Broschüre der Gemeinde Stuhr Wegweiser durch die Schwangerschaft

Die Gemeinde Stuhr hat einen neuen Wegweiser für Schwangere herausgegeben. Darin findet sich alles Wissenswerte rund um die Geburt - in einfacher Sprache.
16.03.2021, 17:40
Lesedauer: 5 Min
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Wegweiser durch die Schwangerschaft
Von Eike Wienbarg

Wie können Schwangere mit und ohne Flucht-Hintergrund möglichst gut auf die Geburt ihres Kindes vorbereitet werden? Diese Frage steht seit einigen Jahren im Zentrum der Überlegungen der Stuhrer Gleichstellungsbeauftragten Nicole Feldmann-Paske und der Interkulturellen Koordinatorin der Gemeinde Fathma Atenhahn. Vor drei Jahren begann die Arbeit an dem Thema mit einem interkulturellen Geburtsvorbereitungskurs. Nun mündete die Beschäftigung mit der Frage in der Erstellung einer Broschüre, die Frauen den Weg vom Beginn der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zu den ersten Lebensmonaten ihres Kindes erleichtern soll.

Den Anfang nahm die Bearbeitung des Themas im Februar 2018. Damals nahmen elf Frauen an dem interkulturellen Geburtsvorbereitungskurs im Brinkumer Treffpunkt Sie(h) da teil. Gedacht war er vor allem für Frauen, die noch nicht so lange in Deutschland leben, erläutert Nicole Feldmann-Paske. Gemeinsam mit Hebammen, anderen Referentinnen und ehrenamtlichen Helfern unter anderem vom Stuhrer Flüchtlingsnetz wurde der dreitägige Kurs organisiert - inklusive Kinderbetreuung und Dolmetschern für die benötigten Sprachen. Denn neben Frauen aus Deutschland nahmen auch Schwangere aus Eritrea, Mosambik, Somalia und Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) teil, erzählt die Stuhrer Gleichstellungsbeauftragte weiter. Die Teilnehmerinnen kamen dabei nicht nur aus der Gemeinde Stuhr, sondern auch aus den Nachbarkommunen, wie Fathma Atenhahn ergänzt.

Später wurde der erfolgreiche Kurs auch in anderen Kommunen im Landkreis Diepholz als Vorbild genommen, wie sie weiter zu berichten weiß. „Der Bedarf ist einfach da“, sagt auch Feldmann-Paske. „Es fehlt oft eine Orientierung“, hat Atenhahn in ihrer täglichen Arbeit beobachtet. Im Sozialen Service der Gemeinde Stuhr sei das Thema Schwangerschaft immer aktuell. Gerade wenn es um Formalitäten oder Anträge auf Unterstützung gehe, so die Interkulturelle Koordinatorin weiter. Oft finde die Kontaktaufnahme gerade bei Frauen mit Migrationshintergrund dabei zu spät statt, haben die beiden Gemeindemitarbeiterinnen bemerkt. Weitere Probleme gebe es auch durch die fehlende Geburtshilfe an einer der drei Kliniken im Landkreis, berichtet Feldmann-Paske. „Alle sind auf der Suche nach einem Leitfaden“, sagt sie.

Daher kam nach dem Kurs die Idee auf, die Erfahrungen nachhaltig festzuhalten und möglichst vielen Schwangeren zur Verfügung zu stellen. Die eingeworbenen Fördergelder in Höhe von 5000 Euro von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung waren noch nicht ganz aufgebraucht. Zunächst gab es die Vorstellung, mit dem restlichen Geld eine Kontaktstelle für Schwangere zu schaffen. Das klappte allerdings nicht. Daher machten sich die Verantwortlichen daran, eine Broschüre mit den wichtigsten Infos und Hilfestellungen für Schwangere zusammenzufassen.

Herausgekommen ist dabei ein fast 70-seitiges Ringbuch mit umfangreichen Informationen. „Wir hatten erst mit fünf bis zehn Seiten gerechnet“, sagt Atenhahn schmunzelnd mit Blick auf das dicke Heft - ganz im Corporate Design der Gemeinde Stuhr. Bei der Arbeit daran hätten sich aber immer mehr Themenfelder und Fragen ergeben, die mit aufgenommen werden mussten. Insgesamt stecken so rund anderthalb Jahre Arbeit in der Broschüre, die alle Themen vom Beginn der Schwangerschaft bis zur ersten Zeit nach der Geburt abdecken soll.

