Tropen-Temperaturen

Wie sich Bremen-Nord auf die erste Hitzewelle vorbereitet

Die erste Hitzewelle des Sommers ist da. Wir haben uns umgehört, wie sich Firmen und Schulen in der Region auf die Tropen-Temperaturen vorbereiten.
24.06.2019, 17:23
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Weth, Gabriela Keller und Iris Messerschmidt
Wie sich Bremen-Nord auf die erste Hitzewelle vorbereitet

Viel Flüssigkeit – so lautet die erste Regel. Das Leergut muss dann aber zurück an den Handel, sonst kommt kein Nachschub.

FOCKE STRANGMANN

Warm ist es schon länger, aber jetzt soll es richtig heiß werden: Die Meteorologen sagen für die nächsten Tage Temperaturen mal über, mal an die 30 Grad voraus. Ein erster Spitzenwert dieses Sommers wird für diesen Dienstag mit rund 35 Grad erwartet. Wie stellen sich Eiscafés auf die Hitze ein, wie der Umweltbetrieb, der für Straßen- und Parkbäume zuständig ist? Und was raten die Gesundheitsbehörde, machen die Schulen und unternehmen Arbeitgeber, um ihrem Personal eine Abkühlung zu verschaffen? Antworten gibt unserer Überblick.

Özkan Cihan mag es heiß – aber bitte nicht zu heiß. Was erst einmal komisch klingt, wenn das ein Betreiber eines Eiscafés sagt. Cihan gehört das Eleganza in der Vegesacker Fußgängerzone. Zeigt das Thermometer mehr als 30 Grad im Schatten an, verkauft er nicht nur weniger Gelato, weil die Kunden dann lieber etwas zu trinken haben wollen. Sondern muss auch mehr Zeit bei der Produktion einplanen. Milcheis, sagt er, wird bei Hitze länger in der Maschine gerührt, damit es nachher auf dem Servierteller nicht so schnell zerfließt. An einem heißen Tag wie am Montag kommt Cihan auf rund 300 Liter Eis, das er verkauft. Temperaturen um die 25 Grad sind nach seinen Worten ideal fürs Geschäft.

Die Anfrage an die Behörde ist zwar gerade erst rausgegangen, aber Ralf Möller geht schon jetzt davon aus, dass die Feuerwehr wieder beim Bewässern von Bäumen helfen wird, wenn es die nächsten Woche heiß bleiben sollte. Möller, zuständig für Grünflächen beim Umweltbetrieb, hat es genau ausgerechnet. Er kommt auf 2616 Bäume, auf die der städtische Betrieb jetzt besonders zu achten hat. Alle wurden in den vergangenen drei Jahren gepflanzt und können sich deshalb noch nicht allein ausreichend versorgen. Bei Hitze sind stadtweit 15 Teams im Dauereinsatz, um nachzuhelfen – mit bis zu 150 000 Liter Wasser am Tag. Hält die Trockenheit an, werden laut Möller auch ältere Bäume bewässert.

„Bei dieser Hitze auf dem Dach zu arbeiten, das ist schon ganz schön hart“, sagt Dachdeckermeister Olaf Rath vom gleichnamigen Meisterbetrieb in Blumenthal. Das Unternehmen versucht durch organisatorische Maßnahmen, das Arbeiten bei den heißen Temperaturen in luftiger Höhe für seine zwölf Mitarbeiter erträglicher zu machen. Arbeitszeiten werden entsprechend angepasst. „Wo es möglich ist, wie zum Beispiel in Neubaugebieten, wo man keine Nachbarn stört, fangen wir schon frühmorgens um 5.30 oder 6 Uhr statt um 7 Uhr an“, sagt Olaf Rath. Auch bei den Arbeiten wird nach seinen Worten gegebenenfalls umdisponiert. „In der Hitze kann es auf dem Dach bis zu 60 Grad heiß werden. Bei solchen Temperaturen lassen sich bestimmte Arbeiten, etwa der Einsatz eines Brenners auf einem Flachdach, nicht ausführen. Die müssen dann in die Morgenstunden verlegt oder nachgeholt werden.“ Die Mitarbeiter seien angehalten, mehr Trinkpausen einzulegen. Für seine Beschäftigten hat der Betrieb rund 30 Kisten Mineralwasser geordert. „Außerdem geben wir an jeden Sonnencreme aus. Das schreiben die Auflagen der Berufsgenossenschaft Bau vor. Hautkrebs ist bei Dachdeckern ein großes Thema“, so Olaf Rath.

