Special Olympics Wenn auch die Verlierer Gewinner sind

Landkreis Diepholz. Für 30 Mitarbeiter der Delme-Werkstätten war die vergangene Woche ein einziges großes Erlebnis. Sie nahmen in Düsseldorf an den Nationalen Spielen der Special Olympics teil.
30.05.2014, 06:00
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Wenn auch die Verlierer Gewinner sind
Von Marius Merle

Für 30 Mitarbeiter der Delme-Werkstätten war die vergangene Woche ein einziges großes Erlebnis. Sie nahmen in Düsseldorf an den Nationalen Spielen der Special Olympics teil und traten gegen Athleten mit geistiger Behinderung aus ganz Deutschland an. Bei einigen reichte der Einsatz am Ende sogar für einen Platz auf dem Podium – auch wenn der olympische Gedanke bei der Veranstaltung klar im Vordergrund stand.

„Der Jubel war richtig groß“, beschreibt Rabih Daoud den Moment, als seine Gruppe beim Zieleinlauf der vier mal 100-Meter-Staffel merkte, dass sie den Wettkampf bei den Special Olympics gewonnen hatte. Für die Strecke brauchten er und seine drei Kollegen von der Delme-Werkstatt in Weyhe, Melanie Evers, Jantje Klaaßen und Thorsten Eggers, 1:20 Minute. „Das war die beste Leistung, die wir je geschafft haben“, sagt Daoud, der zudem den zweiten Platz beim Kugelstoßen erreichte, stolz.

Insgesamt 30 Mitarbeiter der Delme-Werkstätten aus dem Landkreis Diepholz haben sich in der vergangenen Woche bei dem Bundesentscheid der Special Olympics in Düsseldorf mit Athleten aus ganz Deutschland gemessen. Begleitet wurden sie dabei von fünf Sportlehrerinnen und weiteren Betreuern. Laut Veranstalter nahmen rund 4800 sportbegeisterte Menschen mit geistiger Behinderung an den Wettbewerben teil, die in 18 Sportarten gegliedert waren. Die Sportler aus den Delme-Werkstätten traten entweder in der Leichtathletik oder im Tischtennis an.

Zwei Jahre Training im Vorfeld

Im Vorfeld hatten die Teilnehmer lange fleißig auf die große Veranstaltung hingearbeitet. „Zwei Jahre haben wir speziell für diesen Wettbewerb trainiert“, sagt die Sportlehrerin der Teilnehmer aus Weyhe, Heidi Willer-Rohlfing. Um Wettkampferfahrung zu sammeln und sich für den Bundesentscheid zu qualifizieren, hatten die Athleten zuvor an den Regionalen Spielen in Bremen teilgenommen. „Wobei der Leistungsstand für die Qualifikation keine Rolle spielt“, betont Lehrerin Silke Garlichs. Jeder Sportler sei bei den Special Olympics willkommen, da sie sowieso noch je nach Leistungsvermögen und Alter in Gruppen eingeteilt werden.

Mit diesen Einordnungswettkämpfen begannen auch die Nationalen Spiele. Viele der Teilnehmer aus den Delme-Werkstätten konnten beim Hauptwettbewerb dann neue persönliche Rekorde feiern. So schaffte es Phillip Willenborg aus Bassum zum Beispiel, sich sowohl beim 100-Meter-Lauf, als auch beim Weitsprung im Vergleich zu den Trainingsresultaten deutlich zu verbessern. Der Lohn dafür: in beiden Wettbewerben eine Medaille und ein Platz auf dem Podium. Viele seiner Kollegen waren ähnlich erfolgreich und bekamen die eigene Hymne der Special Olympics bei der Siegerehrung somit vom Treppchen aus zu hören. Mehr als 20 Medaillen brachten die Mitarbeiter der Delme-Werkstätten mit vom Bundesentscheid.

Der Gewinn von Medaillen stehe bei den Special Olympics aber nicht im Vordergrund, wie Nahid Chirazi, Geschäftsführerin der Delme-Werkstätten, betont. „Jeder, der mitmacht, ist ein Gewinner, und im Mittelpunkt steht die gemeinsame sportliche Aktivität“, erklärt sie. Somit lebe dieser Wettbewerb noch mehr von dem Gedanken „Dabei sein ist alles“, als die eigentlichen Olympischen Spiele. „Die Special Olympics sind wichtig für unsere Mitarbeiter, denn auch Menschen mit geistiger Behinderung haben Lust auf Sport“, sagt Nahid Chirazi.

Bereits seit 2000 nehmen Athleten der Delme-Werkstätten an den alle zwei Jahre stattfindenden Nationalen Spielen der Special Olympics teil. Doch der kürzliche Entscheid werde den Teilnehmern in besonders guter Erinnerung bleiben. „Die gesamte Atmosphäre in Düsseldorf war wunderschön“, spricht Lehrerin Heidi Willer-Rohlfing im Namen aller Beteiligten. „Es hat wirklich großen Spaß gemacht, und besonders die Eröffnungsfeier war super“, erzählt Jessica Ahnemann, die von der Bassumer Werkstatt aus an den Start ging.

Für die Sportler gab es als Anerkennung für die Teilnahme von den Delme-Werkstätten noch ein kleines Geschenk: „Eine Trinkflasche im wunderschönen Delme-Blau“, so Nahid Chirazi. Für die Begleiterinnen gab es Blumensträuße und noch mal einen Dank von den Athleten. „Sie haben uns wirklich sehr geholfen“, lobt Helmut Berg, der im Tischtennis in seiner Leistungsgruppe die Goldmedaille gewinnen konnte. „Ist alles gut gelaufen“, kommentiert er seinen Triumph ganz zurückhaltend. Natürlich habe er sich gefreut, aber ganz im Stile der Special Olympics will er den Erfolg nicht überbewerten: „Die Hauptsache war es, dabei gewesen zu sein, egal welcher Platz am Ende dabei heraus kam.“

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