SPD-Arbeitskreis auf Tour durch die Wesermarsch: Schiffbauunternehmen sichern Einkommen vieler Zulieferer

"Werften nehmen Schlüsselstellung ein"

Um für die Zeit nach dem von ihnen erwarteten Regierungswechsel 2013 in Niedersachsen gut vorbereitet zu sein, haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises Wirtschaft, Arbeit und Verkehr der SPD-Landtagsfraktion gestern in der Wesermarsch umgesehen. Unterbezirksvorsitzende Karin Logemann aus Berne hatte ihren neun Gästen ein straffes Programm ausgearbeitet, das die sozialdemokratischen Wirtschaftsfachleute zu Beginn ihrer Rundtour auf Berner Gemeindegebiet zur SSB Werft und den Johannitern führte.
17.02.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Barbara Wenke

Um für die Zeit nach dem von ihnen erwarteten Regierungswechsel 2013 in Niedersachsen gut vorbereitet zu sein, haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises Wirtschaft, Arbeit und Verkehr der SPD-Landtagsfraktion gestern in der Wesermarsch umgesehen. Unterbezirksvorsitzende Karin Logemann aus Berne hatte ihren neun Gästen ein straffes Programm ausgearbeitet, das die sozialdemokratischen Wirtschaftsfachleute zu Beginn ihrer Rundtour auf Berner Gemeindegebiet zur SSB Werft und den Johannitern führte.

Berne. Der Gesprächsbedarf in dem noch jungen Unternehmen Stahl- und Schiffbau (SSB) Berne, einer Tochtergesellschaft der Lürssen-Werft in den Hallen der ehemaligen Rolandwerft, muss groß gewesen sein - die Delegation traf gestern Vormittag eine halbe Stunde später als erwartet bei den Johannitern in Bardenfleth ein. Dafür hatten die Mitglieder des Arbeitskreises Wirtschaft, Arbeit und Verkehr der sozialdemokratischen Landtagsfraktion auf der Werft aber auch tiefgreifende Eindrücke erworben. Das nördliche Niedersachsen habe sich "vom Ende der Welt zum Tor der Welt gewandelt", gab Olaf Lies zu Protokoll. Investitionen in den Norden seien von Bedeutung für das ganze Bundesland, sagte der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende.

Gerade der Schiffbau befinde sich in einer schwierigen Situation, konstatierte der hafen- und schifffahrtspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jürgen Krogmann aus Oldenburg. Der Großschiffbau sei nicht zu halten gewesen. Umso mehr freute es die Delegation, dass sich mit der SSB eine neue Perspektive in Berne eröffnet habe. 87 Mitarbeiter der ehemaligen Rolandwerft hätten übernommen werden können. Sie könnten nun ihre Fertigkeiten in die Wartung und den Sektionsbau einbringen. "Sich für den Bereich Reparatur und Umbau aufzustellen, ist ein gutes Zukunftssignal", lobte Lies.

Forderung: Bessere Anbindung

Beide Sozialdemokraten sind allerdings davon überzeugt, dass die derzeitigen Standorte im Landesnorden nur zu halten seien, wenn die Anbindung des Hinterlandes verbessert werde. Gesprächsthema auf der Werft war auch die anstehende Deichbaumaßnahme samt Umbau der Gansper Industriestraße. Die kalkulierten 1,8 Millionen Euro seien es Wert verbaut zu werden, lautete die einhellige Meinung.

Die noch vorhandenen Werften müssten in jedem Fall gehalten werden. Komme ihnen doch eine Schlüsselstellung zu, da sie die Existenz zahlreicher kleiner Zulieferer Tischlereien oder Schmieden sicherten.

Nach ihrem Besuch auf dem Werftgelände führte Logemann die Arbeitskreismitglieder zu den Johannitern. Ortsbeauftragter Diether Liedtke stellte ihnen den Ortsverband Stedingen im Detail vor. Dieser habe sich in den vergangenen 42 Jahren vom Zusammenschluss einer Handvoll Ehrenamtlicher zu einem Unternehmen mit 70 hauptamtlichen Vollzeitkräften entwickelt, der im Jahr mittlerweile sechs Millionen Euro umsetze.

Die Johanniter haben es laut Liedtke geschafft, einen allgemeinen Trend umzukehren. Während es die meisten Unternehmen und Verbände vom Land in die Stadt treibe, seien die Johanniter in Niedersachsen bezüglich ihrer Hausnotrufzentrale den umgekehrten Weg gegangen. Berne stelle inzwischen die einzige Hausnotrufzentrale in Niedersachsen und kümmere sich mittlerweile um 22000 Teilnehmer. Die Zentrale in Hannover sei eingestellt worden.

Stolz zeigte sich Liedtke, dass der Ortsverband Stedingen als einziger innerhalb der Landesschule in Hannover Rettungsassistenten der Bundeswehr ausbilde. Derzeit laufe bereits der vierte Lehrgang. Und auch ein Projekt, das älteren Menschen Dank sogenannter AAL-Technologie (elektronisches Hilfssystem) ermögliche, länger in den eigenen vier Wänden zu wohnen, sei eine Erfolgsgeschichte.

"Wir wollten zeigen, dass die Johanniter mehr machen als Sanitätsdienst", nannte Karin Logemann gestern Vormittag ihre Motivation, den Besuch der Bardenflether Dienststelle mit ins Tourprogramm zu nehmen. Die örtliche Sozialdemokratin bezeichnete sich selbst "super begeistert", dass der hochrangig besetzte Arbeitskreis den Weg in die Wesermarsch angetreten habe.

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