Weyher Bürgerbus nimmt Fahrbetrieb wieder auf Verhaltener Neustart

Die Bürgerbusse in Weyhe rollen wieder. Trotzdem bleiben derzeit noch etliche Sitze leer – nicht nur die, die ohnehin wegen der Corona-Bestimmungen abgesperrt werden müssen.
19.06.2020, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Femke Liebich

Weyhe. Endlich rollt er wieder. Fast auf den Tag genau drei Monate mussten die beiden roten Weyher Bürgerbusse coronabedingt in der Garage bleiben. Seit dieser Woche ist die Zwangspause beendet und der beliebte Kleinbus verkehrt wieder wie gewohnt auf den Touren 116 und 117 durch die Gemeinde. Die Resonanz nach einer Woche ist noch sehr verhalten. Das liegt vermutlich an der allgemeinen Zurückhaltung der Bevölkerung und an den strengen Auflagen.

Routiniert steuert Werner John den Kleinbus durch die Einbahnstraßen am Weyher Marktplatz und hält pünktlich wie gewohnt um 15.34 Uhr an der Haltestelle Theater. Er ist einer von derzeit 40 ehrenamtlichen Fahrern, die nun wieder regelmäßig im Einsatz sind. „Ich bin gespannt, ob heute noch jemand einsteigt“, sagt er zur Begrüßung. Seit gut zwei Stunden verkehrt der Fahrer auf der Linie 116 zwischen Leeste und Jeebel. „Bisher habe ich nur einen Schüler mitgenommen, der vermutlich einen Freund besuchen wollte“, berichtet er. Auf seiner zweiten Runde bleibt der Fahrer allein im Bus. Dabei hätte er Platz für mindestens drei Mitfahrer. „Um den erforderlichen Mindestabstand von 1,5 Metern auch in unserem Kleinbus einhalten zu können, mussten wir das Sitzplatzangebot reduzieren“, hatte Regine von Larcher, Vorsitzende des Vereins Bürgerbus Weyhe, im Vorfeld mitgeteilt. „Sollten Personen einsteigen, die aus einem Haushalt kommen, können diese natürlich auch zusammen auf der Rückbank Platz nehmen. Dann würde sich das Sitzplatzangebot auf fünf erhöhen“, ergänzt Werner John. Entsprechende Hinweisschilder mit Emojis sowie Absperrband weisen im Bus auf die neuen Vorgaben hin. Im Anschluss an jede Schicht werden die Fahrzeuge von den Fahrern gründlich desinfiziert.

Zurzeit freuen sich die Fahrer aber noch, wenn überhaupt jemand mitfährt. „Die Resonanz nach den ersten drei Tagen ist sehr verhalten. Die Leute trauen sich noch nicht richtig. Vielleicht befürchten sie auch, dass sie am Ende warten müssen, weil kein Platz im Bus frei ist“, so Johns Vermutung. Dazu kommt, dass sich die Fahrgäste derzeit darauf einstellen müssen, dass die Fahrer keine Einstiegshilfe leisten können. „Sonst war es selbstverständlich, dass wir ihnen mit dem Rollator geholfen oder für sie die Einkaufstaschen in den Bus getragen haben“, berichtet Werner John. Das gilt auch für den regelmäßigen Plausch zwischen Fahrer und Fahrgästen. Aktuell sind diese durch eine Kunststoffscheibe voneinander getrennt. Auch das Tragen eines erforderlichen Mund-Nasen-Schutzes beeinträchtigt die Kommunikation miteinander.

All diese Einschränkungen nimmt Inge Seekamp aus Kirchweyhe gerne in Kauf, wenn sie damit ein Stück Mobilität zurückgewinnen kann. „Ich habe sehnsüchtig darauf gewartet, dass der Bürgerbus wieder fährt“, berichtet sie, während sie an diesem sonnigen Nachmittag auf einer Bank am Marktplatz auf die Ankunft des Bürgerbusses mit der Nummer 117 wartet. Vor allem der Marktplatz mit seinen Geschäften und dem Gastronomieangebot ist für sie ein beliebtes Ziel, das sie nun wieder regelmäßig mit dem roten Kleinbus ansteuern kann. „Durch meine gesundheitlichen Beeinträchtigungen bin ich nicht mehr so mobil und freue mich jetzt umso mehr, dass ich den Bus wieder nutzen kann, um am Leben in der Gemeinde teilzunehmen. Und sei es nur, um ein bisschen zu gucken, ein Eis zu essen oder einen Kaffee zu trinken“, sagt sie.

Genau wie Inge Seekamp haben vor Corona zahlreiche Senioren, aber auch Schüler, Berufstätige und Pendler den Bürgerbus regelmäßig genutzt, um von A nach B zu kommen. „Einige stehen wirklich jede Woche zur selben Zeit an derselben Haltestelle, viele fahren aber auch nur bei Bedarf mit, um beispielsweise zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen“, weiß Werner John zu berichten. Für sich und seine Mitstreiter hofft er, dass diese Normalität mit der Zeit wieder einkehren wird und die Nachfrage steigt.

Am Ende seiner vierstündigen Schicht kommt Werner John auf insgesamt fünf Fahrgäste. Immerhin elf Passagiere nehmen im selben Zeitraum im zweiten Bürgerbus Platz, der auf der Linie 117 zwischen Sudweyhe und Erichshof verkehrt. Zum Vergleich: Vor Corona stiegen pro Woche bis zu 490 Personen in die beiden Bürgerbusse ein. Im vergangenen Jahr beförderte der Verein, der im kommenden Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, insgesamt bis zu 26 000 Fahrgäste.

Weitere Informationen zum Bürgerbus Weyhe sowie aktuelle Fahrpläne gibt es unter www.buergerbus-weyhe.de.

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