Im Rahmen der offenen Pforte zeigen auch Brigitte und Eckart Richter aus Sandhausen ihr grünes Paradies

Wie ein großes Gemälde

Vor sechs Jahren öffneten sie ihre Pforte zum ersten Mal für Gäste. Im Rahmen der Aktion "Offene Pforte – Gärten im Kulturland Teufelsmoor" können Besucher und Naturfreunde am Sonntag, 20. Mai, von 10 bis 18 Uhr das großzügige Gartengrundstück von Familie Richter in Sandhausen bewundern. [AUTOR]
18.05.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Janine Girth

Vor sechs Jahren öffneten sie ihre Pforte zum ersten Mal für Gäste. Im Rahmen der Aktion "Offene Pforte – Gärten im Kulturland Teufelsmoor" können Besucher und Naturfreunde am Sonntag, 20. Mai, von 10 bis 18 Uhr das großzügige Gartengrundstück von Familie Richter in Sandhausen bewundern. [AUTOR]

Sandhausen. Es duftet nach frischem Gras, die Luft ist lau und Vögel zwitschern. Insekten tummeln sich an unzähligen Blüten. Ein Meer aus saftigem Grün säumt das persönliche Paradies von Brigitte und Eckart Richter am Rande des Teufelsmoors in Sandhausen. Das kleine Holzpüppchen mit Strohhut, das jeden Gast am Eingang mit ´Hallo´ begrüßt, hat ein rotes Blümchen im Körbchen. Wer das massive Tor passiert, steht auf weitläufigen 2500 Quadratmetern voll von Blumen, Tieren und vor allem viel Liebe zur Natur.

"Ein Garten ist etwas für alle Sinne", schwärmt Brigitte Richter, während im Hintergrund sphärische Klänge eines unter einer Baumkrone hängenden Windspiels zu hören sind. Wenn sie im "grünen Wohnzimmer" sitzt, wie sie die große, hölzerne Ostterrasse bezeichnet, genießt sie den Geruch frischer Kräuter oder "den betörenden Duft der finnischen Heckenrosen, die dieses Jahr sogar etwas früher blühen."

Die riesigen Rhododendron tragen erste, farbenfrohe Blüten. "Im Mai ist Rhododendronzeit, deshalb öffne ich die Pforte zu meinem Garten. Alles sieht malerisch weiß, rot, blau oder lila aus", so die Hobbygärtnerin. Eine Malerin komme vor allem wegen der unbeschreiblichen Farbenpracht. Wie ein großes Gemälde wirkt Richters Gartenidyll tatsächlich. "Ich habe es mit den Farben. Der Gesamteindruck muss stimmig sein. Ich puzzle so lange, bis es mir gefällt", betont Richter. Es gibt immer etwas zu tun. Genau das mache den Reiz aus. Anregungen holt sie sich aus anderen, gut angelegten Gärten, aber auch auf Gartenreisen in England oder Holland.

Seit dem Ruhestand hat das Ehepaar Richter den Garten und das angrenzende, früher größtenteils aus Kuhwiese und Fußballfeld bestehende Landstück mit viel Energie aufgepeppt und eine Oase für Mensch und Tier gezaubert. "Durch den Lageplan und das Haus ergibt sich die Struktur des Gartens", erklärt Richter und zeigt durch die großen Glasfenster ihres Wintergartens, wo man einen Teich mit Seerosen und Schilfbewuchs erblickt.

"Das Grundstück ist abschüssig. So konnten wir einen oberen und einen unteren Teich mit Flusslauf anlegen. Die Pflege ist mein Ressort. Mein Mann legt sie an", stellt Brigitte Richter lachend klar. "Wenn eine Frau einen Garten hat, braucht sie einen Knecht", witzelt Eckart Richter, als er in der Tür erscheint. "Wir haben einen Gemüsegarten, dessen Vielfalt von Pastinaken über Rote Beete bis hin zu Zuckererbsen und Zucchini reicht, eine Streuobstwiese, die im Frühjahr mit Narzissen und Krokussen übersät ist und Bienenkörbe, die Eckart mit viel Hingabe pflegt ", erklärt sie.

Ein traditioneller Erdkeller, in dem der Lieblingswein der Richters und das selbst angebaute Gemüse lagern, darf nicht fehlen und im Insektenhotel können die kleinen Brummer Urlaub machen.