Los geht es dabei mit der grundsätzlichen Frage, ob überhaupt eine Schwangerschaft vorliegt. Danach geht es unter anderem um die nötigen Vorsorgeuntersuchungen, den Mutterpass, Geburtsvorbereitungskurse, Beratungsangebote und die Vorbereitung der Geburt. Im zweiten Kapitel geht es um die Geburt an sich. „Da gibt es viele Missverständnisse“, weiß Feldmann-Paske. Die Broschüre soll dort ermöglichen, „einzelne Schritte nachzuverfolgen“, ergänzt Atenhahn.

Kapitel drei beschäftigt sich mit der Zeit nach der Geburt. Dabei stehen die Fragen nach der Zeit im Krankenhaus, der ersten Ernährung, der anstehenden Untersuchungen und Impfungen im Fokus. Aber auch die Anmeldung bei Ämtern wird besprochen, so Atenhahn. Danach folgt ein Adressteil mit den nötigen Kontaktstellen wie Hebammen aus der Region, Geburtskliniken oder Beratungsstellen. Komplettiert wird die Broschüre durch Checklisten unter anderem für die Klinik-Tasche oder anstehende Aufgaben. Auch Vorlagen für mögliche Anträge auf Unterstützung sind in dem Ringbuch aufgeführt. Diese können dann zum Beispiel kopiert und genutzt werden.

Inhaltlich bekamen Feldmann-Paske und Atenhahn dabei Unterstützung von der Familien-Hebamme Melanie Thies, im Bereich des Layouts half die Seckenhauser Agentur Praxis für Öffentlichkeit um Geschäftsführerin Andrea Lotsch tatkräftig mit. „Es ist ein Projekt, das sehr gut zu unserer Agentur passt“, sagt Lotsch. So habe sie sich mit ihrer Firma auf die Fahnen geschrieben, „soziale Arbeit und Leistung sichtbar zu machen“. Normalerweise arbeite die Agentur dabei mit Gewerkschaften oder anderen sozialen Organisationen zusammen. „Überall, wo das Budget nicht so groß ist“, erklärt Lotsch die Philosophie ihrer Agentur.

Beim ersten Treffen habe es noch ein Manuskript mit dichtbedruckten Seiten gegeben, erzählt sie aus dem Arbeitsprozess. Durch die Grafik-Abteilung ihrer Firma seien dann noch Bilder und Abbildungen dazugekommen, berichtet Lotsch. Die Farben in der Gestaltung passen dabei zum Logo der Gemeinde Stuhr, wie Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte bemerkt hat.

Damit die Broschüre auch möglichst vielen Frauen „eine Hilfe zur Selbsthilfe“, wie Fathma Atenhahn es nennt, sein kann, wurden die Texte in eine einfache Sprache übersetzt. Dafür war laut Angaben von Nicole Feldmann Paske das Büro für Leichte Sprache der Bremer Lebenshilfe verantwortlich. Eine Mehrsprachigkeit hätte nicht geleistet werden können, so die Gleichstellungsbeauftragte weiter.

Der Schwerpunkt der Broschüre, die in einer Auflage von 100 Stück gedruckt wurde und an vielen Stellen in der Gemeinde wie zum Beispiel in Kitas, Schulen, im Rathaus und im Sozialen Service oder auch beim Flüchtlingsnetz ausliegen soll, liegt auf Schwangeren mit Fluchtgeschichte. „Sie steht aber allen Schwangeren zur Verfügung“, betont Fathma Atenhahn. Die Broschüre ist dabei kostenlos. Änderungen, gerade im Fall der Adressen und Ansprechpartner, können zu einem späteren Zeitpunkt auch nachgeholt werden.

„Es ist wirklich eine Broschüre für alle, jede Frau wird mitgenommen“, sagt Andrea Lotsch mit Blick auf das fertige Heft. Nicole Feldmann-Paske und Fathma Atenhahn sind ebenfalls stolz auf das Werk. „Da steckt so viel Arbeit und Herzblut drin“, sagt Atenhahn. Und auch Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte ist begeistert. „Die Broschüre hat einen Mehrwert nicht nur für die Gemeinde Stuhr, sondern auch für den gesamten Landkreis“, sagt er.

Info

Zur Sache

Digitale Version verfügbar

Neben der gedruckten Auflage des Wegweisers für Schwangere gibt es auch eine digitale Version. Diese ist unter www.stuhr.de/verwaltung-politik/gleichstellung/rat-hilfe/ zu finden. Weitere Informationen gibt es auch bei Stuhrs Gleichstellungsbeauftragter Nicole Feldmann-Paske telefonisch unter der Rufnummer 0421/5695321 oder per E-Mail an gleichstellungsbeauftragte@stuhr.de.

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