Bresilient-Projekt

Wehe, wenn der Starkregen kommt

Für die Blumenthaler Aue und die Beckedorfer Beeke soll zusammen mit Bürgern ein Hochwasserschutzkonzept entwickelt werden. Zum Auftakt wurden bei einem Workshop in der Burg Blomendal Erfahrungen ausgetauscht.
03.03.2019, 12:58
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Von Jörn Hildebrandt
Wehe, wenn der Starkregen kommt

In Arbeitsgruppen berichteten Bürger über ihre Erfahrungen mit Überschwemmungen und markierten entsprechende Stellen in einer Karte.

Agentur Ecolo

Blumenthal. „Wir wissen nicht genau, was uns erwartet. Aber der Klimawandel wird mit großer Wahrscheinlichkeit vermehrt Starkregenereignisse, Hitzeperioden und Sturmfluten mit sich bringen“, sagte Diana Wehlau vom Bremer Umweltressort zum Auftakt des Projektes „Bresilient“ in der Burg Blomendal. 85 Prozent der Fläche von Bremen seien hochwassergefährdet, dies mache ein vorsorgendes Konzept umso dringlicher.

Das Projekt Bresilient mit dem Untertitel „klimaresiliente Zukunftsstadt Bremen“ nimmt sich der Klimafolgen an und will rechtzeitig Vorbereitungen treffen. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, wird es vom Umweltressort durchgeführt und kooperiert mit weiteren Einrichtungen wie der Uni Oldenburg oder dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Bremen. Bisher wurden zwei Modellgebiete ausgewählt: die Blumenthaler Aue mit Beckedorfer Beeke in Bremen-Nord sowie die Pauliner Marsch im Stadtgebiet von Bremen. Der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack begrüßt die Bürgerbeteiligung. Nur so könne ein bürgernahes Hochwasserschutzkonzept entwickelt werden. Das soll in drei Workshops passieren. Die Burg Blomendal ist ein passender Veranstaltungsort. Wo Blumenthaler Aue und Beckedorfer Beeke zusammenfließen, steht in einer Senke die mittelalterliche Burg, die nicht gegen Hochwasser geschützt ist.

„Die Burg wäre das erste Gebäude, das bei Starkregen unter Wasser stünde“, sagte Klaus Peters, Vorsitzender des Vereins Burg Blomendal. In der Vergangenheit kam es bei Starkregen immer wieder zu Überschwemmungen in der Burg, wo sich auch eine Kindertagesstätte, ein Archiv, ein Verein und Räumlichkeiten befinden, die für Feiern angemietet werden können. Doch auch Wohngebiete im Einzugsbereich der beiden Geestbäche in Bremen-Nord sind bei Starkregen betroffen. Ohne lange Vorwarnzeiten können die Gewässer schnell anschwellen und zu Hochwasser führen.

Im ersten Workshop standen jetzt Information, Austausch und Diskussion im Mittelpunkt. In den beiden folgenden soll über konkrete Maßnahmen und Prioritäten beraten werden. Etwa 40 Teilnehmer waren in die Burg gekommen. Jens Wunsch, bei der Umweltbehörde für den Bereich Hochwasserrisikomanagement zuständig, erläuterte ein Hochwassermodell, das mit großem datentechnischen Aufwand erstellt worden ist. Aus 60 Millionen Zellen wurde ein digitales Höhenmodell mit Angaben zur Flächennutzung erstellt. Auch den aktuellen Gebäudebestand zeigt das Modell. Zusätzlich ermittelten die Experten mehr als 100 Bereiche, in denen das Wasser gut oder schlecht abfließen kann.

Im Zeitraffer wurde auf einer Karte sichtbar, in welchen Bereichen die Fließgewässer über die Ufer treten können, und wie groß die überschwemmten Flächen bei Starkregen wären – das heißt, wenn mehr als zehn Liter pro Quadratmeter in einer Stunde oder mehr als 20 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden niedergehen. Als Szenarien werden dabei Starkregenereignisse zugrundegelegt, die alle 20 Jahre oder 100 Jahre vorkommen.

Nach der Einführung wurde an den Tischen diskutiert: Welche Bedeutung hat das Gebiet für die Workshop-Teilnehmer? Welche Erfahrungen haben sie mit Überflutungen und Starkregen in dem Bereich gemacht? Viele nutzen die Auenbereiche zur Naherholung und in der Freizeit – zum Spazierengehen oder um den Hund auszuführen, Kinder können hier spielen oder im Winter Schlittschuhlaufen. Viele Teilnehmer konnten sich an Starkregen erinnern, der Wege überflutet und Gullydeckel hochgedrückt hat. Einige Anwohner der Burg hatten Fotos mitgebracht, die ihre überschwemmten Grundstücke zeigen. Andere beschwerten sich über ungepflegte Straßengräben und verstopfte Durchlässe, die verhindern, dass Wasser abfließen kann.

Biolandwirt Uli Vey, der zahlreiche Grünlandflächen bewirtschaftet, hat beobachtet, dass die Fließgeschwindigkeit an der Blumenthaler Aue zugenommen hat. Er fordert, weniger Flächen zu versiegeln und mehr Niederschlagswasser verrieseln zu lassen. Auf versiegelten Flächen fließt das Wasser schnell ab und kann nicht allmählich in den Boden versickern. Zur Versiegelung tragen unter anderem Gewerbeflächen, Verkehrswege, Parkplätze, aber auch Vorgärten bei, die von Hausbesitzern zugepflastert werden.

Die Anregungen aus dem ersten Workshop sollen in den folgenden zwei Veranstaltungen, die für Ende April und Mitte Juni geplant sind, weiter diskutiert werden. Ziel ist, gemeinsam Ideen und Strategien für ein Hochwasser-Schutzkonzept zu entwickeln.

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