Diakonieklinikum Rotenburg: Das Pneumologische Zentrum „Wer regelmäßig raucht, hat eine ältere Lunge“

Rotenburg. Bösartige Tumore, chronische Bronchitis und insgesamt eine schnelle Alterung der Lunge – laut Tom Schaberg, Chefarzt des Pneumologie-Zentrums im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, gibt es kaum eine Erkrankung der Lunge, für die das Rauchen nicht die Hauptursache ist. So bekämen Patienten mit etwa einer chronischen Bronchitis nicht nur schwerer Luft und würden das im Körper gebildete Kohlendioxid schlechter loswerden, sie seien auch insgesamt weniger leistungsfähig.
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„Wer regelmäßig raucht, hat eine ältere Lunge“
Von Andreas D. Becker

Bösartige Tumore, chronische Bronchitis und insgesamt eine schnelle Alterung der Lunge – laut Tom Schaberg, Chefarzt des Pneumologie-Zentrums im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, gibt es kaum eine Erkrankung der Lunge, für die das Rauchen nicht die Hauptursache ist. So bekämen Patienten mit etwa einer chronischen Bronchitis nicht nur schwerer Luft und würden das im Körper gebildete Kohlendioxid schlechter loswerden, sie seien auch insgesamt weniger leistungsfähig. „Wer regelmäßig raucht, hat eine ältere Lunge“, bringt der Chefarzt das Problem auf den Punkt.

Rund 30 Prozent aller Raucher leiden an chronischer Bronchitis. „Statistisch lohnt es sich in jedem Alter, mit dem Tabakkonsum aufzuhören. Es ist immer ein Gewinn an Lebensqualität“, sagt Schaberg. Und häufig auch an Lebenszeit, denn, wer mit dem Rauchen aufhört, hat immerhin nach 20 Jahren wieder ein normales Krebsrisiko. Auch die Verschlechterung der Lungenfunktion verläuft wesentlich langsamer als bei Rauchern.

Im Pneumologie-Zentrum werden nicht nur ursächliche Lungenkarzinome behandelt, sondern auch die Lungen-Metastasen anderer Krebserkrankungen. Zwischen 300 und 350 Bronchialkarzinome werden im Jahr neu diagnostiziert. Ein Viertel davon kann operiert werden. Dabei wird ein Teil der Lunge entfernt, bis zu einem Lungenflügel ist möglich. Da das Organ in Lappen aufgeteilt ist, muss mindestens ein Lappen entfernt werden. „Auf wieviel der Patient verzichten kann, hängt vom Restvolumen der Lunge ab“, sagt Schaberg.

Eine weitere Erkrankung, mit der Pneumologen sich befassen müssen, ist die Bildung von Emphysemen. Dabei werden die Lungenbläschen größer und verlieren dadurch an Oberfläche. Laut Schaberg hat eine gesunde Lunge zwischen 100 und 120 Quadratmeter Oberfläche. Bei Emphysemen reduziert sich die Oberfläche auf 20 bis 30 Quadratmeter. „Das führt dazu, dass weniger Sauerstoff aufgenommen wird“, sagt der Chefarzt. Eine gewisse Neigung zu Emphysemen sei allerdings mit zunehmendem Lebensalter unausweichlich. „Wenn es nur der Alterungsprozess ist, beeinträchtigt es uns subjektiv nicht“, so Schaberg. Zwar nehme die Leistungsfähigkeit ab, im Alter belaste man sich aber auch weniger.

Reicht die Lungenfunktion jedoch nicht mehr aus, kann man dem Patienten Sauerstoff zuführen oder ihn künstlich beatmen. Dank einer speziellen Maske muss der Betroffene nicht mehr sediert und über einen Schlauch beatmet werden.

Bestimmt wird die Größe der Lunge und damit die Leistungsfähigkeit durch die Erbanlagen. Sport helfe in dieser Beziehung nicht. „Durch regelmäßiges Training kann aber das Zusammenspiel von Herz, Kreislauf und Lunge verbessert werden“, sagt der Chefarzt.

Eine schwerwiegende Erkrankung ist nach wie vor die Lungenentzündung. Diese wird entweder durch Bakterien oder Viren verursacht. Die verursachen eine Entzündung der Lungenbläschen, wobei Bakterien zu einer Vereiterung führen, Viren verursachen eine Wassereinströmung in die Lunge. Das Pneumologische Zentrum in Rotenburg gehört überdies zu den zwölf Forschungsstationen in Deutschland, in denen an der Entstehung einer Lungenentzündung geforscht wird. Hier werden Datenbanken und Materialbänke angelegt, die zur Entwicklung einer Behandlungsleitlinie geführt haben.

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