Bildhauerwoche

Wenn es mal etwas größer sein darf

Ein paar Tage abseits des Trubels kreativ frei entfalten mit Kettensäge, Winkelschleifer und Co: Das können Interessierte jeden Sommer bei der Bildhauer- und Land-Art-Woche bei Walter Peter.
03.08.2018, 17:14
Lesedauer: 2 Min
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Wenn es mal etwas größer sein darf
Von Marius Merle
Wenn es mal etwas größer sein darf

Bildhauer Walter Peter (vorne) zeigt einigen der Teilnehmer den richtigen Umgang mit der Kettensäge.

Björn Hake

Otterstedt. "Baumpurzel" – so nennt Guido Hache sein Land-Art-Objekt, welches er in dieser Woche auf dem Grundstück von Bildhauer Walter Peter in Otterstedt geschaffen hat. Die Installation hängt zwischen aufrechten und gefallen Bäumen und besteht aus Holzstäben, die leiterförmig ausgerichtet sind, und von einem Drahtseil zusammengehalten werden. Angestrichen sind die Holzstäbe in einem knalligen Magenta. "Das ist ein guter Kontrast zum Wald", erklärt Hache und findet zufrieden, dass sein Objekt auch deshalb vor allem aus der Entfernung sehr gut wirke. Der Ottersberger ist der Einzige der Bildhauer- und Land-Art-Woche, die von Peter schon seit vielen Jahren jeden Sommer veranstaltet wird, der sich diesem zweiten Themenbereich gewidmet hat. Alle weiteren Teilnehmer sind an den fünf Tagen in ein Bildhauerprojekt vertieft gewesen.

Dafür hat sich jeder auf dem Gelände einen eigenen kleinen Rückzugsort gesucht – angesichts einer Gesamtfläche von rund einem Hektar mit Blumenwiese, verwildertem Wald und Rasenfläche kein Problem. "Die Teilnehmer haben das Wäldchen zur Verfügung, um direkt mit der Natur zu arbeiten", erklärt Peter die Vorteile des Gebietes, auf dem früher einmal eine Ziegelei gestanden hat. Auf die Idee gekommen, solche Workshopwochen anzubieten, sei der Bildhauer, der schon lange Kurse beim Kunstverein Achim anbietet, durch die Wünsche von vielen Teilnehmern, die gerne einmal etwas größer arbeiten wollten. Dafür sind über die Jahre Menschen aus dem ganzen näheren Umkreis zu ihm gekommen.

Viele Männer wollen laut dem Fachmann etwa einmal mit der Kettensäge arbeiten. Und in Otterstedt könne er das im Vergleich zu den Räumlichkeiten des Kunstvereins ermöglichen. Zum Einsatz gekommen sind in diesen Tagen bei der Bildhauerwoche neben der Säge außerdem unter anderem Winkelschleifer, Hobelmaschine oder, ganz klassisch für die Bearbeitung von Holz, Beitel und Klöppel.

Dabei herausgekommen sind – nachdem kiloweise Späne durch die Luft gewirbelt wurden – etwa geometrische Formen, abstrakte Werke aus ungleichmäßigen Ästen und Baumstämmen oder Holzstelen mit Gesichtern. "Jeder kann sich frei entfalten, wie er möchte", erklärt Peter, der sich bei dem Prozess selbst nur als "beratende Person für das Künstlerische und Ästhetische" sieht. Manche der Teilnehmer würden mit einem festen Ziel für die Woche zu ihm kommen und auch das passende Material dafür schon mitbringen, andere hier einfach in den Wald gehen, und gucken, ob sie dadurch auf eine Idee kommen.

So ist es auch bei Hache gewesen, der zuvor bereits schon zweimal an dem Angebot von Peter teilgenommen hat. Dabei hatte er sich der Bildhauerei gewidmet, nun war er mit dem Vorsatz gekommen, einmal die Land-Art-Kunst auszuprobieren. "Ich habe mir das Gelände angeschaut und mir gefiel dieser Platz", erklärt er und zeigt auf seine leuchtende Installation. Eine passende Idee sei dann auch relativ schnell gefunden gewesen. "Es ist wirklich schön, mal frei kreativ arbeiten zu können", sagt Hache und bezeichnet die eine Woche abseits des sonstigen Truebls als willkommene "Auszeit".


Was die
sieben Teilnehmer während der fünftägigen Auszeit Künstlerisches geschaffen haben , zeigen sie an diesem Sonnabend, 4. August. Ab 15 Uhr sind alle Interessierten auf dem Grundstück an der Mühlenstraße 75 in Otterstedt willkommen.

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