matthias Olinski

Foto: Jürgen Hinrichs
Was in Planten und Blomen auffällt, ist die friedliche und gelassene Atmosphäre. Es liegt auch kaum Müll herum. Woran liegt das?

Zunächst muss man wissen, dass unser Park im Gegensatz zum Beispiel zu den Bremer Wallanlagen eingezäunt ist und nachts verschlossen wird. Außerdem gibt es einen Wachdienst, der rund um die Uhr im Einsatz ist. Was den Müll angeht: Die Menge hat wie überall zugenommen, was nach meinem Eindruck vor allem an den To-Go-Verpackungen liegt. Wir haben auf unserer 47 Hektar großen Fläche mittlerweile 350 Mülleimer, die nahezu täglich, auch an den Wochenenden, geleert werden.

Das sollte in der Tat reichen.

Ja, insgesamt sind wir jetzt zufrieden, es kommen von den Besucherinnen und Besuchern kaum noch Beschwerden. Das hat sicherlich auch mit dem Ambiente zu tun. Je höherwertiger eine Anlage ist, desto eher steigen der Respekt und die soziale Kontrolle. Ein Problem sind allerdings nach wie vor die Krähen, die den Müll aus den Eimern holen. Und wenn während der Sommermonate vor manchmal Tausenden Zuschauern jeden Abend die Wasserlichtspiele stattfinden, bleibt natürlich mehr liegen als sonst. Das hat sich wegen Corona aber vorerst erledigt.

Das Interview führte Jürgen Hinrichs.

Info

Zur Person

Matthias Olinski (51) ist seit vier Jahren Leiter der Parkverwaltung von Planten un Blomen. Der Gartenbauingenieur hatte zuvor für verschiedene Landesgartenschauen gearbeitet.

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