Anwohner der Straße Auf dem Berge in Weyhe

Ärger über Stolperfallen auf Gehweg

Das Wurzelwerk der Bäume an der Straße Auf dem Berge in Weyhe hat sich in den vergangenen Jahren ausgedehnt und den Gehweg beschädigt - zum Ärger einiger Anwohner. Die Gemeinde kündigt Ausbesserungen an.
16.04.2021, 17:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg
Ärger über Stolperfallen auf Gehweg

Auf Ausbesserung und damit Besserung in ihrer Straße hoffen Hermann (von links), Günter, Birgit und Wilfried Silberborth.

Vasil Dinev

Weyhe. Wilfried Silberborth ärgert sich. Vor etwas mehr als zwei Wochen ist genau das passiert, was er verhindern wollte, indem er sich bei der Gemeinde Weyhe über den Zustand des Gehwegs an der Straße Auf dem Berge in Weyhe beschwerte. Einer der Anwohner war dort gestürzt - über eine der Kanten hochstehender Pflastersteine. Noch dazu war es sein Onkel. Der 90-Jährige brach sich bei dem Sturz das Handgelenk und zog sich Abschürfungen zu. Silberborth spricht von einem „Unfall durch Unterlassung“. Die Gemeinde Weyhe ist bisher zwar noch nicht sichtbar tätig geworden, das aber soll sich nach eigenen Angaben in Kürze ändern.

Es ist Ende November 2020, als Wilfried Silberborth sich erstmals schriftlich an den Weyher Bürgermeister Frank Seidel (SPD) und die Verwaltung wendet, um auf den „unhaltbaren Zustand“ des Gehwegs, der auch von Radfahrern benutzt werden darf, hinzuweisen. Es ist der Monat, in dem er selbst dort fast stürzt, das aber „nur mit viel Mühe“ verhindern kann, wie er in einer eigens für den Fall angefertigten Präsentation schreibt. Er könne das Risiko des unebenen Weges „als Fachkraft für Arbeitssicherheit und als langjähriges Vorstandsmitglied in der Berufsgenossenschaft ETEM“ sehr gut einschätzen. Dabei denkt Silberborth nicht nur an die Gefährdung von Anwohnern, sondern auch von Zeitungszustellern, die dort mitunter in der Dunkelheit unterwegs seien, ebenso von Eltern mit Kindern.

Nutzer derzeit sind nicht nur sein kürzlich auf dem Gehweg gestürzter Onkel Günter Silberborth, sondern auch seine Cousine Birgit Silberborth, die an derselben Stelle beinahe zu Fall gekommen wäre. „Man muss aufpassen“, sagt auch Wilfried Silberborths 93 Jahre alter Vater Hermann Silberborth. Sie alle und zwei weitere Anwohner aus dessen Umfeld eint die Kritik an den hochstehenden Kanten.

Hinzu kommt ein abgesackter Regenwasserabfluss, bei dem Wilfried Silberborth Schäden für Fahrzeuge befürchtet, sollten sie an dieser Stelle parken. Er spricht von einer Delle mit einer Tiefe von etwa zehn Zentimetern, an der zusätzlich die Bordsteinkante hochgedrückt ist. Eine Ölwanne könne daran aufreißen und noch dazu einen Umweltschaden verursachen, meint der Anwohner.

„Eine Reaktion war ja mal da“, sagt Wilfried Silberborth, der sich danach weiter bemühte, über eine schriftliche Antwort vonseiten der Gemeinde, „aber passiert ist nichts“. Dabei habe die Gemeinde eine Verkehrssicherungspflicht. Die bestätigt die Verwaltung und nimmt diese nach eigenen Angaben „sehr ernst, erinnert aber auch an die Sorgfaltspflicht der Verkehrsteilnehmer bei der Nutzung von Straßen und Wegen“, heißt es auf Anfrage. „Wenn uns derartige Wurzelaufbrüche gemeldet werden oder unserer Straßenkontrolle auffallen, ist stets das Ziel, diese Missstände so zeitnah wie möglich zu beheben“, heißt es von der Gemeinde weiter. Allerdings werde an Gehwegen in der Rechtsprechung davon ausgegangen, „dass ein gewisser Niveauunterschied in der Oberfläche zumutbar ist und nicht als Gefahrenstelle anzusehen ist“.

Die Gemeinde verweist auf Informationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Deutscher Kommunalversicherer (BADK), wonach eine Gemeinde dafür zu sorgen habe, dass Verkehrsteilnehmer auf Flächen in ihrem Verantwortungsbereich nicht zu Schaden kommen. Aber: „Einen Anspruch auf völlig gefahrlose, gute Verkehrswege gibt es nicht“, zitiert die Verwaltung die BADK. Für Gemeinden seien „nicht für alle denkbaren, auch entfernten Möglichkeiten eines Schadeneintritts Vorkehrungen zu treffen, da eine Sicherung, die jeden Unfall ausschließt, praktisch nicht erreichbar ist“, heißt es weiter. Verkehrsteilnehmer hätten sich „grundsätzlich den Straßenverhältnissen anzupassen“.

Dennoch: Wegen der „genannten Eigenverantwortung wird die Haftbarkeit der Gemeinde geprüft und beurteilt“, so die Weyher Verwaltung, die den Sturz des 90-Jährigen nach eigenem Bekunden bedauere und auf baldige und vollständige Genesung hoffe, mit Blick auf einen möglichen Schadenersatzantrag. Denn auch aus Sicht von Wilfried Silberborth ist die Gemeinde beziehungsweise deren Versicherung im Falle des Sturzes seines Onkels hinsichtlich der Kostenübernahme für die Behandlung gefragt und nicht die Krankenkasse.

Was die Gehwegschäden betrifft: Diese waren der Gemeinde bereits bekannt, lässt diese wissen und informiert weiter, dass die Unebenheiten in der Vergangenheit bereits „mehrfach punktuell bearbeitet“ worden seien. „Es ist aktuell bereits beauftragt, dass die Wurzelaufbrüche in diesem gesamten Bereich schnellstmöglich repariert werden“, kündigt die Weyher Verwaltung an.

Mit den Gehwegschäden nicht genug beklagen die sechs Anwohner bei einem Termin vor Ort zudem Beeinträchtigungen der Kanalisation, die mitunter schon zu Problemen mit dem Abwasser innerhalb der Häuser geführt habe. Als Grund nennen sie die Standorte der Bäume an der Straße, die sich auf einem entsprechenden Kanal befänden. Auch dort richte deren Wurzelwerk entsprechende Schäden an. Dazu wäre eine Aussage vom Abwasserverband erforderlich, teilt die Gemeinde auf Nachfrage mit. „Was die Gemeinde selbst unternehmen kann, ist, bei Neupflanzungen straßenverträgliche Bäume zu wählen.“

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