Es wird warm, als die Frühjahrssonne durch die Scheiben des Wintergartens lugt. Die 15-jährige Hündin Pauline tapst hinaus, um ein paar Strahlen zu erhaschen. "Pauline fühlt sich wohl, wenn sie im Garten spazieren geht. Und für unsere Enkel ist es ein Paradies zum Spielen und Verstecken", freut sich die Naturliebhaberin, während sie zwischen Rabatten geht, um emsig ein paar Zenkel Unkraut zu rupfen. "Ich kann hier nicht laufen, ohne mich zu bücken", schmunzelt sie.

Bei vielen Gärtnern ist Giersch ein lästiges Unkraut. Bei Richters hat auch Giersch seine Daseinsberechtigung. "Ich mag es nicht steril und gekünstelt. Ich habe gebändigte Natur", erläutert Richter.

Beim Rundgang zeigt Brigitte Richter auf die "Hühnervilla", der Stall für ihre Zwerghühner, die auf dem Grundstück umher tippeln. Von lästigen Nacktschnecken hat sich die Hobbygärtnerin schon lang verabschiedet. Ihre goldhälsigen Hühner sind dankbare Abnehmer. "Sie fressen Schadinsekten, Ameisen und Schneckeneier. Und manchmal legen sie sogar ein Ei", lacht Richter. Schon stolziert der Hahn majestätisch über den Rasen und reckt seinen Kopf neugierig in die Höhe. Beim nächsten Geräusch ist er unter einem dichten Strauch verschwunden. "Die kommen gerne mal ins Haus und gucken, wie es da aussieht", schmunzelt Richter.

Nicht nur Hühner bewohnen den Prachtgarten. Die Naturholzhecke rund ums Grundstück ist Domizil für Zaunkönige, Igel und Ringelnattern, die gern dort brüten. Eifrig holt Brigitte Richter eine Schachtel aus dem Wintergarten und öffnet sie. Der Inhalt sieht aus wie ein Stück trockenes Pergament mit Muster. Tatsächlich ist es eine Haut, die ein schlängelnder Gartenbewohner abgelegt hat. "Die Nattern liegen oft am Teich und sonnen sich", erzählt Richter.

Beeindruckende Artenvielfalt

In den Büschen zwitschern die Vögel. Eine unheimlich große Vogelwelt findet hier ihr zu Hause. Es gibt nur einheimische Pflanzen, alles was das Klima zulässt. "Die Natur soll sich bei mir wohlfühlen", sagt die leidenschaftliche Gärtnerin. Alles lebt giftfrei und die Artenvielfalt ist beeindruckend. Ein mit Efeu zugewachsener, alter Grill ist mittlerweile das Haus einer Haselmaus und unter Schatten spendenden Büschen, zwischen Dekoelementen aus Terrakotta, tummeln sich gern Vögel, die vom Teich oder den Wasserstellen naschen. Oft, wenn Richters mit Familie und Freunden unter dem erhöhten, afrikanisch anmutenden Pavillon inmitten des Grundstückes sitzen, stehen Fischreiher Spalier am Teich. "Die Fische in den Teichen haben die Reiher als Laich an den Füßen mitgebracht. Das ist Natur pur", freut sich Richter.

Vom Pavillon aus lässt man gern den Blick über das herrliche Stück Welt der Richters schweifen. Gleich an den Garten grenzen lang gezogene Weiden, die sie zur Herberge gemacht haben für Schwarzkopfschafe mit 25 Lämmern, für Dexter-Rinder, die sie selbst züchten und für Mini-Shettys, bei denen mit jedem Enkelkind auch ein neues Pony dazukam. "Erst vor wenigen Tagen haben wir geholfen, ein kleines Kalb auf die Welt zu bringen", sagt Eckart Richter und hält den schwarzen Gustav stolz auf dem Arm. Neugierig nähern sich die anderen Jungrinder und beäugen das Geschehen. Nebenan blöken die Schafe, deren Nachkommen dieses Jahr nur Zwillinge und Drillinge sind. Von Weitem ist Hufgetrappel der Ponys zu hören. Tusnelda, Kathinka, Anuschka, Mathilda, Trina, Max und Moritz galoppieren heran, um die mitgebrachten Leckereien zu knabbern.

Es beginnt zu regnen. Tropfen haften an den Scheiben des Wintergartens und die Farben der Beete spiegeln sich in den glänzenden Perlen. Wenn Richters die Pforte ihrer grünen Oase am 20. Mai öffnen, hoffen sie "auf schönes Wetter.

Zitat:

"Ich puzzle so lange,

bis es

mir gefällt."

Brigitte Richter

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