Warper Wasserbüffelhof bei Nienburg

Wie sich Mia Fiedler um die schwarzen Riesen kümmert

Mia Fiedler ist Tierärztin und Betreiberin des Warper Wasserbüffelhofes. Sie züchtet die schwarzen Riesen, sie melkt sie, sie stellt den Käse her, den sie im eigenen Hofladen vertreibt – alles neben dem Hauptberuf.
24.09.2019, 08:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Kim Torster
Wie sich Mia Fiedler um die schwarzen Riesen kümmert

Seit 2007 betreibt Mia Fiedler ihren Wasserbüffelhof in Warpe.

Torsten Spinti

Helena beschwert sich. Das meint zumindest Mia Fiedler, ihre Besitzerin. Immer, wenn die acht Jahre alte Wasserbüffeldame unzufrieden sei, gebe sie diesen Ton von sich – wie ein Quaken. Gerade hat Fiedler ihre Helena von der Wiese geholt, jetzt will die 54-Jährige auf ihr reiten. Sie stülpt dem Büffel ein Halfter über; Helena kennt das schon, aber sie quakt weiter. Fiedler winkt ab: „Ach, so furchtbar findet sie das eigentlich gar nicht.“

Fiedler ist Tierärztin – und betreibt nebenbei einen Wasserbüffelhof in Warpe bei Nienburg. Oder ist es andersrum? Angefangen hatte das alles vor zwölf Jahren. Die Tierärztin und gelernte Landwirtin Fiedler beschloss, gemeinsam mit einem befreundeten Gastwirt Wasserbüffelmilch zu produzieren. Fiedler wäre für die Tiere zuständig, der Gastwirt wollte die Milch für sein Restaurant. Zehn weibliche Tiere und ein Bulle wurden dafür von Italien nach Warpe gebracht. Als ein Jahr später der erste Wasserbüffel kalbte, beschloss der Gastwirt, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

Fiedler stand alleine da und wusste nicht, wohin mit der Milch. „Damals konnte damit noch kein Mensch etwas anfangen“, sagt sie. So ­begann sie, selbst mit der Milch zu experimentieren. Erst probierte sie sich am Mozzarella, nach und nach kam der Rest hinzu. Heute kümmert sich Fiedler um 40 Wasserbüffel. In ihrem Hofladen verkauft sie unter anderem den Käse, den sie aus der Milch der Tiere auf ihrem Hof selbst herstellt: Mozzarella, Feta, Camembert.

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Es ist kurz vor Mittag, 11 Uhr. Fiedler stapft über ihren Hof. Schon seit einigen Stunden ist sie auf den Beinen. Weil Fiedler so viel zu tun hat, ist jede Sekunde geplant. Aber an diesem Tag ist der Wurm drin. Eigentlich sollte sie schon längst beim Käsemachen sein, aber das Wasser ist noch nicht heiß genug. Fiedler ist genervt. Mehrmals am Tag wechselt sie zwischen Praxis und Stall, vom Auto auf den Traktor. Jeden Tag muss Fiedler nach all ihren Büffeln sehen, die in Warpe verteilt auf Wiesen stehen. Sie muss sie sehr früh morgens melken und abends noch einmal. Sie muss die Tiere füttern und medizinisch versorgen. Sie muss den Käse herstellen und ihre Tierarztpraxis unterhalten. Immer hat sie ein Headset im Ohr, um die Hände frei zu haben. Dann kann sie die Anrufe entgegennehmen, auch wenn sie gerade dabei ist, die Büffel in den Stall zu treiben.

Ihre Tiere kennt Fiedler in- und auswendig. Schon von Weitem kann sie erkennen, um welchen Büffel es sich handelt; sie weiß, welches Tier sehr stur, welches gutmütig, welches ängstlich ist. Sie hat Lieblinge und Sorgenkinder. Und entdecken ihre Büffel sie oder ihr Auto, laufen sie sofort auf sie zu. Eigentlich würde Fiedler gern mehr mit den Büffeln machen. Schon vor einiger Zeit hat sie angefangen, Führungen anzubieten oder Menschen auf Helena reiten zu lassen. Sie könnte sich auch vorstellen, die Käse­herstellung als Gruppenevent anzubieten: eine Mitmach-Käserei. Aber das braucht Zeit – und die hat Fiedler nicht.

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Auf ihrem Erlebnishof bietet Mia Fiedler auch Wasserbüffelreiten an. Helena ist momentan aber das einzige Tier der Herde, das eingeritten ist. An diesem Tag darf Aushilfe Jacqueline Storch es ausprobieren – und ist begeistert.

Foto: Torsten Spinti

Gegen Abend wird sie sagen, das alles sei ihr über die Jahre zu viel geworden. Jeden Tag arbeitet Fiedler mehr als zwölf Stunden. Ständig läuft oder fährt sie hin und her und ist dabei so schnell, dass es schwierig ist, ihr zu folgen. Einige Aufgaben übernehmen mittlerweile eine Handvoll Mitarbeiter; eine Nachbarin kümmert sich hin und wieder um den Hofladen. Aber Fiedler wünscht sich jemanden, der ganz mit einsteigt. Jemand, der Lust hat, ihren Büffel-­Erlebnishof mit ihr zusammen zu betreiben oder ihn zu übernehmen. Sie sagt: „Wenn ich niemanden finde, werde ich das hier beenden.“ Dann will sie ihre Büffel abgeben.

Helena hat aufgehört zu quaken. Mit einem umfunktionierten Pferde-Westernsattel auf dem Rücken steht sie x-beinig neben Fiedler und schaut gleichgültig die Menschen an, die um sie herumwuseln. „Helli, na komm“, sagt Fiedler und schwingt sich auf den Wasserbüffel. Und als ob dieses Bild von einer zierlichen Frau auf diesem mächtigen Tier noch nicht gereicht hätte, fängt Helena auf Befehl an zu galoppieren. Schwerfällig läuft der Büffel mit Fiedler die schmale Straße entlang Richtung Maisfeld. Kurz sieht es so aus, als würden die beiden im nächsten Augenblick zwischen den Pflanzen verschwinden – und vielleicht einfach nicht mehr umkehren.

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