Ilse Walter sieht nach Entscheidung der Landeskirche beide Seiten gefordert / Rühlemann: Geduld nötig 'Weg von der eigenen Selbstgerechtigkeit'

Worpswede. Das Schreiben, das Superintendentin Jutta Rühlemann am Freitag erreicht hat, ist umfangreich. 15 Seiten umfasst die Verfügung der Landeskirche mit Begründung nach Recherchen der Redaktion. Rühlemann bestätigt den Eingang der Unterlagen. Sie seien 'mit Datum vom 22. Oktober auf dem Dienstweg eingegangen' und würden dem Kirchenvorstand unverzüglich auf dem Dienstweg zugestellt.
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Von Michael Wilke

Worpswede. Das Schreiben, das Superintendentin Jutta Rühlemann am Freitag erreicht hat, ist umfangreich. 15 Seiten umfasst die Verfügung der Landeskirche mit Begründung nach Recherchen der Redaktion. Rühlemann bestätigt den Eingang der Unterlagen. Sie seien 'mit Datum vom 22. Oktober auf dem Dienstweg eingegangen' und würden dem Kirchenvorstand unverzüglich auf dem Dienstweg zugestellt.

Es sei nicht ihre Aufgabe, die Entscheidung des Landeskirchenamts zu kommentieren, betont die Superintendentin. Das gebiete das Kirchenrecht und der Respekt vor den Gremien im Kirchenkreis. Kirchenkreistag, Kirchenkreisvorstand und Konvent hätten ein Recht darauf, das Schreiben unverzüglich zu erhalten.

In seiner umfangreichen Verfügung gehe das Landeskirchenamt differenziert und sachlich auf die Kritik an der Arbeit des Worpsweder Kirchenvorstands ein. Die Ausführungen der Landeskirche sollten die Grundlage einer 'vorurteilsfreien und sorgfältigen Prüfung durch den Kirchenvorstand sein - auch im Hinblick auf die Schlussfolgerungen', betont Rühlemann. Vor diesem Hintergrund seien die von Kirchenvorstandsmitgliedern erhobenen Forderungen kritisch zu hinterfragen. Wie berichtet, fühlen sich der frühere Vorsitzende Ulf Franzke und der stellvertretende Vorsitzende Jann Lüning in ihrer Auffassung bestätigt, nichts Unrechtes getan zu haben. Sie fordern die volle Rehabilitation des Kirchenvorstands und persönliche Konsequenzen von ihren Kritikern.

Der Kirchenkreis unterstütze alle, die bereit seien, die Kirchengemeinde 'in eine sachbezogene und konstruktive Zukunft zu führen', erklärt Rühlemann. Nach den Vorgängen der vergangenen Monate und Jahre erfordere das viel Geduld, die alle Gremien aufbringen müssten.

'Da müsste jede Seite weg von der eigenen Selbstgerechtigkeit und selbstkritisch überlegen, wie man sich versöhnen könnte', sagt Ilse Walter, Vorsitzende des Freundeskreises der Scheune. Im Januar hat sie ihr Amt im Kirchenvorstand nach langen Jahren niedergelegt, weil sie dessen Kurs im Streit über Jugendarbeit und Mitarbeiterführung nicht mehr mittragen konnte und keine Chance sah, andere zum Umdenken zu bewegen. Seit dem Beginn des Konflikts hätten die anderen Vorstandsmitglieder keinerlei Selbstzweifel an ihren Entscheidungen gezeigt.

Auch heute sieht Ilse Walter keine Alternative zur Versöhnung. 'Am Ende gibt es keinen Sieger', betont die 68-Jährige. 'Ich habe immer gesagt: Wir müssen an den Tag nach der Entscheidung denken, wie immer sie ausfällt.'

Christine Roloff, die sich in der Kinderarbeit der Kirchengemeinde engagiert, ist enttäuscht über die Entscheidung der Landeskirche, den Vorstand nicht aufzulösen. 'Ich bin aber gesprächsbereit, wenn man auf uns zukommt' sagt die Mutter. Das erwartet sie vom Kirchenvorstand. Der sei bisher nicht bereit gewesen, eigene Fehler einzugestehen. Schwer enttäuscht ist Christine Roloff von der Landeskirche. 'Man hat uns immer um Geduld gebeten', sagt sie. 'Und wir hatten ganz viel Geduld.' Die Landesregierung habe die Bitten um Unterstützung mit Standardbriefen beantwortet. 'Manchmal fühlt man sich von der Kirche im Stich gelassen', klagt Roloff. 'Die Menschen hinter den Briefen haben die Landeskirche nicht wirklich interessiert.'

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