Rotec-Chef betrachtet Abwerbeversuche aus England mit Sorge Weigel: Lemwerder ist ein idealer Standort

Lemwerder. Der Geschäftsführer des Rotorblattherstellers SGL Rotec, Lars Weigel, zeigt sich mit der Heimat seines Unternehmens in Lemwerder zufrieden. Er spricht von einem "idealen Standort" seines auf Offshore-Beschickung ausgelegten Betriebs.
09.07.2011, 05:00
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Weigel: Lemwerder ist ein idealer Standort
Von Barbara Wenke

Lemwerder. "Wir müssen gucken, dass der Produktionsstandort Deutschland nicht vernachlässigt wird." Lars Weigel, Geschäftsführer des Rotorblattherstellers SGL Rotec, blickt auffordernd zu seinem Tischnachbarn. Der hieß Hans Peter Mayer. Der CDU-Europaabgeordnete versprach, Weigels Befürchtungen nach Brüssel zu tragen. Neben europäischen Angelegenheiten kamen bei dem Treffen, das die örtliche CDU initiiert hatte, lokale Wünsche zur Sprache.

Lars Weigel zeigte sich mit der Heimat seines Unternehmens in Lemwerder zufrieden. Der Geschäftsführer sprach von einem "idealen Standort" seines auf Offshore-Beschickung ausgelegten Betriebs. Windparks in der Nordsee seien von Lemwerder aus in zwölf Stunden zu erreichen. Selbst zu den Parks in der irischen See seien es nur drei Tage.

Sorge bereitet Weigel allerdings, dass aus England derzeit massiv mit Fördergeldern um die Ansiedlung ausländischer Windkraft-Unternehmen geworben werde. Wenn die Windparkbetreiber künftig ihre Produktionsstätten in England aufbauen würden, könnten die Zulieferer gezwungen sein mitzugehen. Schließlich würden die Kunden dann viel Geld für die Logistik sparen. Weigel räumte ein, Angst zu haben, "dass wir den Vorsprung, den wir haben, jetzt wieder verlieren." Mayer versprach dem Geschäftsführer, prüfen zu lassen, ob die englische Vorgehensweise rechtens ist.

Sein Hauptaugenmerk richtet Lars Weigel aber auf seinen Betrieb in Lemwerder. Der sei gerade erheblich gewachsen. Anfang des Jahres habe SGL-Rotec den kompletten Flugplatz übernommen und konnte seine Betriebsfläche somit von 82000 auf 1,4 Millionen Quadratmeter steigern. Ein kleiner Dorn im Auge sind dem Rotorblatthersteller die benachbarten Segelflieger. Auf Nachfrage des örtlichen CDU-Fraktionsvorsitzenden, Heiner Loock, gab Weigel an, dass die Segelflieger derzeit nicht störten, die Gefahr aber "riesig" sei, dass die Sportler künftig im Freien gelagerte Rotorblätter beschädigen könnten. Deshalb sei der Vertrag mit den Segelfliegern auch gekündigt worden.

Den 360 Rotec-Mitarbeitern stehen circa 47000 Quadratmeter Hallenkapazität zur Verfügung. Das reiche zur Fertigung von zwei Rotorblättern pro Tag aus. Im kommenden Jahr sollen die Produktionsstätten so weit erweitert sein, dass fünf Blätter täglich die Hallen verlassen können - eine zu hohe Anzahl, um sie unter Dach zu lagern. Da die Offshore-Windparks in der Nordsee wetterbedingt nur rund sechs Monate pro Jahr installiert werden können, müsse eine große Zahl von fertigen Teilen auf dem ehemaligen Flugplatz im Freien gelagert werden.

Erfreut zeigte sich Weigel über den geplanten Windpark an der Gemeindegrenze zu Ganderkesee. Sein Unternehmen stehe in Kontakt mit der Universität Oldenburg und der Deutschen WindGuard aus Varel, die dort drei Forschungsanlagen betreiben wollen. Rotec möchte Messungen vornehmen und eventuell neue Beschichtungsbeläge ausprobieren.

Wunsch: Zwei Straßen verlegen

Lokal würde Lars Weigel gerne zwei Lemwerderaner Straßen einen neuen Schliff verpassen. Für sein Unternehmen sei es problematisch, die circa 40 Meter langen Onshore-Rotorblätter, die über Land transportiert werden, aus der Gemeinde zu befördern. An der Kreuzung am Dreimädelhaus in Krögerdorf steht beispielsweise die Ampel einem problemlosen Linksabbiegen im Weg. Derzeit müssen die Fahrer ihre langen Lastzüge erst über die Kreuzung hinweg Richtung Berne fahren und die Fracht rückwärts in Richtung Motzener Fähre manövrieren, ehe sie ihren Weg gen Bookholzberg fortsetzen können.

Doch Abhilfe naht. Im Laufe der Woche habe er im Rathaus vorgesprochen, berichtete Weigel. Eine Idee, die bei diesem Gespräch entwickelt wurde, sei, die derzeit stillgelegte Zufahrt zur alten B212 neu zu beleben. Die kurze Trasse könne für den allgemeinen Verkehr mittels einer Schranke gesperrt und nur für die Schwertransporte geöffnet werden, erläuterte Björn Thümler, Vorsitzender der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion den Anwesenden. Ähnliches sei kürzlich bei einer Zufahrt zum Braker Hafen gemacht worden. Allerdings müssten die Nutznießer den Umbau aus eigener Tasche finanzieren. Der Staat werde nicht einspringen, berichtete Thümler. Zahlen müsse also entweder der Rotorblatthersteller oder die Gemeinde.

Als weiteres Nadelöhr habe sich die Einmündung der Stedinger Straße in die Berner Straße (L 875) erwiesen. Die Kurve sei allerdings leicht zu entschärfen, indem der nahe gelegene Graben ein Stück weit verfüllt würde.

Im Gegensatz zu den Onshore-Anlagen könnten die Offshore-Blätter nur über den Wasserweg transportiert werden, berichtete Weigel. Was für das Lemwerderaner Unternehmen kein Problem darstelle, da die Gemeinde in Ochtum den 140 Meter lange Kai angelegt habe. Auf die Frage des Europaabgeordneten, ob ein Abtransport auch per Hubschrauber möglich sei, reagierte Weigel leicht amüsiert. Da die Rotorblätter ihre eigene Aerodynamik besäßen, stelle sich sicherlich die Frage, wer wen wohin fliege.

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