„Buntes Band“ in Bruchhausen-Vilsen

Artenvielfalt säen

Schwindende Biodiversität und Insektensterben: Die Samtgemeinde-Bruchhausen-Vilsen möchte diese Probleme mit der Errichtung eines „Bunten Bandes“ angehen. Vor mehr als einem Jahr entstand die Idee.
30.04.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Yannik Sammert und Micha Bustian
Artenvielfalt säen

Nachdem im vergangenen Jahr bereits die ersten Blühstreifen im Zuge des Projekts Buntes Band angelegt wurden, geht es in der Samtgemeinde nun weiter mit der Saat.

Insa Twietmeyer

Das „Bunte Band“ in Bruchhausen-Vilsen entwickelt sich. Heißt: Die Entstehung von sechs Meter breiten Blühstreifen, die sich künftig durch Asendorf, Martfeld, Schwarme und den Flecken ziehen sollen, schreitet voran. „Es ist sehr schön, wenn man merkt, dass so ein Projekt positiv angenommen wird“, freut sich Insa Twietmeyer. Sie ist im Rathaus für die Aktion zuständig. Zur Einordnung: Auf Initiative des Samtgemeindebürgermeisters Bernd Bormann wurde im Herbst 2019 der Gedanke geäußert, ein solches Band zur Förderung der Artenvielfalt zu schaffen.

Auch der Insektenschutz soll durch das Einrichten des weiträumig verlaufenden Netzwerkes von Blühpflanzen vorangetrieben werden. „Insektenschutz geht mit Artenvielfalt einher“, verdeutlicht Verwaltungsmitarbeiterin Twietmeyer. Mehr noch: Das Saatgut sei speziell auf Insekten, Schmetterlinge und weitere Nützlinge ausgelegt. So sollen die Blühstreifen als Nahrungsgrundlage und Rückzugsort für die Tiere dienen. Blühend seien die Pflanzen natürlich auch schön anzusehen, aber: „In die getrockneten Pflanzenhalme ziehen sich Insekten zurück und überwintern dort.“

Partnerschaftliches Vorgehen

Nach der Entstehungsidee des Projekts im Jahr 2019 wurden derweil schnell Partner gefunden – das Landvolk Mittelweser als Vertreter des landwirtschaftlichen Berufsstandes, der Mittelweserverband als Gewässerunterhalter und die Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer. Die Bezirksstelle wurde mit der sachkundigen Begleitung beauftragt. „Die Landwirtschaftskammer ist genau der richtige Partner, um uns mit fachlichem Wissen zur Seite zu stehen“, betont Twietmeyer. Es werde sich gut ergänzt.

Besonders wichtig sei den Beteiligten guter Zusammenhalt und ein Umgang auf Augenhöhe. Schließlich gehe es darum, der gesellschaftlichen Verantwortung zusammen gerecht zu werden. Eine wichtige Voraussetzung für das Projekt wurde vonseiten der Kommunalpolitik geschaffen: die Bereitstellung von Haushaltsmitteln. Sowohl die Kommunikation zwischen den Beteiligten als auch die Vorplanungen und nicht zuletzt die Umsetzung kosten Geld. „Finanzielle Mittel wurden 2021 in Höhe von 30.000 Euro von der Samtgemeinde zur Verfügung gestellt“, ordnet Twietmeyer ein.

Auf Grundstücken der Samtgemeinde wurden im Herbst zudem bereits mehr als drei Kilometer Feldraine mit einer artenreichen Spezialmischung eingesät. „Es ist ganz wichtig, dass die Samtgemeinde mit gutem Beispiel vorangeht“, hebt die Verwaltungsmitarbeiterin hervor. Dies sei ein gutes Zeichen an die Bevölkerung. Denn: Um letztlich wirklich ein Netz zu schaffen, brauche es auch die Mitarbeit, also die Flächen, von Landwirten und Privatleuten. „Es ist kein Projekt, bei dem ein Einzelner was tut. Wir machen das alles zusammen in einer Gemeinschaft“, sagt Twietmeyer.

Nun geht es weiter

Auf landwirtschaftlichen Flächen wurden im Frühjahr 2020 ebenfalls schon Blühstreifen realisiert. Die Einsaat auf kommunalen und landwirtschaftlichen Gebieten geht nun in diesem Frühjahr weiter. Auch auf privaten Grundstücken wird erstmals gesät. „Ich bin erfreut, wie viele Rückmeldungen ich bisher erhalten habe. Mit so vielen habe ich gar nicht gerechnet“, gesteht Twietmeyer. Eine konkrete Zielvorgabe gebe es beim „Bunten Band“ nicht. „Vielmehr wäre es schön, wenn es sich in den Köpfen der Leute verfestigt und vielleicht auch verselbstständigt“, hofft sie.

Wenn Landwirte und Privatpersonen auf unbürokratischem Wege, also ohne Vertragsunterzeichnung, Flächen zur Verfügung stellen möchten, können sie sich bei der Samtgemeinde (0 42 52/ 39 14 20) oder der Landwirtschaftskammer (0 50 21 /9 74 01 22) melden. Es dürfen Ackerränder an Gräben sowie Wegen, Gartenbereiche und Baulücken sein. Pro Hektar wird ein Zuschuss von 500 Euro gewährt. Eine mehrjährige Teilnahme an dem Projekt ist keine Pflicht. Die Einsaat kann im Bedarfsfall durch die Kommune übernommen werden. „Letztlich ist das Projekt aber auch auf Eigeninitiative ausgelegt“, so Twietmeyer.

Info

Zur Sache

Blühwiese vor Pepers Huus

Es ist still geworden um Pepers Huus. Zwischenzeitlich war es als Dorfgemeinschaftshaus für Martfeld im Gespräch (wir berichteten). Jetzt kommt wieder Leben auf das Grundstück Hauptstraße 27. Wie die Samtgemeindeverwaltung von Bruchhausen-Vilsen mitteilt, wird anlässlich des Projektes „Buntes Band“ eine 1000 Quadratmeter große Blühwiese auf dem Grundstück angepflanzt.

Die Blühwiese soll auf dem vorderen Bereich des Grundstücks zur Hauptstraße entstehen. Zurzeit wird dieser Bereich nicht genutzt. „Die Fläche bietet sich ideal an, weil sie ansonsten Unterhaltungsaufwand durch die erforderliche Mahd mit sich bringen würde“, lässt die Verwaltung in einer Pressemitteilung wissen.

Die Blühmischung besteht aus Pflanzen mit hohem Wert für nektarsammelnde Insekten: Alexandrinerklee, Sonnenblumen, Buchweizen, Perserklee, Phacelia, Serradella, Ölrettich, Malve, Koriander, Dill und Ringelblume. Diese Mischung fördere das Bodenleben und verbessere die Bodenbeschaffenheit. Sie bietet aufgrund der Zusammensetzung nicht nur Bienen Nahrung, sondern auch anderen Insekten und vielen heimischen Vögeln.

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