Esref Kizilkara ist der Ausländerbeauftragte der Gemeinde / Er hilft den Neuankömmlingen beim Eingewöhnen Weyhe bereitet einen würdigen Empfang

Seit knapp 25 Jahren gibt es eine professionelle Integrationsbetreuung in der Gemeinde. Der gebürtige Zypriot Esref Kizilkara ist für die etwa 1100 Migranten in der Gemeinde Weyhe der Mann für alle Fälle. Der Ausländerbeauftragte hilft vom Behördengang über die Wohnungssuche bis zum Nachbarschaftsstreit.
13.01.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Annika Richter

Seit knapp 25 Jahren gibt es eine professionelle Integrationsbetreuung in der Gemeinde. Der gebürtige Zypriot Esref Kizilkara ist für die etwa 1100 Migranten in der Gemeinde Weyhe der Mann für alle Fälle. Der Ausländerbeauftragte hilft vom Behördengang über die Wohnungssuche bis zum Nachbarschaftsstreit.

Weyhe. Als der türkische Zypriot Esref Kizilkara 1977 zum ersten Mal ein deutsches Amt betrat, um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Dauer seines Studiums in Bremen zu beantragen, standen er und die Sachbearbeiter ganz schön auf dem Schlauch: Kizilkara konnte zwar Englisch, nicht aber die Menschen, von denen er etwas wollte. Die beriefen sich vor lauter Hilflosigkeit auf die Amtssprache Deutsch. "Das war ganz schön schwierig", sagt Kizilkara.

Heute sitzt er auf der anderen Seite des Schreibtisches. Seit über 20 Jahren ist der 52-Jährige hauptamtlicher Ausländerbeauftragter in der Gemeinde Weyhe und beratendes Mitglied im Integrationsrat, der am 4. März neu gewählt wird. Kizilkara weiß, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen und kann den Immigranten gerade deshalb bei ihrer Eingewöhnung in Deutschland und der Gemeinde Weyhe helfen. Kizilkara betreut und begleitet Asylbewerber, die der Gemeinde von den Zentralanlaufstellen in Oldenburg und Braunschweig zugewiesen werden - "Flüchtlinge, Spätaussiedler, jüdische Immigranten und allgemeine Ausländer", sagt Kizilkara. Er hilft bei Behördengängen, bei der Unterbringung in den vorübergehenden Obdachlosenunterkünften und bei der Suche nach einem langfristigen Zuhause, bei der Ausstattung mit Möbeln, Fahrrädern und anderen Dingen, die zum Leben gehören, bei der Stellensuche, bei der Einschulung der Kinder und vielem mehr.

Im Jahr 2011 hat die Gemeinde 52 Neuankömmlinge aufgenommen, für dieses Jahr sind vorerst 24 angekündigt. Insgesamt leben zur Zeit etwa 1100 Ausländer aus 77 Nationen in Weyhe, 88 davon in Obdachlosenunterkünften. Die meisten Immigranten sind türkischer oder arabischer Abstammung. Darauf folgen Serben und Polen.

Die Ausländerbetreuung nahm in Weyhe dank des Vereins Ausländerfreundeskreis Mitte der 80er Jahre ihren Anfang. "Das war eine Interessengemeinschaft, die bestimmte Themen angesprochen hat, die Ausländer betrafen", sagt Kizilkara. "Der Verein hat sicherlich dazu beigetragen, die Notwendigkeit eines Ausländerbeauftragten aufzuzeigen." Eine Integrationsbetreuung gab es damals nicht. "Die Migranten beantragten hier finanzielle Mittel, ansonsten wurden sie allein gelassen", sagt Bettina Preißner, Leiterin des Fachbereichs Ordnung und Soziales.

Das änderte sich 1988. Da nahm Hülya Muratoglu ihren Dienst als erste Ausländerbeauftragte der Gemeinde Weyhe auf. 1990 löste Esref Kizilkara sie ab - in einer bewegten Zeit: "1991 begann die Flüchtlingswelle aus Bosnien", sagt er. "Das war eine sehr schwierige Zeit. Da haben wir fast alle leerstehenden Wohnungen in Weyhe für die Flüchtlinge angemietet." Später folgte die Welle der Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion.

Für diese Flüchtlinge und Spätaussiedler war es wohl Glück, dass sie nicht in den 70er-Jahren, sondern den 90er-Jahren nach Weyhe kamen. So gestaltete sich ihre Ankunft in Deutschland deutlich einfacher, als Kizilkaras damals. Das liegt zum Beispiel daran, dass der Ausländerbeauftragte, der schon längst die deutsche Staatsbürgerschaft inne hat, neben seiner türkischen Muttersprache und Englisch nicht nur die Amtssprache Deutsch spricht, sondern sich auch auf Griechisch unterhalten kann und Arabisch und Russisch zumindest teilweise versteht. "So kann ich eine Vertrauensbasis schaffen", sagt er.

Aber Sprache ist für Kizilkara auch der Schlüssel zur Integration. Er selbst hat einen viermonatigen Deutschkursus absolviert, als er nach Deutschland kam. Während seines Studiums zum Diplom-Ökonom an der Universität Bremen trat er Sportmannschaften bei, um möglichst viele Einheimische und deren Leben kennenzulernen - und ihre Sprache. "Nur so kann man sich tolerant gegenüber treten." Darum bekommen auch die Weyher Migranten Sprachkurse, die von Spendengeldern finanziert werden. Außerdem werden sie dezentral untergebracht, damit in der Gemeinde keine sogenannten Parallelwelten entstehen.

Kizilkaras Anliegen sei es, den Migranten einen würdigen Empfang in Weyhe zu bieten und sie nicht wie Bittsteller zu behandeln. "Ich weiß, dass viele es zu Anfang schwer haben", - zum Beispiel wenn sie arbeiten wollen, aber ihre Ausbildung nicht anerkannt wird, obwohl sie hoch qualifiziert sind.

Die Akzeptanz seitens der Weyher gegenüber den Migranten sei hoch, so Kizilkara. Trotzdem gäbe es immer wieder Konflikte, bei denen er vermittelnd einschreiten müsse. Meistens gehe es um Dinge, die die Migranten aus ihrer Heimat einfach nicht kennen würden - zum Beispiel den Müll zu trennen oder im Sommer nicht bis spät in der Nacht laut im Garten zu feiern. Dann kommt der Ausländerbeauftragte zu Besuch, schlichtet und klärt über Rechte und Pflichten auf.

Dazu zählen auch der Kindergarten- und Schulbesuch der Kinder. Oft würde das Bildungsangebot ab dem Kleinkindalter kaum genutzt, weil es nicht bekannt sei. Dabei sei gerade die frühe Teilhabe an Angeboten wie dem Kindergarten, dem Sportverein oder anderen Gruppen sehr wichtig, meint Kizilkara. "Das ist sehr hilfreich bei der Integration, weil man viele Kontakte knüpfen kann, die Sprache schneller lernt und Toleranz und Verständnis für den anderen entwickelt", sagt er. "Den ersten Schritt zur Integration müssen die Ausländer selbst tun. Und ich helfe ihnen dabei."

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