Kreisverwaltung Rotenburg: Sind nicht beteiligt worden

Weitere 127,6 Millionen Liter giftiges Abwasser im Boden

Landkreis Rotenburg. 127,6 Millionen Liter giftiges Abwasser aus der Erdgasförderung wurden 2013 im Landkreis Rotenburg ins Erdreich gepumpt. Dies hat der Kreistagsabgeordnete Manfred Damberg (Die Linke) vom Landesbergamt erfahren.
24.04.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

127,6 Millionen Liter

giftiges Abwasser aus der Erdgasförderung wurden 2013 im Landkreis Rotenburg ins Erdreich gepumpt. Dies hat der Kreistagsabgeordnete Manfred Damberg (Die Linke) vom Landesbergamt erfahren. Dieses im Fachjargon „Lagerstättenwasser“ genannte Abwasser wurde in den aufgegebenen Erdgasbohrstellen Söhlingen H1, Gilkenheide Z1, Sottrum Z 1, und Stapel Z1 „verpresst“.

Wie berichtet, sind bis Ende 2012 rund 3,45 Milliarden Liter Lagerstättenwasser im Landkreis Rotenburg ins Erdreich „versenkt“ worden. Problematisch dabei: Das Landesbergamt hat am 25. Juli 2011 im Bereich Söhlingen (Bohrstelle SOLG Z2) eine Benzol-Konzentration gemessen, die etwa 13 000 Mal über dem Trinkwassergrenzwert liegt. Auch hochgiftige „polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe“ wurden festgestellt. Die Naphthalin-Konzentration liegt 16 700 Mal über dem Grenzwert. Damberg hatte deswegen im vorigen Jahr die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Nun fragt der Abgeordnete aus Wilstedt, ob dafür eine wasserrechtliche Erlaubnis vorlag und ob der Landkreis Rotenburg an den Verfahren beteiligt wurde.

Der Erste Kreisrat Torsten Lühring sagte dazu auf Anfrage: „Bis heute ist mir keine Beteiligung des Landkreises Rotenburg an einem Verfahren des Landesbergamts für die Versenkung von Lagerstättenwasser bekannt.“ Beteiligt worden sei der Landkreis nur bei erstmaligen Erdgasbohrungen und bei Sanierungen schadhafter Anlagen. Derzeit erarbeite die Landesregierung einen „Fracking“-Erlass, in dem die zukünftige Verfahrensweise in Niedersachsen geregelt werden solle. Lühring: „Spätestens seit 2011 hat es offenbar keine neuen Verfahren gegeben, sonst hätte das Landesbergamt den Landkreis beteiligen müssen.“

Unterdessen warnt die „Bürgerinitiative gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg“ vor der „Hochrisikotechnologie“ Erdgasförderung und der damit verbundenen Probleme mit Fracking und Lagerstättenwasser. Die Technologie sei nicht kontrollierbar, Fehler nicht reparierbar, so Sprecher Jochen Richert. Alle bisher erprobten Techniken seien zu risikoreich für Umwelt, Mensch und Ressourcen. Bei Unfällen gebe es keine geeigneten Gegenmaßnahmen. „Wenn ein Grundwassermonitoring eine Leckage feststellt, ist es bereits zu spät. Der Schadensfall ist dann bereits eingetreten“, so Richert. Die Frackfluide seien immer noch nicht ausreichend öffentlich bekannt. Leider finde bei Hunderten von Bohrstellen im Kreis Rotenburg nur ein Monitoring an Bötersen Z11 statt.

Richert beklagt, dass Lagerstättenwasser ungeklärt verklappt werde, teilweise in der Nähe trinkwasserführender Schichten. Niemand kenne Zusammensetzung und Wechselwirkungen der Chemikalien, die zum Einsatz kommen. Die Bedenken der Bevölkerung würden nicht ernst genommen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+