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Die Bremer Bäder befinden sich bereits seit Sonnabend im Hochsaison-Modus. Heißt: Das Freibad Blumenthal ist durchgängig geöffnet, montags bis freitags von 6.30 bis 19 Uhr, sonnabends ab 12, sonntags ab 10 Uhr. Allerdings, betont Sprecherin Laura Schmitt, haben die Bäder kaum eine Chance, die Öffnungszeiten an lauen Abenden spontan zu verlängern. „Das Team muss dann das Bad für den Folgetag vorbereiten“, sagt sie. Das Wasser in den Becken ist zum Saisonbeginn noch recht kühl. Hier gibt es also Erfrischungsgarantie.

Während der letztjährigen Hitzeperiode hatte so mancher Getränkehersteller seine Probleme. Die Angst davor, dass Mineralwasser knapp wird, sorgte für Nachschub-Probleme. Viele Menschen bunkerten nämlich vermehrt Kisten zu Hause. Es kam kaum Leergut zurück, den Unternehmen fehlten die Flaschen zum Abfüllen. „Und uns fehlte der Nachschub“, erzählt Katharina Zitzling vom Nordbremer Getränke-Fachgroßhandel Gehlert. Ihr Tipp: Leergut so schnell wie möglich zurück an den Händler, daheim nicht mehr als zwei bis drei Kisten horten, lieber öfter mal abends zum Getränkehändler. Darüber hinaus empfehlen Ärzte weder zu warme Getränke, noch zu kalte Flüssigkeiten zu sich zu nehmen. Allein lauwarme Getränke zeigten einen gewissen Nutzen, denn hier braucht der Körper weder nachzuheizen noch abzukühlen. Flüssigkeiten sollten bei hohen Temperaturen in kleinen Schlucken zu sich genommen werden, an heißen Tagen mindestens 1,5 bis zwei Liter Flüssigkeit trinken – es helfen auch Multivitamin-Drinks oder leichte Saft-Schorlen. Salzige Suppen oder Salzstangen ersetzen zudem wichtige Elektrolyte.

Für die Mehrheit der Schüler an der Gesamtschule Schwanewede gibt es kein Hitzefrei. „Wir sind an die Fahrpläne der Schulbusse gebunden. Der Landkreis Osterholz hat sich bemüht, aber wir kriegen keine Extrabusse, um Schüler früher nach Hause schicken zu können“, erklärt Schulleiter Eugen Kolodziej. „Was wir machen: Klassen aus sehr heißen Unterrichtsräumen dürfen auf dem Höhepunkt der Hitzewelle am Dienstag und Mittwoch zu Hause bleiben.“ Wo es in Klassenräumen zu warm sei, dürften Lehrer den Unterricht auch an schattige Plätze ins Freie verlegen. „Wir haben auf dem Schulgelände ein großes Waldstück, das dafür genutzt werden kann.“ Das eigentliche Ziel laute Unterricht. „Aber ersatzweise sind auch andere Aktivitäten möglich. Die Entscheidung liegt in der pädagogischen Verantwortung der jeweiligen Lehrkräfte.“ Das Sportfest der Schule wurde am Montag wie geplant ausgerichtet. Temperaturen von um die 28 Grad waren für die Schulleitung kein Grund, die Veranstaltung abzusagen. „Wir haben darauf geachtet, dass die Schüler viele Pausen einlegen und sich dabei im Schatten unter den Bäumen aufhalten. Außerdem wurden sie aufgefordert, möglichst viel zu trinken“, so der Schulleiter.

Zwei Tipps noch vom Bundesamt für Strahlenschutz: Wer sich in der Sonne aufhält, sollte sich großzügig und wiederholt eincremen. Kinder mit mindestens Lichtschutzfaktor 30, Jugendliche und Erwachsene mindestens 20. Unter anderem sollte man auch die Augen schützen: Eine Sonnenbrille beuge Augenschäden durch ultraviolette Strahlung vor. Wichtig ist der Herstellerhinweis zum absoluten UV-Schutz.

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