Holzauktion Wenn der Pastor mal zum Hammer greift

Hambergen. Die große Holzauktion im Hamberger Forst lockt jedes Jahr mehr Interessierte an. Seit Mitte November haben die Mitglieder des Realverbnades Hamberger Forst 77 Hektar aus ihren Wäldern geholt, die nun versteigert wurden.
17.01.2010, 16:08
Lesedauer: 3 Min
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Wenn der Pastor mal zum Hammer greift
Von Brigitte Lange

Hambergen. In kleinen und größeren Grüppchen strömen die Menschen in den Wald. In der näheren Umgebung ist kein Parkplatz mehr zu finden. Joachim Peper lässt den Blick über den Wendeplatz im Windhorn schweifen: 'Das werden von Jahr zu Jahr mehr', sagt der Vorsitzende des Realverbandes Hamberger Forst. 'Wir werden hier noch berühmt', meint er und grinst. Diesmal schaue ja selbst das Fernsehen bei der großen Holzauktion der Verbandsmitglieder in Hambergen vorbei.

Seit Mitte November haben die Verbandsmitglieder das Holz aus ihren Wäldern geholt. 77 Hektar gehören ihnen. Donnerstags und freitags waren sie mit je fünf Leuten ebenso viel Stunden mit Fällen beschäftigt. Auf insgesamt 47 Stapel Buchenholz, 70 Eichenpfähle und zehn Posten Fichtenlatten für Zäune haben sie es dabei gebracht. Diese wollen Joachim Peper und die anderen Waldbesitzer nun zu Geld machen. Für gute Preise soll Pastor Heino Hüncken sorgen. Zum vierten Mal in Folge schwingt er den Hammer bei der Holzauktion. Bei einem Treffen habe Auktionator Werner Ahrens den Pastor als seinen Nachfolger vorgeschlagen, erzählt Verbandsmitglied Martin Torneden. 'Jo, beim Grog hat man eben immer die besten Ideen', nickt Joachim Peper.

Die Stimmung auf dem Wendeplatz ist gut. Ein Lagerfeuer vertreibt die schlimmste Kälte. Für warme Getränke, heiße Würstchen und Musik ist gesorgt. 'Du auch hier?', heißt es immer wieder.

Kurz nach 12 Uhr hat sich der Pastor zwischen den Holzstapeln in Positur gebracht. Den Hammer in der Hand wartet er nicht lange und fängt zu schnacken an. Er erzählt von Daisy, und dass sie fast die Auktion verhindert habe. Doch zum Glück sei der Sturm weiter gezogen, und nun gebe es doch noch Holz, das im Winter geschlagen wurde, zu kaufen. 'Dass ist überhaupt das beste Holz', behauptet Hüncken. In zwei Jahren werde es traumhaft brennen. 'Dadurch kostet es natürlich auch mehr', meint er und fordert: '20 - wer bietet 20 Euro?' In zwei und fünf Euro Schritten klettert der Preis für das Buchenholz. '35 Euro sind geboten', meldet der Pastor und lockt: 'Daran kann man sich wirklich schön wärmen.' 40 Euro; 45 Euro. Hüncken lässt nicht locker: 'Sie wissen, sie können auch dann bieten, wenn sie keinen Ofen haben. Nicht das sie sich hinterher beklagen, bei uns nicht zum Zug gekommen zu sein.'

Hin und her wogt der Schlagabtausch zwischen Bietern und Auktionator. Es wird gelacht, gescherzt und aufgezogen. Bei 52 Euro fällt der Hammer für den ersten Stapel. 'Heinz Günther - das ist Deiner', erklärt Hüncken. Wenig später erzielt der Pastor bis zu 57 und 60 Euro je Stapel Brennholz. Stolze Preise, finden einige Besucher. 'Das ist der Heino-Effekt', sagt Joachim Bruns mit einem Schmunzeln. Der Bezirksschornsteinfeger von Hambergen bietet nicht mit. Er ist nur zum Zuschauen gekommen. 'Es ist einfach urig hier', sagt er. 'Und der Pastor macht das ganz toll.' Es sei eine geniale Veranstaltung. 'Man trifft hier viele Bekannt', nickt Stefan Küster.

'Die Auktion ist schon was Besonderes für Hambergen', meint auch Arend Wehmann. Nach dem Krieg hätten sie damit angefangen, erzählt der ehemalige Waldbesitzer Heinz Steeneck. In den ersten Nachkriegsjahren habe es zwar die Zwangsablieferung für das Brennmaterial gegeben, aber Ende der 1940er Jahre und Anfang der 1950er Jahre hätten sie dann die ersten Holzauktionen in Hambergen organisiert.

Die Buchenholzstapel und die Eichenpfähle sind inzwischen versteigert. Martin Torneden ist ganz zufrieden. Mit Carmen Phieler kümmert er sich um die Kasse. Wie schon 2009 seien Preise von bis zu 60 Euro für das Holz erzielt worden, sagt er. Nur für die gut zehn Meter langen Fichtenlatten, die Hüncken gerade für 50 bis 60 Euro unter die Leute bringt, hätte er gern mehr erzielt. Torneden: 'Für die Arbeit, die wir damit hatten, ist das eigentlich zu günstig.'

Nach knapp zwei Stunden kann Heino Hüncken seinen Stimmbändern eine Pause gönnen. Das Holz ist verkauft. Und während die Landwirte und Kaminbesitzer Latten und Brennholz auf ihre Anhänger verladen, gehen der Pastor, Joachim Peper und alle anderen Besucher der Auktion zum geselligen Teil der Veranstaltung über. 'Die letzten brechen erst nach Hause auf, wenn es dunkel wird', verrät Stefan Küster.

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