Mehr als 20 Fachleute nehmen alte und defekte Gerätschaften in Murkens Hof unter die Lupe Wegwerfen kommt nicht in Frage

Unter dem Stichwort „Wegwerfen? Nein Danke!“ hat die Initiativgruppe vom Repair Café Lilienthal am Sonnabendnachmittag in Murkens Hof zu einer besonderen Aktion eingeladen. Hier konnten Besitzerinnen und Besitzer von alten und defekten Geräten von Fachleuten erfahren, ob diese noch repariert werden können, oder ob sie doch entsorgt werden müssen.
29.06.2014, 19:00
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Von Johann Schriefer

Unter dem Stichwort „Wegwerfen? Nein Danke!“ hat die Initiativgruppe vom Repair Café Lilienthal am Sonnabendnachmittag in Murkens Hof zu einer besonderen Aktion eingeladen. Hier konnten Besitzerinnen und Besitzer von alten und defekten Geräten von Fachleuten erfahren, ob diese noch repariert werden können, oder ob sie doch entsorgt werden müssen.

Die Idee eines Repair Cafés ist nicht in Lilienthal entstanden. Die stamme von einer Dame aus den Niederlanden, erklärten die Hauptorganisatoren Ihno Schild und Wolfgang Franken. Die Initiatorin habe sich seinerzeit Gedanken darüber gemacht, dass man verschiedene Dinge nicht einfach ausrangieren müsse. Bevor man diese entsorge, könne man in der Nachbarschaft oder in einer Gemeinschaft versuchen, alte und defekte Geräte noch zu reparieren und sie so weiter zu verwenden. 2009 habe die Dame ihre Idee erstmals in die Tat umgesetzt, und diese habe dann auch in den Nachbarländern, so jetzt auch in Lilienthal, begeisterte Nachahmer gefunden. In sechs Räumen schauten Fachleute sich die mitgebrachten Gegenstände an. Im ersten Raum konnten mechanische und elektrische Gegenstände, im zweiten Spielzeug und Modellbau sowie im dritten Elektronik und Computer-Hardware begutachtet werden. Im vierten Raum fand eine IT-Beratung statt. Hier konnten die Gäste ihren Laptop, ihr Tablet oder ihr Smartphone vorstellen. Im Raum fünf ging es um Kleidung und Textilien und im sechsten um Elektronik und elektrische Geräte. Für Radios, Fernseher und Medientechnik erhielt man im siebten Zimmer von Experten die entsprechende Auskunft. Darüber hinaus war auf dem Hof noch eine Station für Fahrräder eingerichtet.

Etliche Geräte konnten zur Freude der Besitzerinnen und Besitzer an Ort und Stelle wieder gangbar gemacht werden. Dabei gab es auch einige kuriose Begebenheiten. So war bei einem alten Käseschneider der Original-Draht gerissen. Weil es dafür im Handel keinen Ersatz mehr gab, erhoffte die Besitzerin Hilfe von der Aktion im Repair Café. Doch auch da wusste man zunächst keinen Rat. Der entscheidende Tipp kam dann aber von einem Musiker: „Versuchen Sie es mit einer Geigensaite“ hatte der Besucher des Cafés empfohlen. Gesagt, getan, und siehe da: Der Käseschneider funktioniert zur Freude ihrer Besitzerin und aller Anwesenden wieder wie in alten Zeiten.

Wenn in anderen Fällen eine Reparatur nicht durchgeführt werden konnte, erhielten die Besitzer aber eine Diagnose und Tipps, wo sie im Fachhandel die benötigten Ersatzteile bestellen können. Mehrmals erfuhren die Besitzer aber auch, dass ihr Gerät nicht mehr zu reparieren sei und sie sich davon doch trennen müssten.

Vorab wurde die Bitte geäußert, dass jeder Besucher nur ein defektes Teil mitbringen und dafür eine Reparaturzeit von etwa 30 Minuten einplanen möge. Kleinere Wartezeiten ließen sich daher in Murkens Hof nicht vermeiden. Diese ließen sich aber bei Kaffee und Kuchen und einem Klönschnack mit Freunden, Bekannten und weiteren Gästen prima überbrücken.

Insgesamt waren etwa 30 Mitglieder der Initiativgruppe vom Repair Café bei dieser Aktion ehrenamtlich tätig, hoben Wolfgang Franken und Ihno Schild hervor. Davon waren allein sieben Frauen mit der Ausgabe von Kaffee und Kuchen beschäftigt. Mehr als zwanzig Mitglieder stammten aus den verschiedensten Berufen und konnten als absolute Fachleute die nötigen Ratschläge geben oder auch gewisse Reparaturen an Ort und Stelle vornehmen. So hatten einige Leute auch ihren defekten Staubsauger, einen PC-Drucker, ein altes Radiogerät sowie CD-Player, Videogeräte oder ihre Personenwaage mitgebracht. Anschließend sah man viele frohe Gesichter, weil doch etliche lieb gewonnene Gegenstände wieder funktionieren.

Die Aktion von Repair Café fand bei allen Besuchern eine ausgezeichnete Resonanz. Das war bei den Gesprächen, und dies nicht nur bei Kaffee und Kuchen, immer wieder zu hören. Nicht nur für die Idee, auch für die ehrenamtliche unentgeltliche Arbeit, die damit verbunden ist, gab es viele anerkennende Worte. Häufig wurde auch die Frage gestellt, ob diese Aktion wiederholt werden könne. Ihno Schild und Wolfgang Franken meinen, dass man angesichts des großen Anklangs wohl nicht daran vorbeikäme. Über eine zweite Auflage des Repair Cafés soll in den nächsten Tagen bei einer Nachbereitung beraten werden.

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