Red-Bull-Flugtag Wie ein Weyher Team mit der "Bremen 2.0" zum Sieg flog

Nicht ganz von Irland in die USA, aber immerhin 19,6 Meter weit hat es das Team "Trans Atlanticos", das teilweise aus Weyhe stammt, beim Red-Bull-Flugtag geschafft. Ein Sieg und eine Hommage.
03.07.2018, 18:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephen Kraut

Ein paar Unterschiede zwischen dem historischen Modell und dem Flieger, mit dem Brian Warnatsch, Thorsten Kampmann, Rocco Tiller und Simon Entelmann beim Red-Bull-Flugtag in Bremen an den Start gegangen sind, gibt es. Die Bremen 2.0 ist nur 5,50 Meter lang und hat auch nur eine Spannweite von neun Metern. Das Original bringt es immerhin auf knapp elf Meter Länge und eine Spannweite von knapp 18,5 Metern. Vor allem aber ist es die Distanz, die beide Flugzeuge zurückgelegt haben, die den Unterschied macht: Schaffte es die Junkers W 33, genannt die Bremen, von Berlin über Irland nach Neufundland in den USA, legte die Bremen 2.0 nur 19,6 Meter zurück. Für den Sieg beim Red-Bull-Flugtag reichte es für das Team "Trans Atlanticos" um den Sudweyher Warnatsch aber trotzdem. Für ihn und sein ganzes Team wurde damit ein besonderer Moment noch gekrönt.

"Ich habe 1992 oder 1993 das erste Mal einen Red-Bull-Flugtag gesehen", erinnert sich Warnatsch. In Wien war das, "seitdem war ich Feuer und Flamme dafür". Überhaupt liegt das Fliegen in seiner Familie: Der Vater ist seit 45 Jahren Pilot, er selbst hat den entsprechenden Schein seit 15 Jahren. Trotzdem dauerte es bis zu diesem Jahr, bis er sich entschloss, bei dem Flugevent mitzumachen. "Als ich hörte, dass die Flugtage nach Bremen kommen und das zum 90. Jahrestag des Europa-Amerika-Flugs, musste ich einfach teilnehmen", berichtet er. Damit spielt Warnatsch auf die Reise von Graf Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld, Herrmann Köhl und des Iren James Fitzmaurice von Berlin, beziehungsweise von Irland aus in die USA an – der erste transatlantische Flug in diese Richtung, wie Jens Petersen, Vorsitzender des Vereins "Wir holen die Bremen nach Bremen", erzählt. Zuvor hatte Charles Lindbergh die Reise in der Luft lediglich von West nach Ost und so laut dem Team mit dem Wind im Rücken bewältigt.

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So war auch die Idee schnell geboren, bei den Flugtagen eine Hommage an diese historische Flugmaschine zu bauen. Hinzu kommt für Warnatsch, dass seine Mutter aus Dublin stammt – eine besondere Verbundenheit hat er also auch zu Fitzmaurice. Das Team, seine Anschieber für den Flugtag, waren schnell gefunden, aber für das Vorhaben brauchte es auch eine Menge versierter Mitstreiter. Also fragte der Hobbypilot bei Bremer Vereinen rund ums Fliegen nach, die sich wiederum umhörten – und unter anderem Heinz Hansen ansprachen. Der Rentner aus Leeste war 35 Jahre in der Forschungsabteilung bei Airbus tätig. "Ich erinnere mich noch an unser erstes Treffen: Wir wussten alle noch nicht so genau, wo die Reise hingehen soll, und Heinz hat direkt eine Powerpoint-Präsentation voller mathematischer Formeln mitgebracht. Da wussten wir, dass wir einen Glücksgriff mit ihm getan hatten", erinnert sich Warnatsch.

40 Teams durften im Bremer Europahafen an den Start gehen, 70 hatten sich angemeldet. "Wir haben bis zur Qualifizierung nur geplant", sagt Hansen. Dann erst habe man angefangen, handwerklich tätig zu werden. "Sechs Wochen hatten wir ungefähr Zeit", so Warnatsch. Zeit, die gerade so ausreichte: "Die letzten Handgriffe haben wir einen Tag vor dem Event bis Mitternacht erledigt", berichtet der "Chef-Ingenieur", wie Warnatsch Hansen nennt.

Trotzdem ist die Liebe zum Detail nicht zu kurz gekommen. "Am Morgen des Starts haben wir den 17-jährigen Lasse abgeholt", berichtet der Pilot. Der junge Mann von der Künstler-Agentur Lucky Walls sorgte dann mit einer eigens gefertigten Schablone für das originale Aussehen des Fliegers. Aber Warnatsch will die vielen weiteren Helfer nicht unerwähnt lassen: "Ohne unseren Sponsor Ato Interactive hätten wir das nicht umsetzen können", glaubt der Sudweyher, selbst Mitarbeiter dort. "Die Kollegen haben sich auch in der Gestaltung sehr eingebracht." Aber die Familie habe ebenso mit angepackt. Gefertigt wurde die Bremen 2.0 übrigens zunächst in Hansens Garten in Leeste. "Aber irgendwann wurde sie zu groß", berichtet der Ingenieur. So zog man zum Flugplatz Weser-Wümme nach Hellwege um.

Und dann ging es nach Bremen. Auf der Rampe, bei rund 50 000 Zuschauern, sei Warnatsch übrigens nicht nervös gewesen. "Ich war 1000 Prozent sicher, dass es klappt", betont er. Doch dann machte der Wind einen Strich durch die Rechnung – oder besser gesagt: der fehlende Wind. "Ich hatte gehofft, dass wir 30, 40 Meter schaffen", erklärt er. Doch es reichte mit fast 20 Metern dennoch zum weitesten Flug des Tages. "Rocco sagte nachher zu mir, dass es der schönste Tag seines Lebens war", berichtet Warnatsch von den Gefühlen der Teamkollegen.

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Verloren ist die Bremen 2.0 übrigens nicht: "Wir haben morgens noch mit den Verantwortlichen gesprochen, dass wir nicht an den Start gehen, wenn das Modell nachher kleingehackt wird", betont er. Und so erklärte sich das THW bereit, die Überreste mit einem Kran zu bergen. "Vor allem den Rumpf hat es erwischt", bilanziert Warnatsch. Aber das Team hat bereits den Plan gefasst, den Flieger zu restaurieren. "Dann wird es eine große Party in der Bremenhalle im Bremer Flughafen geben", verspricht Jens Petersen bereits. Der in Stand gesetzte Flieger soll dann nach Möglichkeit mitkommen und seinen Platz direkt neben dem historischen Flieger finden.

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