Schusswaffen, Bleikugeln und jede Menge Spaß beim zwölften Westerncamp der Schwarzpulverunion

Wenn im Stadtwald die Büchse knallt

Zum zwölften Mal trafen sich Fans und Freunde der guten alten Westernzeit in Verden. Dabei ging es im Stadtwald beim Westerncamp der Schwarzpulverunion Weser-Aller gar nicht mal um Cowboys und Indianer, sondern um Trapper und Siedler. Originalgetreue Zelte, Kostüme und Waffen, wie man sie Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika genutzt hat, bildeten vier Tage lang eine Kulisse, in der man jeden Western hätte drehen können.
13.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von BJÖRN BLAAK
Wenn im Stadtwald die Büchse knallt

Jörg Böttcher und Michaela Stadermann kommen beide aus Rotenburg und waren auch beim Westerncamp dabei – mitsamt Zelt und Hund. Ihre Kleidung soll an die Siedler im Wilden Westen erinnern.

Karsten Klama

Zum zwölften Mal trafen sich Fans und Freunde der guten alten Westernzeit in Verden. Dabei ging es im Stadtwald beim Westerncamp der Schwarzpulverunion Weser-Aller gar nicht mal um Cowboys und Indianer, sondern um Trapper und Siedler. Originalgetreue Zelte, Kostüme und Waffen, wie man sie Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika genutzt hat, bildeten vier Tage lang eine Kulisse, in der man jeden Western hätte drehen können.

Lautes Knallen hallt durch den herbstlich gefärbten Verdener Stadtwald. Schwarzpulvergeruch liegt in der Luft. Männer in Siedlerkluft kochen sich eine spartanische Mahlzeit über einer kleinen Feuerstelle. Dicke Bohnen, Paprika und Speck werden in kleinen Töpfen verrührt, abgeschmeckt und für noch nicht scharf genug befunden. Es würde einen nicht verwundern, kämen die Daltons auf ihrem Weg nach Daisy Town vorbeigeritten.

Einen Lucky Luke hätten diese in Verden zwar nicht fürchten müssen, aber die prüfenden Blicke des Sheriffs. Karl Heinz-Oster, Vorsitzender der Schwarzpulverunion Aller Weser, einer Abteilung des Schützenvereins Verden, ist der Routinier der Veranstaltung. Er sitzt mit undurchdringlicher Miene vor seinem Zelt, grüßt die Vorbeilaufenden und hat alles im Blick. Bereits zum zwölften Mal wacht er über den reibungslosen Ablauf der Westernrenaissance. Ziel des Camps ist es, das Leben der Siedler im Wilden Westen möglichst originalgetreu nachzustellen. Das gilt für die Kleidung genauso wie für die Waffen.

„Respekt ist schon mal ein ganz guter Begleiter, wenn man mit diesen Waffen hantiert“, sagt Oster. Was er damit meint, versteht man jedoch erst richtig, wenn man solch ein Gewehr einmal selbst in Händen gehalten hat. Kiloschwer ist der Vorderlader, der früher einmal zu den gängigsten Gewehren in Amerika gehörte. „Eine frühe Virginia“, sagt Oster über das Gewehr. „50er Kaliber, das reißt schon ordentliche Löcher.“

Eine Tatsache, die bei den Schießwettkämpfen zu beweisen ist. Hier treten die Teilnehmer im Schützenhaus gegeneinander an und schießen mit ihren Waffen auf Elche oder Büffel – natürlich keine echten, sondern Papp-Tiere.

Draußen vor der Schützenhalle köchelt indes leise das Chili vor sich hin. Männer in Uniformen der Konföderierten diskutieren, zwei Trapper schlendern am Waffenhändler vorbei und fachsimpeln. Ein buntes Treiben. Die Zelte, die Waffen, die Flaggen, die Uniformen, alles wurde nach und nach von den Teilnehmern zusammengekauft – auf anderen Events und im Internet. Ein Hobby, das über die Jahre Tausende Euro kosten kann.

„Schon ein Gewehr kann um die 2000 Euro kosten“, sagt Oster. Deshalb würden die Waffen auch von ihren Besitzern gehegt und gepflegt. Manchmal werden sie nach einem Tag gereinigt, manchmal auch nach jedem Schuss. Auch die Bleikugeln stellen viele der Westernfreude in aufwendiger Kleinarbeit selber her. Was früher einmal nötig war, um Feinde auf Abstand zu halten oder auch einmal einen Büffel zum Umkehren zu bewegen, das ist heute ein Hobby. Aber nicht nur eines für ältere Herren, wie Oster sagt.

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