Bürgermermeisterwahl in Bassum

Wer hupt für wen am 15. Juni?

Bassum. Christian Porsch oder Claus Marx – zwischen diesen beiden Männern müssen sich die Wahlberechtigten bei der Bürgermeisterstichwahl am Sonntag, 15. Juni, entscheiden.
27.05.2014, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Wer hupt für wen am 15. Juni?
Von Christoph Starke

Christian Porsch oder Claus Marx – zwischen diesen beiden Männern müssen sich die Wahlberechtigten bei der Bürgermeisterstichwahl am Sonntag, 15. Juni, entscheiden. Die beiden Bürger-Block-Mitglieder, die am Sonntag jeweils als Unabhängige antraten, hatten am Ende des Urnengangs in Bassum die Nase vorn. Die Parteien und Stadtratsfraktionen spielen nun mit dem Gedanken, einen von den beiden zu unterstützen.

Der Tag danach: Christian Porsch ging gestern Morgen zu Fuß zur Bassumer Freudenburg, um sein Auto abzuholen, erzählte er. An der Klosterbachmuschel feierte er Sonntagabend den Wahlausgang. Mit 33,45 Prozent hatte er bei der Bürgermeisterwahl an erster Stelle. „Überall hupten die Leute“, erzählte der 54-Jährige von seinem morgendlichen Spaziergang und der Zustimmung der Bürger.

Doch das Rennen ist noch längst nicht gelaufen. Das weiß Porsch selbst. Denn knapp hinter ihm liegt schon Claus Marx (29,4), mit dem Porsch am Sonntag, 15. Juni, in die Stichwahl muss. Abgeschlagen dagegen: Bernadette Nadermann (21,9) und Cathleen Schorling (15,3). Porsch und Marx gehören zwar dem Bürger-Block an, traten aber als Unabhängige an – ebenso wie Erste Stadträtin Bernadette Nadermann. Cathleen Schorling war Kandidatin der CDU.

Sonntagabend wurde Porsch mit einer Sektdusche gefeiert, an der Freudenburg skandierten seine Anhänger: „So sehen Sieger aus.“ Porsch gab sich gestern allerdings gedämpft euphorisch. „Ich werde jetzt schauen müssen, an welcher Stellschraube ich noch drehen kann“, sagte er in Hinblick auf die Stichwahl. Dass es auf einzelne Ortschaften ankommt glaubt er nicht. „Es kommt auf alle an.“

Porsch holte die wichtigen Stimmen in der Kernstadt. In den Wahlbezirken Grundschule Mittelstraße, Gastwirtschaft Haake, Grundschule Mittelstraße Mensa, Seniorenservicebüro und Feuerwehrhaus ging er jeweils als Sieger hervor und holte dort 1162 Stimmen, fast die Hälfte seines Gesamtergebnisses (2476 Stimmen). Und in diesen Wahlbezirken lag überall Marx auf Rang zwei. Er holte sich den Sieg in bevölkerungsstarken Ortschaften wie Bramstedt (246), Neubruchhausen (134) und Nordwohlde (185). Und die Briefwahl – mit 1265 Stimmen ebenfalls einer der großen Wahlbezirke – ging ebenfalls an Marx (388 Stimmen).

Wie Porsch steht auch Marx vor der Frage, wie es jetzt weitergeht. Er feierte am Sonntagabend mit Familie und Freunde im eigenen Garten. „Zufrieden“, sei er gewesen. „Schöner wäre es natürlich gewesen, wenn ich die 50 Prozent geschafft hätte“, sagte er kurz nachdem das Wahlergebnis feststand. Er wolle sich nun noch weiter bekannt machen, Veranstaltungen besuchen, mit Menschen ins Gespräch kommen. Auch er könne nicht beurteilen, ob es auf ein Gebiet besonders ankommt bei der Stichwahl. Viele unterschiedliche Faktoren würden eine Rolle spielen. Marx. „Das kann ich nicht abschätzen. Es kommt natürlich auch auf die Wahlbeteiligung an.“

Bei der CDU dominierte Sonntagabend die Enttäuschung. „Ein paar Stimmen musst Du aber noch holen“, rief ein Christdemokrat nach den ersten Auszählungen Cathleen Schorling im Gasthaus Haake zu, wo sie und ihre Anhänger den Wahlausgang verfolgten. Doch es sollte nicht sein. In keinem der Wahlbezirke hatte Schorling am Ende die Nase vorn. Lediglich 15,3 Prozent der Wähler stimmten für sie. Zum Vergleich: Bei der Europawahl holte die CDU in Bassum statte 40,2 Prozent. „Es ist ganz klar, dass die Mehrheit der Wähler die beiden Männer haben wollten“, erklärte sie sich ihr Abschneiden und das von Nadermann. „Schön finde ich es nicht“, drückte sie auch gestern ihre Enttäuschung aus. Persönliche Konsequenzen wolle die stellvertretende Bürgermeisterin, CDU-Fraktionschefin und Bassums Ortsvorsteherin nicht ziehen. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Volker Meyer lieferte die gleiche Einschätzung wie Schorling: „Man möchte in Bassum nicht so gerne eine Frau an der Spitze sehen.“ Die CDU hat nun Marx und Porsch für morgen Abend zu einer Versammlung eingeladen, um mit den beiden über eine mögliche Unterstützung zu sprechen.

Die SPD hält sich das ebenfalls offen. „Über eine mögliche Unterstützung eines Bürgermeisterkandidaten werden wir mit unseren Mitgliedern am 4. Juni um 19.30 Uhr bei uns in der Bahnhofstraße 11 entscheiden“, wiesen die Sozialdemokraten auf einen Termin in ihrem Roten Laden hin. Sie gratulierten Christian Porsch, sagten aber auch: „Natürlich sind wir enttäuscht, dass unsere Favoritinnen hier in Bassum nicht die Unterstützung der Wählerinnen und Wähler bekommen haben, die sie verdient hätten.“

Auch die Grünen schließen eine Empfehlung nicht aus, wie Ortsverbandssprecher Torsten Eggelmann mitteilte. Aber das müsse man in der Partei und in der Fraktion besprechen, sagte Eggelmann, den das Ergebnis persönlich überraschte: „Ich hätte erwartet, das Frau Nadermann mit in die Stichwahl kommt.“

Darüber wunderte sich die unabhängige Kandidatin auch kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses, das sie zusammen mit ihrer Familie im Bürgerservice der Stadt serviert bekam. „Dass es eine reine Herrenrunde wird, hätte ich nicht gedacht“, sagte Bernadette Nadermann. „Letztlich wird man nicht ergründen können, was den Ausschlag gegeben hat.“, Immerhin konnte sie drei Wahlbezirke (Groß Henstedt, Hallstedt und Dimhausen) für sich entscheiden. Für die Stichwahl gibt sie keine Wahlempfehlung ab.

Genauso wenig wie der Bürger-Block, betonte Helga Alves, Vorsitzende der freien Wählergemeinschaft. Natürlich freue es sie, dass zwei Mitglieder am Ende vorne lagen, aber: „Wir haben uns neutral verhalten und werden das auch weiterhin tun.“

Bleibt die Frage, wen die Bassumer am Morgen des 16. Juni zuhupen.

Glücklich über das Wahlergebnis: Christian Porsch und seine beiden Töchter Stina (links ) und Mette.

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